Glossodynie, auch bekannt als Zungenbrennen oder Mundbrennen, bezeichnet eine schmerzhafte Empfindungsstörung der Mundschleimhaut, bei der keine sichtbaren Veränderungen der oralen Mukosa erkennbar sind. Dieses Syndrom betrifft vor allem Frauen nach der Menopause und tritt häufig in Verbindung mit Xerostomie (Mundtrockenheit) und Dysgeusie (Geschmacksstörungen) auf. Die genauen Ursachen sind oft unklar, aber es wird angenommen, dass eine periphere und zentrale Neuropathie eine Rolle spielt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Glossodynie, von ihren Ursachen und Symptomen bis hin zu den aktuellen Behandlungsmöglichkeiten.
Ursachen und Klassifizierung der Glossodynie
Glossodynie wird in primäre und sekundäre Formen unterteilt.
Primäre Glossodynie
Bei der primären Glossodynie kann keine zugrundeliegende Erkrankung oder spezifische Ursache identifiziert werden. Sie wird oft als idiopathisch eingestuft und steht im Verdacht, eine fokale, gemischt periphere und zentrale Neuropathie zu sein. Faktoren wie hormonelle Veränderungen (insbesondere nach der Menopause), chronischer Stress, Angstzustände oder auch lokale Reizungen im Mundraum können zur Entwicklung beitragen. Die Prävalenz wird auf 1 bis 2 % geschätzt, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer.
Sekundäre Glossodynie
Die sekundäre Glossodynie hingegen ist auf eine erkennbare Grunderkrankung zurückzuführen. Dazu zählen verschiedene systemische Erkrankungen wie:
- Diabetes mellitus: Ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel kann Nervenschäden verursachen, die sich auch im Mundraum manifestieren können.
- Eisenmangelanämie: Ein Mangel an Eisen kann zu Veränderungen der Schleimhäute führen.
- Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure kann Glossodynie auslösen.
- Pilzinfektionen: Candida-Pilzinfektionen im Mundraum können ebenfalls Brennen verursachen.
- Allergische Reaktionen: Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Inhaltsstoffen in Zahnpasta, Mundspülungen oder Zahnprothesenmaterialien.
- Medikamentennebenwirkungen: Bestimmte Medikamente können Mundtrockenheit und Brennen als Nebenwirkung haben.
Symptome der Glossodynie
Das Hauptsymptom der Glossodynie ist ein anhaltendes Brennen, das primär die Zunge betrifft, aber auch auf andere Bereiche der Mundschleimhaut übergreifen kann. Weitere häufige Symptome sind:
- Geschmacksveränderungen (Dysgeusie): Betroffene berichten oft von einem metallischen, bitteren oder veränderten Geschmacksempfinden.
- Mundtrockenheit (Xerostomie): Ein Gefühl der Trockenheit im Mund ist weit verbreitet.
- Schmerzen: Die Intensität des Brennens und der Schmerzen kann variieren, von leicht unangenehm bis stark beeinträchtigend.
- Gefühlsstörungen: Taubheitsgefühle oder Kribbeln auf der Zunge.
Diese Symptome können konstant vorhanden sein oder in ihrer Intensität schwanken, oft verschlimmern sie sich im Laufe des Tages.
Diagnose der Glossodynie
Die Diagnose der Glossodynie basiert hauptsächlich auf der Anamnese und der klinischen Untersuchung. Da keine sichtbaren Veränderungen der Mundschleimhaut vorliegen, ist es für Ärzte und Zahnärzte wichtig, andere mögliche Ursachen für das Brennen auszuschließen. Dies kann durch verschiedene diagnostische Verfahren geschehen:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Erfragung von Symptomen, Dauer, Begleiterscheinungen und eingenommenen Medikamenten.
- Klinische Untersuchung: Inspektion der Mundschleimhaut auf Veränderungen, Beurteilung der Zungenmotorik und Sensibilität.
- Blutuntersuchungen: Zur Feststellung von Mangelzuständen (z.B. Eisen, Vitamin B12) oder Grunderkrankungen wie Diabetes.
- Pilzkulturen: Zum Ausschluss einer Candidose.
- Allergietests: Bei Verdacht auf Unverträglichkeiten.
Die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Glossodynie ist entscheidend für die Wahl der geeigneten Therapie.
Behandlungsmöglichkeiten der Glossodynie
Die Behandlung der Glossodynie richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Symptome.
Behandlung der sekundären Glossodynie
Liegt eine sekundäre Glossodynie vor, steht die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund. Die Besserung der Grunderkrankung führt oft zu einer Linderung der Mundbeschwerden. Dies kann die Anpassung der Diabetestherapie, die Supplementierung von Eisen oder Vitaminen, eine antimykotische Behandlung oder die Identifizierung und Vermeidung von Allergenen umfassen.
Behandlung der primären Glossodynie
Bei der primären Glossodynie, bei der keine klare Ursache gefunden wird, zielt die Therapie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
- α-Liponsäure: Dies ist die Therapie der Wahl bei primärer Glossodynie, da sie vergleichsweise gute Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen zeigt. Sie wirkt antioxidativ und kann neuroprotektive Effekte haben.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, haben sich als wirksam bei neuropathischen Schmerzen erwiesen und stellen eine sinnvolle Therapieoption dar, wenn α-Liponsäure nicht ausreicht. Diese Medikamente beeinflussen die Aktivität von Nervenzellen und können so das Schmerzempfinden reduzieren.
- Lokales Clonazepam: Das Benzodiazepin Clonazepam, lokal im Mund angewendet, hat in einigen Studien positive Ergebnisse gezeigt.
- Psychologische Unterstützung: Da Stress und psychische Faktoren eine Rolle spielen können, können psychotherapeutische Ansätze, Entspannungstechniken oder stressreduzierende Maßnahmen hilfreich sein.
- Symptomatische Linderung: Mundspülungen mit nicht-alkoholischen Lösungen, der Verzicht auf reizende Lebensmittel (scharf, sauer) und eine gute Mundhygiene können ebenfalls zur Linderung beitragen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Behandlung der Glossodynie oft Geduld erfordert und eine individuelle Anpassung der Therapie notwendig ist. Die Suche nach Linderung kann langwierig sein, aber verschiedene Ansätze bieten Hoffnung für Betroffene. Eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Zahnärzten ist für eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich.

