Rotwein ist mehr als nur ein Getränk; er ist ein Erlebnis, das mit der richtigen Handhabung sein volles Potenzial entfalten kann. Viele Weinliebhaber, ob Gastgeber oder Gast, sind sich der subtilen Regeln und Techniken, die den Genuss von Rotwein maximieren, nicht immer bewusst. Vom Öffnen der Flasche über das richtige Belüften bis hin zum Servieren und Verkosten gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten, um das Beste aus jedem Schluck herauszuholen und dabei auch stilvollen Umgang zu pflegen. Dieser Leitfaden führt Sie durch die wesentlichen Schritte, damit Sie und Ihre Gäste Rotwein in vollen Zügen genießen können.
Die Kunst des Öffnens und Belüftens
Ein entscheidender erster Schritt ist die richtige Temperatur. Rotwein sollte niemals direkt aus dem Kühlschrank serviert werden. Idealerweise stammt er aus einem kühlen Keller und hat eine Temperatur, die leicht unterhalb der Zimmertemperatur liegt. Wenn eine Flasche nach dem Genuss nicht geleert wird, kann sie mit dem Korken verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt werden, um ihre Qualität zu erhalten. Für den Fall, dass Sie häufiger angebrochene Flaschen haben, kann eine spezielle Weinpumpe hilfreich sein, um die Haltbarkeit zu verlängern. Beim Servieren für Gäste ist jedoch eine neue, unangebrochene Flasche die Regel. Die Wahl des richtigen Glases ist ebenfalls essenziell.
Beim Öffnen der Flasche ist Präzision gefragt. Ein multifunktionaler Korkenzieher kann hierbei gute Dienste leisten. Der Korkenzieher sollte nur etwa bis zur Hälfte in den Korken gedreht werden, um ein Zerbrechen zu vermeiden. Anschließend wird der Hebel des Korkenziehers am oberen Rand der Flasche angesetzt, um den Korken mithilfe der Hebelwirkung leicht zu entfernen. Nach dem Öffnen sollte der Korken einer Geruchsprobe unterzogen werden. Ein säuerlicher Geruch deutet darauf hin, dass der Wein möglicherweise beeinträchtigt ist.
Ein häufig übersprungener, aber wichtiger Schritt ist das Belüften des Weines, auch Karaffieren genannt. Dies geschieht, indem der Wein in eine Karaffe mit breitem Boden gefüllt wird. Der zugeführte Sauerstoff hilft dem Wein, sein Aroma zu entfalten. Junge Weine profitieren besonders von diesem Prozess und sollten etwa fünf Stunden vor dem Servieren umgefüllt werden. Bei älteren, gut gereiften Weinen ist Vorsicht geboten: Eine zu schnelle und starke Oxidation kann ihr feines Aroma beeinträchtigen. Hier genügt es oft, die Flasche einige Stunden vor dem Genuss zu öffnen und sie leicht schräg, idealerweise in einem Dekantierkorb, zu lagern. So nimmt der Wein über den Flaschenhals sanft Sauerstoff auf.
Die Wahl des richtigen Glases und die Servieretikette
Die Form des Weinglases spielt eine entscheidende Rolle für die Entfaltung des Aromas. Während Weißwein in eher schmalen Gläsern serviert wird, bevorzugt Rotwein bauchige Gläser, die eine größere Oberfläche für den Kontakt mit Sauerstoff bieten. Dies unterstützt die Aromenentwicklung.
Bei der Servieretikette gilt: Nicht der Gast bekommt zuerst. Der Gastgeber schenkt sich selbst zuerst ein, nimmt einen kleinen Schluck und prüft Aussehen, Geruch und Geschmack. Erst wenn der Wein zur Zufriedenheit des Gastgebers ist, werden die Gäste bedient. Die Regel lautet: Zuerst werden die Damen bedient, dann die Herren, und zuletzt der Gastgeber. Die Gläser sollten nie mehr als zu einem Drittel gefüllt werden, um genügend Raum für das Schwenken zu lassen und die Aromen optimal wahrnehmen zu können.
Beim Halten des Glases ist es wichtig, stets den Stiel zu umgreifen. Das Anfassen des Glases selbst zeugt von schlechtem Stil und kann zudem dazu führen, dass der Wein durch die Handwärme unerwünscht erwärmt wird.
Der Trinkgenuss: Sehen, Riechen, Schmecken
Das Trinken eines edlen Tropfens ist ein bewusster Akt des Genießens. Bevor man den Wein verkostet, sollte man das Glas gegen das Licht halten und die Farbe bewundern. Anschließend wird der Wein sanft geschwenkt, um seine Bewegung im Glas zu beobachten. Erst nach dem Riechen am Glas nimmt man den ersten kleinen Schluck. Dieser sollte kurz im Mund behalten werden, um die Vielfalt der Aromen auf der Zunge zu erfassen. Das Anstoßen, begleitet von einem Blickkontakt, ist ein Zeichen des Respekts und der Gemeinschaft beim gemeinsamen Genuss.
Fotonachweis: https://pixabay.com/de/photos/stillleben-essen-trinken-wein-2905834/

