Zecken sind mehr als nur lästige kleine Blutsauger – sie können gefährliche Krankheiten übertragen. Eine der bekanntesten und gefürchtetsten ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Doch welche Risiken birgt ein Zeckenstich wirklich, und wie kann man sich am besten schützen? Diese umfassende Übersicht liefert Ihnen alle wichtigen Informationen zur Zeckenimpfung, ihren Risiken und Nutzen.
Was ist FSME und wie überträgt sie sich?
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Viruserkrankung, die das zentrale Nervensystem befallen kann. Die Übertragung erfolgt durch den Stich einer infizierten Zecke. Die Krankheit verläuft oft in zwei Phasen: Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen können grippeähnliche Symptome auftreten, die aber meist unbemerkt bleiben.
In der zweiten Krankheitsphase, die bei etwa 5 bis 15 % der Infizierten auftritt, greift das Virus das zentrale Nervensystem an. Symptome wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Bewegungsstörungen können die Folge sein und über Monate hinweg anhalten. In schweren Fällen kann es zu bleibenden Lähmungen der Gliedmaßen oder Gesichtsnerven kommen, und in seltenen Fällen verläuft die Infektion sogar tödlich. Eine ursächliche Behandlung von FSME ist nicht möglich; es können lediglich die Symptome gelindert werden.
Der Unterschied zwischen FSME und Borreliose
Neben FSME ist Borreliose die zweite bedeutende Krankheit, die durch Zecken übertragen wird. Im Gegensatz zu FSME gibt es für Borreliose keine Impfung. Allerdings ist Borreliose im Frühstadium gut mit Antibiotika behandelbar. Die Zeckenimpfung schützt ausschließlich vor FSME-Viren, nicht jedoch vor Borreliose oder anderen, sehr seltenen durch Zecken übertragbaren Krankheiten.
Wer sollte sich impfen lassen?
Seit Sommer 2024 wird fast die gesamte Schweiz als FSME-Risikogebiet eingestuft. Daher wird die Impfung allen Personen empfohlen, die sich häufig im Freien aufhalten, insbesondere in Waldgebieten, sei es beruflich oder privat. Dazu zählen beispielsweise Landwirte, Förster, Wanderer, Kletterer oder Personen, die in einem Zeckengebiet leben. Diese Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko, von Zecken gestochen zu werden und sich mit dem FSME-Virus zu infizieren.
Personen, die sich hauptsächlich in städtischen Gebieten aufhalten, könnten eine Impfung in Erwägung ziehen, sollten sich aber dennoch stets vor Zeckenstichen schützen, insbesondere in stadtnahen Erholungsgebieten.
Wie läuft die Zeckenimpfung ab?
Die Grundimmunisierung gegen FSME besteht aus drei Impfungen. Für Erwachsene ab 16 Jahren kann die Impfung in der Apotheke durchgeführt werden, während Kinder bereits ab 3 Jahren ärztlich geimpft werden können.
Der ideale Zeitpunkt für die erste Impfung ist im Winter. Die zweite Impfung folgt dann ein bis drei Monate nach der ersten. Bereits nach dieser zweiten Impfung ist ein Impfschutz von etwa 87 % erreicht. Die dritte Impfung wird fünf bis zwölf Monate nach der zweiten verabreicht. Mit diesen drei Impfungen sind Sie für mindestens zehn Jahre zu etwa 99 % geschützt.
Für Personen, die sich kurzfristig schützen müssen, gibt es auch ein Schnellschema. Hierbei erfolgt die zweite Impfung bereits nach 14 Tagen und die dritte Impfung wie üblich nach fünf bis zwölf Monaten. Nach der zweiten Impfung im Schnellschema besteht ein Impfschutz von etwa 85 %. Es ist ratsam, sich beim Impfen nach dem verwendeten Impfstoff und den genauen Angaben zur Wirksamkeit zu erkundigen, da diese je nach Hersteller leicht variieren können.
Risiken und Nebenwirkungen der Impfung im Vergleich zur Krankheit
Die Zeckenimpfung gilt im Allgemeinen als sehr gut verträglich. Dennoch können, wie bei jeder Impfung, Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen, die etwa 30 % der Geimpften betreffen. Ebenfalls bei etwa 30 % können allgemeine Reaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit oder Muskelschmerzen auftreten, Fieber ist sehr selten.
Allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind extrem selten (1-2 Fälle pro Million Dosen) und können behandelt werden. Schwere neurologische Nebenwirkungen sind ebenfalls sehr selten (1 auf 70.000 bis 1 Million Dosen) und äußern sich meist in vorübergehenden Symptomen wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungserscheinungen. Eine eindeutige Zuordnung des kausalen Zusammenhangs ist aufgrund der Seltenheit oft schwierig, wird aber in Einzelfällen als gegeben erachtet.
Um die Risiken abzuwägen: Das Risiko, an FSME zu sterben, liegt statistisch gesehen zwischen 1:33.000 und 1:500.000, während schwere neurologische Nebenwirkungen nach einer Impfung deutlich seltener auftreten. Wer sich viel im Freien aufhält und somit einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt ist, profitiert daher in der Regel deutlich mehr von der Impfung als von den sehr seltenen möglichen Nebenwirkungen.
Kosten und Auffrischung der Impfung
Die Kosten für eine komplette Zeckenimpfung, bestehend aus drei Dosen, belaufen sich in der Apotheke auf etwa 212,40 CHF (Stand Oktober 2025). Dies beinhaltet die Kosten für den Impfstoff und den Impfservice. Nach der Grundimmunisierung besteht ein Schutz für mindestens zehn Jahre. Danach wird gemäß der Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) eine Auffrischungsimpfung empfohlen, für die nur eine Einzeldosis erforderlich ist.
Fazit: Ein sinnvoller Schutz für Risikogebiete
Die Zeckenimpfung ist ein wichtiger und in den meisten Teilen Deutschlands und der Schweiz empfohlener Schutz gegen die potenziell schweren Folgen einer FSME-Infektion. Angesichts des relativ geringen Risikos von Nebenwirkungen im Vergleich zur Schwere der Krankheit, insbesondere für Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko, stellt die Impfung eine sinnvolle präventive Maßnahme dar. Schützen Sie sich und informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker über die für Sie passende Impfstrategie.

