Die Art und Weise, wie wir heute wirtschaften, stellt unsere natürlichen Lebensgrundlagen zunehmend in Frage und gefährdet damit den Wohlstand gegenwärtiger und zukünftiger Generationen. Die jährlich steigenden Treibhausgasemissionen, der daraus resultierende Klimawandel, der Verlust an Artenvielfalt, der übermäßige Ressourcenverbrauch und die Umweltverschmutzung sind alarmierende Anzeichen dafür. Bereits 2006 verdeutlichte der „Stern Report“, dass die Kosten des Klimawandels bis zu 20 % des globalen Bruttoinlandsproduktes erreichen könnten. Nicholas Stern bekräftigte 2021 erneut, dass die Kosten des Nichthandelns die Kosten des Klimaschutzes um ein Vielfaches übersteigen. Ein „Weiter so“-Szenario, bei dem Industrieländer ihre ressourcenintensive Wirtschaftsweise beibehalten und Entwicklungs- und Schwellenländer dies übernehmen, ist nicht tragbar. Daher ist der Übergang zu einer Grünen Wirtschaft unerlässlich, die sich an ökologischen Leitplanken orientiert und das Naturkapital schützt.
Die Grüne Wirtschaft vereint Ökologie und Ökonomie mit dem Ziel, den gesellschaftlichen Wohlstand zu steigern. Eine Wirtschaftsweise im Einklang mit Natur und Umwelt steht hier im Vordergrund. Dieser Übergang erfordert eine tiefgreifende ökologische Modernisierung der gesamten Wirtschaft. Insbesondere der Ressourcenverbrauch, die Emissionsreduktion, die Produktgestaltung und die Umstellung von Wertschöpfungsketten müssen neu gedacht werden. Die Förderung von Umweltinnovationen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Wirtschaft im Einklang mit Umwelt und Klima
Umwelt- und Klimaschutz sind keine Gegensätze zur wirtschaftlichen Entwicklung, sondern vielmehr voneinander abhängig. Die Steigerung der Energie- und Materialeffizienz ist ein entscheidender Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Wirtschaft. Angesichts des globalen Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen Aufholprozesse in Entwicklungs- und Schwellenländern wird die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen weiter steigen. Diese Nachfrage kann bei begrenzten natürlichen Ressourcen langfristig nur befriedigt werden, wenn es gelingt, „mehr“ mit „weniger“ zu produzieren. Das bedeutet, Wirtschaftswachstum und die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen zu entkoppeln. Der Druck, Umwelt- und Effizienztechniken einzusetzen und fortzuentwickeln, wächst daher stetig.
Die wirtschaftlichen Chancen des Klima- und Umweltschutzes werden besonders deutlich an den GreenTech-Leitmärkten. Dies sind Bereiche der Wirtschaft, die maßgeblich zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz beitragen. Von den sieben Leitmärkten tragen insbesondere Energieeffizienz, erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität sowie Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft zum wirtschaftlichen Wachstum und zur Beschäftigung bei. Potenzialabschätzungen zufolge wird die globale Bruttowertschöpfung der GreenTech-Branche von 1,02 Billionen Euro im Jahr 2022 auf 4,1 Billionen Euro im Jahr 2045 ansteigen. Dank seiner ambitionierten Umwelt- und Klimapolitik gehört Deutschland heute zu den weltweit führenden Anbietern von GreenTech-Produkten und -Dienstleistungen.
Die globale Konkurrenz im Bereich GreenTech nimmt jedoch stetig zu. Im Zeitraum von 2010 bis 2023 zählte Deutschland nach den USA und Japan zu den innovativsten Ländern weltweit, gemessen an Patentanmeldungen. China hat jedoch im gleichen Zeitraum rasch aufgeholt und könnte Deutschland bald überholen. Deutschland kann seine führende Rolle im GreenTech-Bereich nur behaupten, wenn es weiterhin eine Vorreiterrolle im Umwelt- und Klimaschutz einnimmt und Innovationen systematisch fördert.
Arbeitsplätze in grünen Sektoren
Die Zahl der Beschäftigten im Bereich Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz steigt kontinuierlich an. Im Jahr 2023 arbeiteten rund 3,4 Millionen Erwerbstätige in diesen Feldern. Arbeitsplätze entstehen beispielsweise in der energetischen Gebäudesanierung, im Bereich der erneuerbaren Energien und in der Kreislaufwirtschaft. In immer mehr Tätigkeitsfeldern sind Klimaschutz und Ressourcenschonung relevante wirtschaftliche Faktoren, die zu Innovationen und Arbeitsplätzen führen. Dies umfasst sowohl klassische Umweltschutzberufe (z.B. in Klärwerken) als auch eine wachsende Zahl von Erwerbstätigen, die sich in ihren Berufen um Umwelt, Klima und Ressourcen bemühen (z.B. im Bereich nachhaltige Mobilität).
Kosten durch unterlassenen Umweltschutz
Umweltbelastungen verursachen erhebliche gesellschaftliche Kosten, beispielsweise durch umweltbedingte Gesundheits- und Materialschäden, Ernteausfälle oder die Kosten des Klimawandels. Eine ambitionierte Umweltpolitik reduziert diese Kosten. Grundsätzlich sollten Umweltkosten internalisiert, also den Verursachern angelastet werden. Dies geschieht bisher nur unzureichend, sodass die Verursacher keine ausreichenden ökonomischen Anreize erhalten, die Umweltbelastung zu senken. Ohne vollständige Internalisierung der Umweltkosten spiegeln die Preise zudem nicht die ökologische Wahrheit wider. Dies verzerrt den Wettbewerb und hemmt die Entwicklung sowie die Marktdiffusion umweltfreundlicher Techniken und Produkte. Insbesondere in sehr umweltintensiven Sektoren wie dem Energie- und Verkehrssektor ist es wichtig, die entstehenden Umweltkosten stärker zu berücksichtigen. Dies würde den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, die Energieeffizienz steigern und wesentlich zu einer nachhaltigen Mobilität beitragen.
Zur Schätzung der Umweltkosten veröffentlicht das Umweltbundesamt regelmäßig die Methodenkonvention (nur in englischer Sprache verfügbar). Sie beinhaltet Kostensätze für die Emission von Treibhausgasen, Luftschadstoffen und Lärm und gibt methodische Empfehlungen für die Ermittlung von Umweltkosten. Ein wichtiger Anwendungsbereich von Umweltkosten ist die Gesetzesfolgenabschätzung. Die Anwendung von Umweltkosten kann Bundesministerien dabei unterstützen, die Folgen eines Gesetzes ausgewogen und wissenschaftlich fundiert abzuwägen, wie das Umweltbundesamt in seinem Positionspapier empfiehlt.
Nutzen und Kosten des Umweltschutzes in Unternehmen
Unbestreitbar ist Umweltschutz mit Kosten verbunden. Meist überwiegt jedoch der Nutzen. Investitionen in integrierte Umweltschutztechniken und Effizienzmaßnahmen führen auf betrieblicher Ebene oft zu erheblichen Kosteneinsparungen – etwa durch geringeren Material- und Energieverbrauch oder sinkende Entsorgungskosten. Hinzu kommen geringere Abhängigkeiten von Rohstoff- und Energiepreisen sowie zahlreiche weitere, schwerer zu quantifizierende Vorteile: eine höhere Attraktivität für Fachkräfte, mehr Transparenz, bessere Finanzierungsbedingungen oder eine geringere Wahrscheinlichkeit von Störfällen. Der Einsatz von Umwelt- und Energiemanagementsystemen bietet die Möglichkeit, die wirtschaftlichen Chancen des betrieblichen Umweltschutzes systematisch zu nutzen und die betriebliche Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

