Der Kauf eines Neuwagens kann eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Eine attraktive Alternative, um Geld zu sparen, ist der Reimport von Fahrzeugen aus dem EU-Ausland. Diese Autos werden zwar in Deutschland produziert, jedoch zunächst für den dortigen Markt ins europäische Ausland überführt und dann wieder nach Deutschland zurückgebracht, um hier verkauft zu werden. Doch ist dieser Weg wirklich immer sinnvoll? Jede:r muss diese Frage für sich selbst beantworten.
Was ist ein Reimport-Fahrzeug?
Ein Reimport-Fahrzeug ist im Grunde ein fabrikneues Auto, das über einen Umweg ins heimische Deutschland gelangt. Die Fahrzeuge sind in der Regel mit den in Deutschland verkauften Modellen identisch und unterliegen denselben Garantiebedingungen. Solange die Garantieurkunde vorhanden ist, können Garantieansprüche in allen Vertragswerkstätten geltend gemacht werden. Ein wesentlicher Unterschied zum direkten Neuwagenkauf in Deutschland besteht jedoch darin, dass Reimporte nicht individuell konfiguriert werden können. Sie sind bereits im Ausland vorhanden, und eine nachträgliche Anpassung der Ausstattung ist nicht möglich.
Der Kauf eines Reimport-Fahrzeugs kann auf zwei Wegen erfolgen: Entweder reist man selbst ins Ausland, bezahlt den Neuwagen dort und organisiert die Überführung nach Deutschland. Dieser Weg ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Alternativ kann der Kauf auch über spezialisierte Händler abgewickelt werden, die sich mit den notwendigen Formalitäten auskennen und gegen einen Aufpreis alle Dienstleistungen übernehmen.
Die Preisunterschiede: Steuern und Kaufkraft
Warum sind Reimporte oft günstiger? Laut ADAC liegt dies daran, dass die Nettopreise für Autos im Ausland in der Regel deutlich niedriger sind als in Deutschland. Dies begründet sich damit, dass beim Export eines noch nicht zugelassenen Wagens keine nationalen Steuern anfallen. Erst in Deutschland wird die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den Nettopreis aufgeschlagen. Ein Vergleich der Mehrwertsteuersätze in den einzelnen EU-Ländern kann sich lohnen, da die Preisunterschiede in Einzelfällen bis zu 30 Prozent betragen können. Länder wie Dänemark (25 Prozent Mehrwertsteuer), Griechenland (24 Prozent), Portugal (23 Prozent) oder Finnland (24 Prozent) sind oft günstigere Optionen.
Um im EU-Ausland Neuwagen verkaufen zu können, senken deutsche Autohersteller häufig die Nettopreise. Dies führt zu erheblichen Preisunterschieden vor Steuern. Neben den unterschiedlichen Steuersätzen beeinflusst auch die Kaufkraft in den jeweiligen Ländern die Preisgestaltung für deutsche Modelle. In Deutschland sind die Nettopreise, bei vergleichsweise hoher Kaufkraft und niedriger Mehrwertsteuer, daher tendenziell höher.
Händler oder Vermittler: Worauf ist zu achten?
Wer sich für einen Reimport entscheidet und die Überführung selbst in die Hand nimmt, muss sich mit einigen rechtlichen Hürden auseinandersetzen, wie T-Online berichtet. Der Kaufvertrag unterliegt dem Recht des jeweiligen Landes und ist häufig in der Landessprache verfasst. Hinzu kommt die Sachmängelhaftung: Bei auftretenden Mängeln am Auto muss man im Ausland für seine Rechte kämpfen.
Auch der Transport muss oft selbst organisiert werden. Für die Fahrt mit dem Neufahrzeug wird beispielsweise ein Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des Kauflandes benötigt; ein einfaches Kurzzeitkennzeichen aus Deutschland reicht hierfür nicht aus.
Spezialisierte Händler, die Reimport-Dienstleistungen anbieten, können diese Formalitäten übernehmen. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten: T-Online rät dazu, darauf zu achten, dass der deutsche Anbieter tatsächlich ein Händler und nicht nur ein reiner Vermittler ist. Andernfalls bestehen die Ansprüche im Gewährleistungsfall weiterhin nur gegenüber dem Verkäufer im EU-Ausland.
Der Wiederverkaufswert von Verbrennern
Abschließend sollte die generelle Sinnhaftigkeit eines Reimports hinterfragt werden. Jede:r muss für sich abwägen, ob die potenzielle Ersparnis den Aufwand und die Umweltauswirkungen des Transports rechtfertigt.
Des Weiteren ist zu bedenken, dass Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor, die jetzt zu hohen Preisen erworben werden, in wenigen Jahren voraussichtlich einen deutlich geringeren Wiederverkaufswert haben werden als vergleichbare Gebrauchtfahrzeuge in der Vergangenheit. Angesichts einer beschleunigten Energie- und Verkehrswende könnten Verbrenner zukünftig weniger gefragt sein als beispielsweise Elektrofahrzeuge, was sich auch auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirken dürfte. Wer diese Aspekte in Kauf nimmt, kann jedoch mit einem Reimport durchaus Geld sparen.
