Griechenland, ein Land reich an Geschichte, Kultur und atemberaubenden Landschaften, ist auch die Heimat einer traditionsreichen Spirituose: Ouzo. Dieses Nationalgetränk der Griechen ist weit mehr als nur ein Anisschnaps; es ist ein fester Bestandteil der geselligen Lebensart und ein Symbol für Gastfreundschaft. Ob in traditionellen „Ouzerias“ oder im Kreise von Freunden – Ouzo steht für Genuss und Gemeinschaft. Sein unverwechselbares Aroma, geprägt durch Anis und weitere sorgfältig ausgewählte Kräuter, macht ihn zu einem einzigartigen Erlebnis.
Was ist Ouzo?
Ouzo ist eine Spirituose, die ausschließlich in Griechenland hergestellt wird und deren charakteristischer Geschmack durch die Destillation von Alkohol mit Anis und einer Auswahl weiterer Kräuter und Gewürze entsteht. Zu den typischen Aromen zählen neben dem dominanten Anis auch süßliche, herbal-würzige und manchmal lakritzartige Noten.
Damit eine Spirituose als Ouzo bezeichnet werden darf, müssen strenge gesetzliche Vorgaben eingehalten werden:
- Die Herstellung ist ausschließlich auf griechischem Gebiet gestattet.
- Der Alkohol wird durch Destillation oder Einmaischen mit Kräutern und Gewürzen wie Anis, Fenchelsamen und Mastix-Extrakten aromatisiert. Dabei muss der durch Destillation gewonnene aromatisierte Alkohol mindestens 20 % des Gesamtalkoholgehalts ausmachen.
- Die Destillation erfolgt chargenweise in kupfernen Brennblasen mit einem maximalen Fassungsvermögen von 1000 Litern.
- Ouzo muss eine farblose Spirituose sein und darf einen Zuckergehalt von höchstens 50 Gramm pro Liter nicht überschreiten.
- Gemäß EU-Verordnung muss Ouzo einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 % Vol. aufweisen.
Geschichte und Namensherkunft des Ouzo
Die genauen Ursprünge des Ouzo sind in den Nebeln der Geschichte verborgen, wobei verschiedene Theorien existieren. Eine besagt, dass Ouzo im 15. Jahrhundert als Abwandlung des türkischen Raki entstand. Eine andere Theorie verortet die Geburtsstunde im 17. Jahrhundert, als christliche Mönche auf ihren Pilgerreisen nach Griechenland die Kunst der Destillation erlernten. Es gibt auch Berichte, die eine griechische Familie im 19. Jahrhundert als Erfinder der Rezeptur nennen. Die Herstellung von Ouzo ist jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert gesichert belegt. Seine Blütezeit erlebte der Anisschnaps nach dem Griechisch-Türkischen Krieg im Jahr 1922, insbesondere auf der Insel Lesbos, die seither als „Wiege des Ouzo“ gilt. Die Küstenstadt Plomari ist ein wichtiges Zentrum der Ouzo-Produktion und gab der bekannten Marke Plomari ihren Namen.
Die Herkunft des Namens „Ouzo“ ist ebenso unklar wie seine Geschichte. Einige Forscher vermuten eine Ableitung vom türkischen Wort „üzüm“ (Weintrauben). Eine populäre Theorie besagt, der Name stamme von der italienischen Aufschrift „uso Massilia“ (sinngemäß: für den Gebrauch in Marseille) auf den Holzkisten, in denen der Schnaps verschifft wurde.
Die Herstellung von Ouzo
Die Produktion von Ouzo beginnt mit reinem Alkohol, der mit verschiedenen Kräutern und Gewürzen mazeriert wird. Zu den klassischen Zutaten zählen Anis, Fenchel, Mastix von Chios, Pfefferminze, Koriander, Ingwer, Nelken und Kardamom. Die genauen Mischungsverhältnisse sind jedoch meist ein wohlgehütetes Betriebsgeheimnis der Hersteller. Der Prozess der Destillation in kupfernen Brennkesseln gliedert sich in drei Phasen:
- Vorlauf (griechisch: „Kefali“, Kopf)
- Mittellauf oder Herzstück (griechisch: „Kardia“, Herz)
- Nachlauf (griechisch: „Oura“, Schwanz)
Der Vor- und Nachlauf werden abgetrennt, während das Mittellauf-Destillat – das „Herzstück“ – für die Weiterverarbeitung verwendet wird, oft nach einer erneuten Destillation. Nur dieses milde Herzstück ergibt einen hochwertigen Ouzo. Weniger edle Varianten, die sich oft auch preislich stark unterscheiden, enthalten höhere Anteile von Vor- und Nachlauf und werden als minderwertiger betrachtet.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Anzahl der Destillationsvorgänge; ein erstklassiger Ouzo wird mindestens zweimal destilliert. Ebenso entscheidend ist die Dauer des Brennprozesses. Bei Spitzenprodukten kann dieser weit über zehn Stunden betragen, was zu einer feineren Spirituose führt. Anschließend wird das Destillat mit weichem Wasser auf Trinkstärke verdünnt.
Wie genießt man Ouzo richtig?
In Deutschland wird Ouzo oft stark gekühlt, pur oder als Basis für Cocktails und Longdrinks, wie den „Ouzo-Mojito“, getrunken. Auch die Verwendung in Kombination mit Fruchtsäften ist beliebt. In Griechenland hingegen hat das schnelle „Kippen“ von Schnapsgläsern keinen Platz. Dort steht der bewusste Genuss im Vordergrund.
Ouzo trinken wie die Griechen
Ouzo wird in Griechenland typischerweise pur oder mit Wasser genossen. Die Zugabe von kaltem Wasser führt zum charakteristischen „Louche-Effekt“, bei dem der klare Schnaps milchig-trüb wird. Dies liegt an den ätherischen Ölen des Anis, deren Terpene schwer wasserlöslich sind. Je trüber der verdünnte Ouzo wird, desto höher ist in der Regel sein Anisgehalt.
Serviert wird Ouzo in hohen, schlanken Gläsern oder Tumblern, und er wird langsam, in kleinen Schlucken, getrunken. Kühlung im Kühlschrank ist in Griechenland unüblich, da man glaubt, dass dies die feinen Kräuter- und Gewürznoten beeinträchtigt. Traditionell wird Ouzo mit „Mezedes“ gereicht – kleinen Vorspeisen, ähnlich den spanischen Tapas, die von Gemüse und Käse bis hin zu Fleisch und Meeresfrüchten reichen können und das gemeinsame Beisammensein abrunden.
Empfehlenswerte Ouzo-Sorten
Zu den bekanntesten griechischen Ouzo-Marken zählen Plomari, Tsantali und Ouzo 12, wobei letztere Marke auch in Deutschland eine große Anhängerschaft hat. Unabhängig von der Wahl holen Sie sich mit jeder dieser Sorten ein Stück griechischer Lebensfreude nach Hause.

