Visa vs. Mastercard: Welcher Zahlungsriese ist die bessere Wahl?

Visa hat eine klare Vorstellung der zukünftigen Entwicklungsperspektiven und investiert auch in Start-ups

In der Welt des globalen Zahlungsverkehrs dominieren Visa und Mastercard unangefochten den Markt für Kredit- und Debitkartentransaktionen. Beide Unternehmen weisen nahezu identische Geschäftsmodelle auf und haben in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet, das die Performance des S&P 500 deutlich übertraf. Auch für Dividendenjäger sind sie aufgrund ihres stetigen Wachstums attraktiv. Doch welche Aktie bietet trotz der vielen Gemeinsamkeiten das größere Potenzial?

Ein fast identisches Geschäftsmodell mit feinen Gebührenunterschieden

Die Geschäftsmodelle von Visa und Mastercard ähneln sich stark. Beide agieren als globale Zahlungsnetzwerke und übernehmen nicht nur die Rolle des Kreditkartenanbieters, sondern auch die des Zahlungsabwicklers (Processors). Sie leiten die Kreditkartendaten eines Kunden zwischen dem Kassensystem des Händlers und dem Kartennetzwerk oder der Bank des Kunden weiter.

Visa und Mastercard generieren ihre Einnahmen durch die Erhebung von Gebühren von Händlern, Finanzinstituten und anderen an Transaktionen beteiligten Parteien. Bei einem typischen Einkauf gibt ein Kunde seine Kreditkartendaten ein, um die Transaktion zu autorisieren. Der Händler leitet diese Anfrage über seinen Zahlungsabwickler an Visa oder Mastercard weiter, die die Autorisierung prüfen und genehmigen. Nach der Genehmigung wird der Transaktionsdatensatz im Clearing-Prozess über Visa/Mastercard an die Bank des Händlers gesendet, um die Zahlung abzuwickeln. Visa/Mastercard behalten dabei einen Anteil der Transaktionsgebühren ein.

Interessant sind die unterschiedlichen Gebührenstrukturen: Während Visa tendenziell höhere Gebühren verlangt, lockt Mastercard oft mit niedrigeren Gebühren, um neue Kunden zu gewinnen. Die etwas höheren Gebühren von Visa lassen sich teilweise durch ihren größeren Marktanteil und ihre hohe Markenbekanntheit erklären. Auch bei Rückbuchungen erheben beide Unternehmen Gebühren, wobei diese bei Visa oft strenger gehandhabt werden, um Rückbuchungen proaktiv zu verhindern.

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Visa fokussiert sich stärker auf die Entwicklung und Markteinführung eigener Produkte und Dienstleistungen, während Mastercard häufiger Partnerschaften mit anderen Unternehmen eingeht, um innovative Lösungen zu schaffen. Visa zeigt sich zudem aktiver im Fintech-Bereich und investiert in Start-ups, während Mastercard traditionell engere Beziehungen zu etablierten Finanzinstituten pflegt.

Visa hat eine klare Vorstellung der zukünftigen Entwicklungsperspektiven und investiert auch in Start-upsVisa hat eine klare Vorstellung der zukünftigen Entwicklungsperspektiven und investiert auch in Start-ups

Stetiges Wachstum und beeindruckende Margen

In den letzten zehn Jahren hat Visa seinen Umsatz von 10,4 auf 29,3 Milliarden USD gesteigert, was einem jährlichen Wachstum von 11 % entspricht. Das Gewinnwachstum fiel mit 21 % pro Jahr (CAGR) noch dynamischer aus. Die Dividende wurde seit 2012 durchschnittlich um 20 % p. a. angehoben, wobei die Dividendenrendite meist unter 1 % liegt.

Das Umsatzwachstum bei Visa seit 2012 lag bei rund 11 % pro Jahr und wurde nur durch die COVID-19-Pandemie eingebremstDas Umsatzwachstum bei Visa seit 2012 lag bei rund 11 % pro Jahr und wurde nur durch die COVID-19-Pandemie eingebremstDer Gewinn von Visa ist seit 2012 mit 21 % pro Jahr gewachsenDer Gewinn von Visa ist seit 2012 mit 21 % pro Jahr gewachsen

Mastercard verzeichnete seit 2012 ein ähnliches Umsatzwachstum von 12 % pro Jahr. Das Gewinnwachstum lag mit durchschnittlich 14 % pro Jahr etwas unter dem von Visa. Die Dividende wurde hier jedoch mit rund 33 % p. a. deutlich stärker angehoben, bei einer ebenfalls meist einstelligen absoluten Dividendenrendite.

Der Umsatz von Mastercard ist mit 12 % pro Jahr etwas stärker gewachsen als bei Visa, ist aufgrund des geringeren Marktanteils absolut aber deutlich geringerDer Umsatz von Mastercard ist mit 12 % pro Jahr etwas stärker gewachsen als bei Visa, ist aufgrund des geringeren Marktanteils absolut aber deutlich geringerDas Gewinnwachstum von Mastercard war mit 14 % pro Jahr geringer als bei VisaDas Gewinnwachstum von Mastercard war mit 14 % pro Jahr geringer als bei Visa

Absolut bemerkenswert sind die nahezu monopolistischen Margen beider Unternehmen. Mastercard weist eine Bruttomarge von 96-98 %, eine operative Marge von rund 55 % und eine Nettomarge von ca. 45 % auf. Die Free-Cash-Flow-Marge liegt bei etwa 48 %. Visa erreicht eine Bruttomarge von rund 97 %, eine etwas höhere operative Marge von 67 % und eine Nettomarge von ca. 51 %. Mit einer Free-Cash-Flow-Marge von etwa 61 % liegt Visa ebenfalls vorn.

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Die Brutto-Marge von Visa liegt im Bereich von 96-98 %, insgesamt weisen die Margen trotz des hohen Marktanteils ein solides Wachstum aufDie Brutto-Marge von Visa liegt im Bereich von 96-98 %, insgesamt weisen die Margen trotz des hohen Marktanteils ein solides Wachstum aufDie Brutto-Marge von Mastercard ist noch etwas höher als die von Visa, insgesamt sind die Margen aber etwas geringerDie Brutto-Marge von Mastercard ist noch etwas höher als die von Visa, insgesamt sind die Margen aber etwas geringer

Technische Analyse: Visa und Mastercard im Chartvergleich

Die Aktienkurse beider Unternehmen entwickelten sich in den letzten zehn Jahren weitgehend parallel, wobei sich der Gesamtrendite (Total Return) leicht unterscheidet. Seit Anfang 2012 stieg die Aktie von Visa um 858 % (durchschnittlich 24 % p. a.), während Mastercard um 961 % (25 % p. a.) zulegte. Zum Vergleich: Der S&P 500 erreichte im gleichen Zeitraum eine Wertsteigerung von 365 % (14 % p. a.).

Das bisherige Allzeithoch (ATH) von Visa lag im Juli 2021 bei rund 251 USD. Bis zum Tiefpunkt im Oktober 2022 fiel der Kurs auf etwa 175 USD. Seitdem befindet sich die Aktie in einer Erholung und nähert sich dem Widerstandsbereich bei 234 USD. Aktuell notiert der Kurs knapp unter der 50-Tage-Linie. Ein Widerstandsbereich bei rund 228 USD ist aus früheren Zwischenhochs zu erwarten. Darunter liegen Unterstützungsbereiche bei 216 USD und 210 USD.

Aktuell liegt Visa zwischen einem Unterstützungsbereich bei 216 USD und einem Widerstandsbereich bei 228 USD.Aktuell liegt Visa zwischen einem Unterstützungsbereich bei 216 USD und einem Widerstandsbereich bei 228 USD.

Das ATH von Mastercard liegt im Bereich um 400 USD, welches bereits mehrfach erfolglos getestet wurde. Wie Visa markierte Mastercard im Oktober 2022 ein Zwischentief (278 USD), von dem aus ein Aufwärtstrend eingeleitet wurde. Nach dem Scheitern am ATH im Januar dieses Jahres fiel der Kurs bis auf einen Unterstützungsbereich bei 340-345 USD, wo sich auch die 200-Tage-Linie befindet. Über dem Kurs liegen aktuell ein Widerstandsbereich bei 365-370 USD sowie die 50-Tage-Linie.

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Mastercard hat bereits vier Mal das bisherige ATH bei rund 400 USD erfolglos angelaufen.Mastercard hat bereits vier Mal das bisherige ATH bei rund 400 USD erfolglos angelaufen.

Fazit: Visa mit einem leichten Vorteil

Obwohl Visa und Mastercard ein nahezu identisches Geschäftsmodell verfolgen, zeigt Visa eine leicht überlegene operative Performance. Das Unternehmen zeichnet sich insbesondere durch ein deutlich höheres Gewinnwachstum und stetig wachsende Margen aus. Auch wenn die Aktienkurse beider Unternehmen aktuell eine gewisse Unentschlossenheit zeigen, erscheint das Chartbild von Visa etwas attraktiver, und die Aktie hat im Vergleich zu Mastercard noch etwas mehr Spielraum nach unten bis zu wichtigen Unterstützungszonen.

Offenlegung möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht in den besprochenen Wertpapieren investiert. Transparenzhinweis: Die vorgestellten Derivate werden von der Redaktion ausgewählt. Wir arbeiten mit ausgewählten Emittenten zusammen, die eine Geschäftsbeziehung mit der Goldesel Trading & Investing GmbH unterhalten. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten birgt erhebliche Risiken und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.