Die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA wirft Fragen auf, insbesondere angesichts der Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Seine Drohung, den Gastgeberstatus von Städten mit „radikal linker“ Führung zu entziehen, sorgt für Aufsehen. Doch welche tatsächliche Macht hat der US-Präsident in dieser Angelegenheit, und wie reagiert der Weltfußballverband FIFA? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und potenziellen Auswirkungen von Trumps Aussagen.
Trumps Position: Ein Affront gegen linke Städte?
Donald Trump löste die Debatte Ende September aus, als er auf die möglichen Auswirkungen von Demonstrationen in Seattle und San Francisco auf deren WM-Gastgeberrolle angesprochen wurde. Er äußerte die Vermutung, dass Städte, die von „fanatischen Linken“ regiert werden, unsicher sein könnten. Nach erneuten Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei in Boston wurde Trump am Dienstag erneut auf das Thema angesprochen. Er kritisierte die Bürgermeisterin von Boston als „radikal links“ und warf ihr vor, ihrer eigenen Stadt zu schaden. Trump erklärte vollmundig, dass er Gianni Infantino, den „phänomenalen Chef der FIFA“, anrufen und vorschlagen würde, die Spiele an einen anderen Ort zu verlegen, wenn er der Meinung sei, dass die Bedingungen unsicher sind. Er fügte hinzu, dass Infantino dies ohne Weiteres tun würde.
Kurioserweise erklärte Trump, nachdem er vergangene Woche nach Straßenprotesten die Nationalgarde nach Chicago entsandt hatte, die Metropole am Michigansee zu einem sicheren WM-Austragungsort – obwohl Chicago gar keine der US-Spielstätten ist. Überhaupt ist es eine gewagte Drohung des US-Präsidenten, denn von elf Spielorten in den USA sind neun in demokratischer Hand. Einzig Dallas und Miami unterstehen einem republikanischen Bürgermeister. Die Nationalmannschaft bestreitet ihre drei Gruppenspiele in Los Angeles und Seattle, beides Hochburgen der Demokraten.
Die Reaktion der FIFA: Von scharfer Zurückweisung zu Zurückhaltung
Anfänglich wies die FIFA Trumps Androhung, Städten eigenmächtig die WM-Austragung zu entziehen, scharf zurück. Der Weltverband ließ verlauten, dass es das Turnier der FIFA sei, in deren Zuständigkeit es falle und die FIFA Entscheidungen treffe. Bezeichnenderweise nicht in persona Infantino, sondern durch einen seiner Stellvertreter. Man betonte damals, dass der Fußball größer sei als Staats- und Regierungschefs und deren Amtszeiten, Regierungen und Parolen überleben werde.
Nachdem Trump dieses Mal dezidiert auf den kurzen Draht zu Infantino verwiesen hatte, fiel die Reaktion des Weltverbandes nun auffallend zurückhaltender aus. Man hoffe, dass jede der 16 Gastgeberstädte (inklusive Mexiko und Kanada) bereit sei, „die WM erfolgreich auszurichten und alle notwendigen Anforderungen zu erfüllen“, ließ man aus Zürich wissen. „Sicherheit und Schutz liegen selbstverständlich in der Verantwortung der Regierungen, und sie entscheiden, was im besten Interesse der öffentlichen Sicherheit ist.“
Einblicke in die WM-Mission der USA:
Die Vorbereitungen für die WM in den USA sind in vollem Gange. Die Nationalmannschaft um Spieler wie Christian Pulisic, der aktuell bei Milan in Hochform agiert, blickt gespannt auf die kommenden Herausforderungen. Die Frage nach den WM-Tickets und dem Beginn des Wettlaufs darum beschäftigt viele Fans bereits jetzt.
Könnte Trump die WM-Spielorte ändern?
Nein, zumindest nicht eigenmächtig. Die Verträge über die WM-Austragungen wurden zwischen den Lokalregierungen und der FIFA geschlossen und entsprechen somit einer privaten Geschäftsvereinbarung, die auch ein US-Präsident nicht einfach aufkündigen kann. Allerdings hat Trump durchaus die Macht und die Kontakte, um die involvierten Parteien unter Druck zu setzen: Kürzungen von Bundesunterstützungen oder der Einsatz von Exekutivkräften in den betroffenen Städten wären denkbar. Auf der anderen Seite hilft ihm das Naheverhältnis zu FIFA-Chef Infantino.
Könnte die FIFA die WM-Spielorte ändern?
In der Theorie ja. Da das unter Druck geratene Seattle den entsprechenden Gastgeber-Vertrag mit der FIFA veröffentlicht hat, ist nachzulesen, dass Klausel 4.5. die Möglichkeit des Entzugs beinhaltet. Demnach verpflichtet sich der Austragungsort zu verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen, auf deren Grundlage der Weltverband argumentieren könnte. Neun Monate vor Anpfiff der WM würde ein solch gravierender Eingriff allerdings nicht nur einen logistischen Super-GAU zur Folge haben, sondern wohl auch ein juristisches Vorgehen seitens der Städte, die bereits hohen (finanziellen) Aufwand zur WM-Vorbereitung geleistet haben.
In der bisherigen Geschichte hat die FIFA, wie andere Sportverbände auch, nur bei drastischen Vorkommnissen oder Gesundheitsrisiken eingegriffen. So wurde die gesamte WM 1986 wegen der durch die Drogenmafia hervorgerufenen politischen Instabilität Kolumbiens ersatzweise nach Mexiko verlegt. Als bisher letztes Profi-Event übersiedelte das WM-Turnier der Frauen 2003 wegen des SARS-Ausbruchs von China in die USA. 2023 entzog der Weltverband Indonesien die Austragung der U20-WM, weil die Regierung des muslimischen Landes mit breiter Unterstützung der Bevölkerung die Teilnahme Israels boykottieren wollte. Die salomonische FIFA-Lösung: Indonesien durfte stattdessen noch im selben Jahr als Ersatzgastgeber für die U17-WM einspringen.
Die Rolle der US-Regierung und Einreisefragen
Die Hauptaufgabe der Bundesregierung ist vornehmlich eine repräsentative. Trump hat jedoch zu Jahresbeginn eine WM-Taskforce um Andrew Giuliani, den Sohn von New Yorks Ex-Bürgermeister und seinem Anwalt Rudy Giuliani, einberufen, die bei der Planung, Organisation und Durchführung der „größten Sportveranstaltung in der Geschichte der Menschheit“ helfen soll. Eine tatsächliche Intervention Trumps würde also einen Präzedenzfall schaffen.
Allerdings hat die US-Regierung Oberhand über die Einreise aller WM-Teilnehmer sowie deren Presse und Fans. So sind etwa im Fall des bereits qualifizierten Iran, dessen Staatsangehörige von Trumps erlassenem Einreiseverbot betroffen sind, viele Fragen offen. Zwar wurden Ausnahmegenehmigungen in Aussicht gestellt, für die Reise zur WM-Auslosung am 5. Dezember in Washington erhielt die Abordnung des iranischen Verbandes laut eigener Aussage jedoch keine Visa.
Zudem ist davon auszugehen, dass Trump unter dem Deckmantel der öffentlichen Sicherheit die WM-Spiele dazu nutzen wird, um rund um die Stadien seine berüchtigten ICE-Razzien gegen illegale Einwanderer durchzuführen. Diese „Menschenjagd“, wie Kritiker sie bezeichnen, passt nicht zum von der FIFA propagierten friedlichen Fußballfest. Die Interaktion zwischen Donald Trump und Gianni Infantino bezüglich einer WM-Problemlösung für den Iran unter Freunden deutet auf die Komplexität der politischen und sportlichen Verflechtungen hin.
Die Entscheidung über die Austragungsorte der WM 2026 liegt letztlich in den Händen der FIFA, doch der Einfluss politischer Akteure wie Donald Trump kann nicht unterschätzt werden. Die Balance zwischen sportlichen Idealen und nationalen Interessen wird entscheidend dafür sein, wie sich die Situation weiterentwickelt.

