Haltung von Wasserschildkröten: Ein umfassender Leitfaden für artgerechte Pflege

Die Haltung von Wasserschildkröten erfordert Sorgfalt und Wissen, um ein gesundes und glückliches Leben für diese faszinierenden Reptilien zu gewährleisten. Oftmals entstehen Krankheiten direkt oder indirekt durch unzureichende Haltungsbedingungen. Da jede Wasserschildkrötenart spezifische Bedürfnisse hat, ist die genaue Kenntnis der Spezies unerlässlich, um deren Haltung optimal zu gestalten. Eine intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Art und ihren Lebensraumanforderungen sollte daher jeder Anschaffung vorausgehen.

Für eine artgerechte Wasserschildkrötenhaltung sind folgende Fragen entscheidend: Wie groß wird die Schildkröte? Wie gut kann sie schwimmen? Welchen Landanteil benötigt sie und wie sollte dieser gestaltet sein? Welche Umgebungstemperaturen sind optimal? Und welche Futterpflanzen und -tiere bevorzugt sie?

Haltung von Wasserschildkröten: Einzelgänger oder Gruppe?

Grundsätzlich sind Wasserschildkröten eher Einzelgänger. Dominanzverhalten und Stress untereinander sind häufig, weshalb die Einzelhaltung in den meisten Fällen die sinnvollste Option darstellt.

Das richtige Gehäuse für Ihre Wasserschildkröte

Bei der Auswahl des Gehäuses ist Vorsicht geboten. Viele im Handel erhältliche Aquariensets mit Abdeckungen und Lichtröhren schaffen ein feucht-warmes Klima, das zwar für Fische ideal ist, aber für Wasserschildkröten ungeeignet sein kann. Obwohl Wasserschildkröten das Wasser lieben, benötigen sie unbedingt einen Landteil zum Atmen, Ausruhen, Sonnen und zur Eiablage. Ein Aquarium mit integriertem Landteil oder ein Aquaterrarium ist daher für eine artgerechte Haltung unerlässlich.

Reine Aquarien mit Abdeckung verhindern, dass der Panzer und die Haut der Schildkröte an Land vollständig trocknen und sich erwärmen können. Dieses feucht-warme Klima birgt zudem Gesundheitsrisiken: Ein feuchter Panzer kann Pilz- und Algenbefall fördern, und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann die Lunge der Schildkröte beeinträchtigen.

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Die richtige Größe des Aquaterrariums

Unabhängig davon, ob Sie ein Jungtier oder ein erwachsenes Tier halten möchten, sollten Sie die artspezifische Endgröße der Wasserschildkröte berücksichtigen. Es empfiehlt sich, von vornherein ein Aquaterrarium zu wählen, das auch dem ausgewachsenen Tier ausreichend Platz bietet. So muss das Tier nicht aus seiner gewohnten Umgebung gerissen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Wasser in einem größeren Becken länger sauber bleibt.

Grundsätzlich sollte das Gehäuse mindestens dreimal so lang und doppelt so breit sein wie die Panzerlänge der ausgewachsenen Schildkröte. Die Wassertiefe sollte mindestens die doppelte Panzerlänge betragen. Ein wesentlich größeres Aquaterrarium wird jedoch von Ihrem tierischen Mitbewohner sehr geschätzt und ermöglicht ihm mehr Bewegungsfreiheit und ein naturnäheres Verhalten.

Land- und Wasseranteile sowie deren Ausstattung

Als wechselwarme Tiere regulieren Wasserschildkröten ihre Körpertemperatur über externe Wärmequellen. Im Aquaterrarium sollten daher verschiedene Bereiche zur Verfügung stehen, um ihnen je nach Bedarf Wärme oder Kühlung zu ermöglichen:

  • Ein Wasserbereich
  • Ein Buddel- und Eiablageplatz
  • Ein Sonnenplatz

Der Wasserbereich sollte mit einem Sprudler und einem Wasserfilter ausgestattet sein, um die Wasserqualität zu gewährleisten. Der Landbereich benötigt eine Wärme- und UV-Lampe. Achten Sie darauf, dass die Lampen UV-Strahlung abgeben, da diese für die Verdauung sowie den Kalzium- und Knochenstoffwechsel der Schildkröte unerlässlich ist.

Ob eine Heizung des Wassers mittels Heizstab notwendig ist, hängt von der Schildkrötenart ab. Für tropische Arten ist sie unerlässlich, während andere Arten mit der Zimmertemperatur auskommen. Die genaue Kenntnis der jeweiligen Haltungsansprüche ist entscheidend für die Gesundheit Ihrer Schildkröte.

Umgebungstemperatur für Ihre Wasserschildkröte

Die Wohlfühltemperatur vieler Wasserschildkröten liegt bei über 30 Grad Celsius. Auf dem Sonnenplatz kann die Temperatur je nach Art sogar bis zu 45 Grad erreichen. Arten aus kälteren Regionen haben andere Bedürfnisse. Zu hohe Temperaturen können gesundheitsschädlich sein und zu Wärmestarre führen. In einem solchen Fall sollten Sie umgehend einen Tierarzt für Reptilien konsultieren.

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Ein Thermometer zur regelmäßigen Temperaturüberprüfung gehört zur Grundausstattung des Aquaterrariums. Informieren Sie sich, ob für Ihre Schildkrötenart eine Überwinterung wichtig ist oder ob sie tageszeitlich wechselnde Temperaturen benötigt. Die korrekte Durchführung der Überwinterung ist entscheidend und sollte gut beraten werden.

Weitere Hinweise zur Ausstattung des Gehäuses

Eiablageplatz

Auch einzeln gehaltene weibliche Wasserschildkröten legen Eier. Daher ist ein Buddelbereich zur Eiablage unerlässlich. Dieser sollte sich in ausreichendem Abstand zum Wassereinstieg befinden, damit die Schildkröten keine Angst haben, dass ihre Eier überschwemmt werden. Ein unzureichender Eiablageplatz kann zu einer gefährlichen Legenot führen.

Der Boden des Eiablageplatzes muss den Bedürfnissen der Schildkröte angepasst sein. Er sollte trocken, sandig, gut zum Graben geeignet und tief genug sein, um die Eier zu verbergen. Weder steinhart noch zu weich sollte der Untergrund sein. Bieten Sie Ihrer Schildkröte einen abwechslungsreichen Lebensraum durch schwimmende Inseln, Steine, Holzstücke und ungiftige Pflanzen.

Abdeckung

Die Behausung Ihrer Wasserschildkröte sollte stets abgedeckt sein, da sie empfindlich auf Zugluft reagieren. Da Schildkröten gute Kletterer sind, schützt eine Abdeckung sie und hält gleichzeitig die Feuchtigkeit in der Umgebung auf einem angemessenen Niveau, ohne die Frischluftzufuhr zu behindern. Sorgen Sie für ausreichend große Lüftungslöcher in der Abdeckung oder verwenden Sie alternativ ein Gitter.

Gesunde Wasserschildkröten durch artgerechte Ernährung

Geeignetes Futter

Die meisten Wasserschildkröten sind Allesfresser, wobei pflanzliche Kost überwiegt. Insbesondere junge Schildkröten ernähren sich tierisch und finden Jagd nach Beute spannend. Bieten Sie Jungtieren daher Futter wie Flohkrebse, Wasserflöhe oder Larven von Mücken und Eintagsfliegen an, die oft in speziellen Dosen im Tierhandel erhältlich sind.

Für die pflanzliche Ernährung eignen sich Wasserlinsen, Wassersalat, Seerosen, Froschbiss, Teichlebermoos und Löwenzahn. Ein ständiger Zugang zu diesen Wasserpflanzen ist wichtig, da Wasserschildkröten sehr gute Fresser sind. Salat und Wildkräuter können die pflanzliche Ernährung ergänzen.

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Wasserschildkröten benötigen ausreichend Calcium und Vitamin D3 für den Panzer- und Knochenaufbau. Ein Mangel kann zu Rachitis führen. Tierische Nahrung wie Regenwürmer, Schnecken, Garnelen oder Bachflohkrebse liefern wichtige Bausteine für die Gesundheit. Ein Sepiaschulp im Wasser dient als ständige Calciumquelle.

UV-Strahlung ist für die Vitamin-D3-Produktion bei überwiegend pflanzlicher Ernährung unerlässlich. Ergänzungsfuttermittel können nach Absprache mit einem reptilienkundigen Tierarzt sinnvoll sein. Ein Mangel an Vitamin A, das in tierischen Futtermitteln nicht vorkommt, wird durch ausreichende Pflanzenfütterung und gelegentlich etwas geriebene Möhre vorgebeugt.

Ungeeignetes Futter

Pellets als Alleinfuttermittel aus dem Zoohandel enthalten oft einen hohen Stärkeanteil und sind nur bedingt als Dauerfütterung geeignet. Aufgrund ihres Vitamin-Gehalts können sie jedoch gelegentlich gefüttert werden. Obst und Gemüse sind aufgrund ihres Zuckergehalts und der möglichen Verdauungsstörungen nicht empfehlenswert, mit Ausnahme von Möhren in kleinen Mengen.

Reinigung des Geheges

Sowohl der Land- als auch der Wasserbereich sollte regelmäßig gereinigt werden. Besonders die Wasserqualität ist von höchster Priorität, daher sind eine häufige Reinigung und eine gute Filteranlage essenziell.

Verhaltensbeobachtungen

Die regelmäßige Beobachtung Ihrer Wasserschildkröte ist nicht nur bereichernd, sondern auch wichtig, um Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls tierärztlich abklären zu lassen. Das Schwimmverhalten gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand: Weniger Schwimmaktivität, ausschließliches Aufhalten im Landteil, auffällige Schwimmbewegungen wie Kreisen oder schiefes Schwimmen, oder die Nichtnutzung der Hinterbeine können Anzeichen für Probleme sein. Schildkröten mit Schwimmproblemen sollten umgehend von einem schildkrötenkundigen Tierarzt untersucht werden.

Fazit: Artgerechte Haltung für ein gesundes Leben

Nur wer die Art seiner Wasserschildkröte kennt und deren spezifische Bedürfnisse berücksichtigt, kann ihr ein naturnahes und gesundes Leben ermöglichen. Die artgerechte Gestaltung des Geheges, die richtige Ausstattung und eine angepasste Fütterung sind grundlegend für eine gesunde Entwicklung. Eine kontinuierliche Beobachtung hilft, potenzielle gesundheitliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

©AniCura