Die neun schrägsten Wurfsportarten der Welt

Das Unspunnenfest mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, wenn Menschen sich nicht nur gegenseitig ins Sägemehl stoßen, sondern auch einen schweren Stein werfen. Doch der Unspunnenstein ist bei weitem nicht das einzige ungewöhnliche Objekt, das im Rahmen von sportlichen Wettkämpfen durch die Luft gewirbelt wird. Von Gummistiefeln über Bierfässer bis hin zu Handys – die Welt des ungewöhnlichen Werfens ist vielfältig und überraschend. Dieser Artikel wirft einen Blick auf neun der skurrilsten Wurfsportarten, die weltweit praktiziert werden.

Gummistiefelweitwurf: Finnische Tradition

In Finnland hat sich der Gummistiefelweitwurf seit 1975 zu einer offiziellen Mannschaftssportart entwickelt. Seit 1992 werden jährlich Weltmeisterschaften ausgetragen, ergänzt durch diverse Weltcupturniere. Sogar in Deutschland gibt es Vereine wie die “7-Meilenstiefel”, “Gib Leder 04 Döbeln” und “TWG Schlabbeschubser”, die sich dieser Disziplin widmen. Die Weltrekorde liegen bei beeindruckenden 68,03 Metern für Männer und 49,35 Metern für Frauen.

Baumstammwerfen: Schottische Kraftprobe

Als fester Bestandteil der schottischen Highland Games erfordert das Baumstammwerfen Kraft und Präzision. Baumstämme von fünf bis sechs Metern Länge und einem Gewicht von 35 bis 60 Kilogramm werden nicht nur möglichst weit, sondern auch in einer möglichst geraden Linie geworfen. Abweichungen von der senkrechten Linie führen zu Punktabzug.

Eierwerfen: Geschicklichkeit und Präzision

Ursprünglich ebenfalls aus Finnland stammend, wird das Eierwerfen im Team praktiziert. Zwei Teilnehmer werfen sich abwechselnd ein Ei über immer größere Distanzen zu. Ein Wurf ist nur gültig, wenn das Ei heil gefangen wird. Weltmeisterschaften mit internationaler Beteiligung zeugen von der wachsenden Beliebtheit dieser Disziplin. Auch in der Schweiz gibt es eine Tradition des Eierwerfens, insbesondere am Ostermontag auf dem Mont Vully.

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Weihnachtsbaumwerfen: Iren erfinden den Spaß neu

Aus Irland stammend, hat sich das Weihnachtsbaumwerfen hierzulande zu einem jährlichen Ereignis im Januar entwickelt. Enthusiasten werfen alte Weihnachtsbäume entweder möglichst hoch oder möglichst weit, wobei manchmal sogar noch Schmuck daran hängt.

Handyweitwurf: Nostalgie und sportlicher Ehrgeiz

Eine weitere finnische Erfindung, die vielleicht aus einer Mischung aus Nostalgie und sportlichem Ehrgeiz entstanden ist. Es gibt verschiedene Disziplinen: traditionelles Werfen auf Distanz, Teamwettbewerbe, Freestyle mit Fokus auf Ästhetik und Choreographie, sowie eine Juniorenkategorie. Die Handys dürfen bis zu 220 Gramm wiegen. Der Weltrekord bei den Männern liegt bei 110,42 Metern.

Besenwerfen: Norddeutsche Präzision

Diese norddeutsche Sportart verlangt von zwei Mannschaften, eine vorgegebene Strecke mit möglichst wenigen Würfen eines Reisigbesens ohne Stiel zurückzulegen. Der Besen muss stets von der Landestelle aus weitergeworfen werden, was ein hohes Maß an Präzision erfordert.

Bierfasswerfen: Irische Ursprünge, weltweite Ausübung

Ursprünglich aus Irland stammend, beinhaltet das Bierfasswerfen das Stoßen eines etwa zwölf Kilogramm schweren, leeren Bierfasses in die Höhe. Der Teilnehmer, der sein Fass am höchsten wirft, wird zum Sieger gekrönt.

Kleinwüchsigen-Weitwurf: Eine umstrittene Praxis

Diese Praxis, bei der kleinwüchsige Menschen in Schutzkleidung geworfen werden, ist heute höchst umstritten. In vielen Ländern wurde sie aufgrund von Menschenrechtsbedenken und dem Eindruck, kleinwüchsige Menschen würden auf Objekte reduziert, verboten.

Axtwerfen: Zielsicherheit ist Trumpf

Im Gegensatz zu vielen anderen Wurfsportarten steht beim Axtwerfen nicht die Weite, sondern die Präzision im Vordergrund. Ziel ist es, die Axt möglichst genau in die Mitte einer Zielscheibe zu werfen. Ursprünglich unter Förstern verbreitet, hat sich Axtwerfen zu einer kommerzialisierten Sportart mit Meisterschaften in Kanada, den USA und Großbritannien entwickelt.

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Bonus: Kürbisweitwurf – Maschinenkraft am Werk

Beim Kürbisweitwurf werden die namensgebenden Früchte nicht von Menschenhand, sondern von eigens dafür konstruierten mechanischen Geräten geschleudert oder katapultiert. Bei den alle zwei Jahre in den USA stattfindenden Weltmeisterschaften treten Teams mit ihren Maschinen an, um Kürbisse Rekorddistanzen zurücklegen zu lassen. Der aktuelle Rekord liegt bei beeindruckenden 1382,7 Metern.

Diese Vielfalt an ungewöhnlichen Wurfsportarten zeigt, wie kreativ und facettenreich der menschliche Geist sein kann, wenn es darum geht, traditionelle Sportarten neu zu interpretieren oder völlig neue Wettkampfformate zu entwickeln. Sie bieten oft eine Mischung aus sportlichem Können, Tradition und purem Unterhaltungswert.