Die Verwaltungskostenquote ist ein entscheidender Indikator für die Effizienz eines Lebensversicherers. Sie gibt an, wie viel Prozent der Beitragseinnahmen für die Verwaltung aufgewendet werden. Eine niedrige Quote deutet auf schlanke Prozesse und Kosteneffizienz hin, während eine hohe Quote auf potenzielle Ineffizienzen oder strukturelle Herausforderungen hindeuten kann. Im Jahr 2024 zeigen sich, wie in den Vorjahren, deutliche Muster bei den Unternehmen mit den besten und schlechtesten Quoten.
Effiziente Verwaltung: Die Spitzenreiter unter den LV-Versicherern
Bei den Versicherern mit den niedrigsten Verwaltungskostenquoten fallen zwei Hauptmuster auf. Einerseits sind es Direktversicherer, die sich auf Risikolebensversicherungen spezialisieren und durch Standardisierung und schlanke Prozesse besonders kostengünstig arbeiten. Andererseits beweisen auch große Allrounder, dass breite Produktpaletten und komplexe Bestände effizient verwaltet werden können, wenn Skaleneffekte und Automatisierung zum Tragen kommen. So überrascht es nicht, dass neben Direktangeboten auch Branchengrößen wie die Allianz und R+V unter den Spitzenreitern zu finden sind.
Beispielhafte Porträts der Effizienz
Europa Leben (0,8 Prozent): Dieser Direktversicherer aus dem Continentale-Verbund führt die Rangliste seit Jahren an. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent an Risikolebensversicherungen profitiert Europa Leben von einem Geschäftsfeld mit vergleichsweise einfachen Prozessen. Trotz eines Beitragsaufkommens von 341,1 Millionen Euro (Rang 47) ist das Unternehmen ein Spezialist, der seine Kostenstruktur konsequent auf Standardisierung ausrichtet.
Allianz Leben (1,2 Prozent): Die Allianz Leben demonstriert, dass auch ein Anbieter mit einer breiten Produktpalette und komplexen Beständen eine schlanke Verwaltungskostenquote erzielen kann. Mit fast 24 Milliarden Euro Beitragseinnahmen ist sie unangefochtener Marktführer. Ihr Bestand umfasst Rentenpolicen (ca. 44 Prozent, inkl. BU), ein starkes Kollektivgeschäft (knapp 30 Prozent) sowie Kapital- und Risikoabsicherungen. Skaleneffekte, eine ausgereifte Organisation zur Bearbeitung komplexer Verträge und digitale Systeme zur Standardisierung und Automatisierung ermöglichen trotz der Komplexität eine stabile Quote von 1,2 Prozent.
HanseMerkur Leben (1,2 Prozent): Mit 355,2 Millionen Euro Beitragseinnahmen (Rang 45) ist die HanseMerkur Leben ein vergleichsweise kleiner Anbieter. Dass ihre Verwaltungskostenquote 2024 nur 1,2 Prozent beträgt, ist bemerkenswert, da ihr Portfolio überwiegend aus klassischen, verwaltungsintensiven Produkten besteht (51 Prozent Rentenversicherungen, 29 Prozent Kapitalpolicen). Ein deutlicher Zuwachs im Einmalbeitragsgeschäft im Jahr 2024 verbreiterte die Berechnungsgrundlage und entlastete die Quote zusätzlich.
R+V Leben (1,4 Prozent): Mit rund 6,9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen gehört die R+V Leben zu den Schwergewichten des Marktes. Ihr breites Portfolio umfasst Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen (28 Prozent) sowie ein hohes Kollektivgeschäft (rund 40 Prozent). Trotz der inhärenten Komplexität von Kollektivverträgen und BU-Policen liegt die Verwaltungskostenquote bei nur 1,4 Prozent. Dies ist das Ergebnis von Skaleneffekten, einer effizienten Organisation und der engen Einbindung in den genossenschaftlichen Finanzverbund, die Prozesse bündelt und standardisiert.
Cosmos Leben (1,4 Prozent): Cosmos Leben ist ein Paradebeispiel für ein Direktversicherungsmodell mit starkem Fokus auf Risikolebensversicherungen. Rund 60 Prozent des Bestands entfallen auf Risikolebenspolicen, die durch standardisierte Prozesse und geringen Verwaltungsaufwand gekennzeichnet sind. Mit 1,4 Milliarden Euro Beitragseinnahmen (Rang 18) ist Cosmos der größte Direktversicherer im deutschen Lebensversicherungsmarkt und steht für Effizienz durch Spezialisierung.
Die besten LV-Verwaltungskostenquoten 2024 im Überblick
Neben den exemplarisch dargestellten Gesellschaften wiesen weitere Anbieter im Jahr 2024 besonders niedrige Verwaltungskostenquoten auf:
- Europa Leben: 0,8 Prozent
- Allianz Leben: 1,2 Prozent
- HanseMerkur Leben: 1,2 Prozent
- R+V Leben: 1,4 Prozent
- Cosmos Leben: 1,4 Prozent
- Hannoversche Leben: 1,4 Prozent
- Targo Leben: 1,6 Prozent
- LVM Leben: 1,6 Prozent
- BY Bayerische Vorsorge Leben: 1,6 Prozent
- Debeka Leben: 1,7 Prozent
- Volkswohl Bund Leben: 1,7 Prozent
Strukturelle Herausforderungen: Die höchsten LV-Verwaltungskostenquoten 2024
Am anderen Ende der Skala befinden sich die Versicherer mit den höchsten Verwaltungskostenquoten. Hier finden sich oft Unternehmen mit Beständen, die durch viele ältere Verträge mit hohem Verwaltungsaufwand geprägt sind. Auffällig ist, dass mehrere Run-off-Versicherer 2024 keine Verwaltungskosten auswiesen, obwohl gerade sie naturgemäß hohe Quoten erwarten lassen. Die Ager Leben ist als einziger Run-off-Anbieter mit 3,0 Prozent aufgeführt, was bereits über dem Branchenschnitt liegt und die anspruchsvolle Verwaltung solcher Altbestände verdeutlicht.
Exemplarische Porträts hoher Quoten
Signal Iduna Leben (4,8 Prozent): Mit dem höchsten Wert am Markt zeigt die Signal Iduna Leben eine hohe Quote. Bemerkenswert sind die Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve (ZZR) von 132,3 Millionen Euro bei nur 1,1 Milliarden Euro Bruttoprämien. Diese Rückflüsse stützen zwar den Rohüberschuss, deuten aber darauf hin, dass der Bestand von zahlreichen, hochverzinsten Altgarantien geprägt ist, die in den Niedrigzinsjahren eine erhebliche Belastung darstellten. Die hohe Quote spiegelt somit primär die Kostenlast vergangener Zusagen wider.
HDI Leben (4,3 Prozent): Auch die HDI Leben liegt mit 4,3 Prozent deutlich über dem Branchenschnitt. Sie erhielt Rückflüsse aus der ZZR in Höhe von 149,2 Millionen Euro. Diese stützten den Rohüberschuss, machen aber zugleich sichtbar, wie stark der Bestand durch hochverzinste Altverträge geprägt ist. Die hohe Quote verweist damit weniger auf operative Schwächen als vielmehr auf die strukturelle Herausforderung, solche Bestände zu verwalten.
Zurich Leben (3,3 Prozent): Die Zurich Leben erhielt 144,6 Millionen Euro Rückflüsse aus der ZZR. Dennoch sank der Rohüberschuss um 39,3 Prozent, was die Belastung durch ein anspruchsvolles Portfolio unterstreicht. Mit 2,7 Milliarden Euro Beitragseinnahmen (Rang 5, –7,4 Prozent) verlor Zurich zudem Marktanteile. Die Verwaltung der alten Verträge im internen Run-off durch die Zurich Life Legacy verdeutlicht die Rolle der Altbestände. Die erhöhten Rückflüsse sind ein Spiegel der hohen Garantieverpflichtungen, die die Verwaltungskostenquote nach oben treiben.
Die höchsten Quoten 2024 im Überblick
Die Beispiele zeigen, dass bei der Bewertung von Verwaltungskostenquoten Vorsicht geboten ist. Gründe für Quoten über dem Branchenschnitt können Altbestände mit hohen Garantieverpflichtungen, laufende Investitionen in Digitalisierung oder auch die geringe Größe eines Anbieters sein, die eine Verteilung von Fixkosten erschwert.
- Signal Iduna Leben: 4,8 Prozent
- HDI Leben: 4,3 Prozent
- Helvetia schweizerische Leben: 4,3 Prozent
- Nürnberger Leben: 3,8 Prozent
- Zurich Leben: 3,3 Prozent
- AXA Leben: 3,3 Prozent
- Deutsche Ärzte Leben: 3,2 Prozent
- VGH Leben: 3,1 Prozent
- DEVK Allgemeine Leben: 3,1 Prozent
- Ager Leben: 3,0 Prozent
Hintergrund
Die Zahlen basieren auf einer Analyse von Marc Surminski in der Zeitschrift für Versicherungswesen (Ausgabe 09/2025), die die Verwaltungskosten der 50 größten Lebensversicherer in Deutschland erfasst. Die vollständige Auswertung ist beim Allgemeinen Fachverlag erhältlich.
/ Generated with Markdown API /

