Lebensversicherungen sind ein vielschichtiges Finanzinstrument, das in Deutschland vielfältige Anwendung findet. Ob als Ergänzung zur Altersvorsorge, als finanzielle Absicherung für Hinterbliebene im Todesfall, als Tilgungsträger für Kredite oder zur Besicherung von Darlehen – die Optionen sind zahlreich. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Lebensversicherungen und gibt wichtige Hinweise, worauf Verbraucher vor und nach dem Vertragsabschluss achten sollten, um fundierte Entscheidungen zu treffen und das Beste aus ihrer Geldanlage herauszuholen.
Die Vorteile von Lebensversicherungen in Deutschland
Ein wesentlicher Vorteil von Lebensversicherungen in Deutschland liegt in der Möglichkeit, Prämienzahlungen steuerlich geltend zu machen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Auszahlung in Form von Rentenzahlungen vorgesehen ist. Die Berücksichtigung als Sonderausgaben war bis zur Lohnsteuerreform 2016 möglich und galt für bestehende Verträge bis einschließlich 2020. Auch wenn diese Regelung heute eingeschränkt ist, können bestehende Verträge weiterhin von steuerlichen Vorteilen profitieren. Darüber hinaus bieten Lebensversicherungen eine planbare finanzielle Sicherheit für den Fall des Ablebens, was Angehörigen zugutekommt und finanzielle Engpässe nach einem Todesfall abfedern kann.
Mögliche Nachteile und Einschränkungen
Trotz ihrer Vorteile bergen Lebensversicherungen auch Nachteile. Eine wesentliche Einschränkung ist die Unverbindlichkeit der Gewinnbeteiligung. Die tatsächlichen Erträge können daher von den anfänglich prognostizierten Werten abweichen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die geringe Flexibilität von Lebensversicherungen. Bei einem plötzlichen Kapitalbedarf während der Laufzeit können hohe Verluste entstehen, da Teile der Prämien für den Ablebensschutz und die Verwaltungskosten des Versicherers unwiederbringlich sind. Auch die Vermittlungsprovision schlägt sich in den Kosten nieder. Langfristige Kapitalbindung ist ein weiteres Merkmal, das bei der Wahl einer Lebensversicherung bedacht werden muss.
Wann ist eine reine Risikoversicherung die bessere Wahl?
Für die reine Absicherung von Hinterbliebenen im Todesfall ist eine reine Risikoversicherung oft sinnvoller als eine gemischte Er- und Ablebensversicherung. Eine solche Risikoversicherung deckt ausschließlich den Todesfall ab und ermöglicht es, für einen kürzeren Zeitraum und eine höhere Versicherungssumme abzuschließen, als dies bei klassischen Lebensversicherungen üblich ist. Dies erlaubt eine bessere Anpassung an die aktuelle Lebenssituation, beispielsweise bis zum Ende der Ausbildungszeit der Kinder.
Wichtige Überlegungen vor Vertragsabschluss
Eine Lebensversicherung stellt ein langfristiges finanzielles Engagement dar. Bevor Sie sich für ein Produkt oder einen Anbieter entscheiden, ist eine umfassende Information und Klärung individueller Fragen unerlässlich.
Welche Art von Lebensversicherung passt zu mir?
Es gibt verschiedene Formen von Lebensversicherungen, die sich in ihrer Funktionsweise unterscheiden:
- Er- und Ablebensversicherung: Hier erhalten Sie nach Ablauf einer bestimmten Laufzeit Geld ausgezahlt (Erleben) oder Ihre Hinterbliebenen erhalten die vereinbarte Summe im Todesfall (Ableben).
- Ablebensversicherung: Dies ist eine reine Risikoversicherung, die im Todesfall der versicherten Person eine vertraglich festgelegte Summe ausschüttet.
- „Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge“: Diese spezielle Versicherungsform wird durch eine staatliche Prämie gefördert. Allerdings sind die staatliche Prämie und die Erträge oft nicht sehr hoch.
Es ist ratsam, Berechnungen zur „Pensionslücke“ kritisch zu hinterfragen und zur Ermittlung der staatlichen Pension den AK Pensionsrechner zu nutzen.
Ist die Prämie langfristig tragbar?
Stellen Sie sicher, dass Sie die monatliche Prämie auch in finanziell engeren Zeiten aufbringen können, um eine vorzeitige Kündigung mit Verlusten zu vermeiden. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur die Prämie selbst, sondern auch Nebenkosten und mögliche Anpassungen.
- Dynamisierung der Leistungen: Eine automatische Anpassung der Leistung oder Versicherungssumme an einen Index (z.B. zur Erhaltung der Kaufkraft) kann die Prämie verteuern. Prüfen Sie genau, wie sich die Erhöhung der Versicherungssumme auf die Prämienhöhe auswirkt. Falls die Prämie zu hoch wird, kann auf die Dynamikklausel verzichtet werden.
- Unterjährigkeitszuschläge: Die monatliche, viertel- oder halbjährliche Bezahlung der Prämie kann durch Zuschläge teuer werden. Eine jährliche Zahlweise ist in der Regel kostengünstiger. Der AK Versicherungsspesenrechner kann hierbei helfen.
Sind teure Zusatztarife notwendig?
Zusatztarife für Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen können die Prämie erheblich erhöhen. Prüfen Sie, ob diese Zusätze wirklich benötigt werden und vergleichen Sie die Kosten mit Angeboten für Einzelpolicen.
Wo erhalte ich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?
- Mehrere Angebote einholen: Die Kosten für Versicherungen können erheblich variieren. Eine Erhebung der Arbeiterkammer (AK) zeigte beispielsweise Unterschiede bei den Abschlusskosten von bis zu 1440 Euro bei verschiedenen Anbietern.
- Effektiver Garantiezinssatz: Seit 2016 ist die Angabe des effektiven Garantiezinssatzes (Renditekennzahl nach Kostenabzug) vor Vertragsabschluss verpflichtend. Eine weitere Kennzahl ist die effektive Gesamtverzinsung, die den voraussichtlichen Gesamtertrag angibt. Eine neue tabellarische Darstellung der Kosten muss ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.
- Garantierte vs. unverbindliche Leistungen: Unterscheiden Sie klar zwischen vertraglich garantierten Leistungen und unverbindlichen Angeboten, die auf Gewinnbeteiligungen beruhen.
- Verzicht auf Garantiezinssatz: Bei klassischen Lebensversicherungen ohne Garantiezinssatz sollten Sie nachfragen, welcher Produktvorteil diesen Wegfall ausgleicht.
Ihr Rücktrittsrecht
Sie haben ein 30-tägiges Rücktrittsrecht ab Vertragsabschluss, um den Vertrag zu überprüfen und sich vor Überrumpelung zu schützen.
Was tun bei vorzeitiger Kündigung?
Eine vorzeitige Kündigung eines Lebensversicherungsvertrags kann kostspielig sein.
- Kündigungsmodalitäten prüfen: Informieren Sie sich über die genauen Konditionen. Das Online-Tool „Versicherung kündigen“ kann hierbei unterstützend wirken.
- Rückkaufswerte beachten: Der Rückkaufswert ist der Auflösungswert im Kündigungsfall. Er ist in der Regel niedriger als die Summe der eingezahlten Prämien, insbesondere bei frühzeitiger Kündigung.
- Prämienfreistellung als Alternative: Anstelle einer Kündigung können Sie die Prämienzahlung ganz oder teilweise aussetzen. Der Vertrag läuft weiter, allerdings mit einer reduzierten Vertragssumme. Beachten Sie, dass Verwaltungskosten auch bei Prämienfreistellung weiter anfallen.
Nach Vertragsende: Rentenzahlung oder Kapitalleistung?
Am Ende der Laufzeit einer Lebensversicherung stellt sich die Frage, ob eine monatliche Rentenzahlung oder eine einmalige Kapitalleistung attraktiver ist. Vergleichen Sie die prognostizierten Rentenzahlungen mit der sofort verfügbaren Kapitalleistung. Die Entscheidung hängt von individuellen Faktoren wie erwarteter Inflation, aktuellem Kapitalbedarf (z.B. für Kredittilgung oder Anschaffungen) und persönlichen Lebensumständen ab.

