Die Beziehung zwischen Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, und Italien ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus politischen Notwendigkeiten, ideologischen Unterschieden und gemeinsamen Interessen. Besonders seit Giorgia Meloni das Amt der italienischen Ministerpräsidentin übernommen hat, hat diese Dynamik eine neue Dimension erreicht. Es ist eine Geschichte, die von anfänglichem Misstrauen geprägt war, sich aber schnell zu einer pragmatischen Zusammenarbeit entwickelte, die für die Gestaltung der europäischen Zukunft entscheidend sein könnte. Von der Leyens Ansatz gegenüber Italien ist ein Spiegelbild der komplexen Balance, die in der Europäischen Union zwischen nationalen Souveränitäten und dem Streben nach Einheit herrscht.
Am Anfang standen jedoch nicht immer nur warme Worte. Kurz vor den italienischen Parlamentswahlen im September 2022 sorgte Ursula von der Leyen für erhebliche Kontroversen. Ihre Bemerkung, die EU verfüge über „Werkzeuge“, sollte die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit verletzt werden, wurde in Italien als eine Art Drohung wahrgenommen und löste eine Welle der Empörung aus. Politiker wie Matteo Salvini und selbst die damals noch nicht regierende Giorgia Meloni reagierten scharf und warfen der Kommissionspräsidentin institutionelles Mobbing vor. Man könnte sagen, es war ein Fehlstart, der das Potenzial hatte, die zukünftige Zusammenarbeit von Anfang an zu belasten. Doch die politische Landschaft in Europa ist oft von unerwarteten Wendungen geprägt, und die Notwendigkeiten des Regierens überwinden häufig anfängliche Reibereien. Ähnliche Dynamiken sieht man auch bei der Zusammenarbeit zwischen mario draghi ursula von der leyen in früheren Phasen europäischer Politik.
Historische Spannungen: Als „Werkzeuge“ für Aufregung sorgten
Die Zeit vor Giorgia Melonis Amtsantritt war von einer tiefen Skepsis seitens Brüssels gegenüber der aufstrebenden Rechtsregierung in Italien geprägt. Die Befürchtung, dass eine postfaschistische Führung unter Meloni die europäischen Werte in Frage stellen könnte, war allgegenwärtig. Von der Leyen hatte bei ihrem Amtsantritt 2019 versprochen, europäische Werte entschlossen zu verteidigen und sah Ungarn und Polen wegen Rechtsstaatsverstößen im Visier. Italien, mit seinem Rechtsruck und den hohen Schulden, galt ebenfalls als Wackelkandidat. Diese Grundhaltung führte zu der besagten Äußerung von der Leyens, die in Italien als unzulässige Einmischung in den Wahlkampf empfunden wurde. Matteo Salvini forderte sogar den Rücktritt der Kommissionspräsidentin, und auch Giorgia Meloni mahnte zur Umsicht. Dieser Vorfall zeigte deutlich die Bruchlinien und die Empfindlichkeit, die in den Beziehungen zwischen Brüssel und einigen nationalen Hauptstädten bestehen können.
Für viele Beobachter schien ein Zusammenstoß zwischen der CDU-Politikerin und der Chefin der Fratelli d’Italia vorprogrammiert. Meloni selbst hatte in ihrer Autobiografie „Io sono Giorgia“ noch 2021 die EU als „Spielplatz von Technokraten und Bankiers“ kritisiert. Doch die Realität der Macht und die Notwendigkeit europäischer Einheit haben oft ihre eigenen Regeln. Ein pragmatischer Ansatz begann sich durchzusetzen, als Meloni nach ihrem Wahlsieg eine pro-europäischere Haltung einnahm und gleichzeitig die Bedeutung Italiens für die europäische Stabilität betonte.
Die Pragmatische Allianz: Meloni und von der Leyen als unerwartetes Duo
Was viele als eine gefährliche Allianz oder eine politische Annäherung auf Kosten europäischer Prinzipien sahen, entwickelte sich zu einer zunehmend engen und pragmatischen Zusammenarbeit zwischen Ursula von der Leyen und Giorgia Meloni. Die Chemie zwischen den beiden Frauen scheint zu stimmen, und sie scheinen einander zu brauchen. Für von der Leyen, die eine zweite Amtszeit als Kommissionspräsidentin anstrebt, ist die Unterstützung der einflussreichen italienischen Regierungschefin von großer Bedeutung. Meloni hingegen nutzt die Nähe zu von der Leyen, um Italiens Einfluss in Brüssel zu stärken und nationale Anliegen auf die europäische Agenda zu setzen.
Diese “Liebe auf den zweiten Blick” ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren politischen Kalküls auf beiden Seiten. Meloni, die aus einem dezidiert EU-kritischen Lager kommt, hat seit ihrem Amtsantritt versucht, ihre ideologischen Wurzeln mit einer zentristischeren Haltung auf europäischer Ebene in Einklang zu bringen. Dies hat ihr in Brüssel einen glaubwürdigeren und pragmatischeren Ruf eingebracht. Im Gegenzug ist von der Leyen bereit, diesen pragmatischen Kurs zu unterstützen, um eine breite Basis für ihre Wiederwahl zu sichern und die Einheit der EU in schwierigen Zeiten zu wahren. Die italienische Ministerpräsidentin will die EU politisch nach rechts verschieben und pflegt gleichzeitig eine enge Beziehung zu von der Leyen, um dieses Ziel zu erreichen. Dieser Spagat ist für Meloni eine schwierige, aber strategisch wichtige Aufgabe.
Gemeinsame Agenden: Migration, Wirtschaft und die Zukunft der EU
Ein zentrales Thema, bei dem sich die politischen Prioritäten von Ursula von der Leyen und Italien unter Giorgia Meloni überschnitten haben, ist die Migrationspolitik. Meloni hat erfolgreich in Brüssel darauf hingearbeitet, die EU-Migrationspolitik in eine Richtung zu lenken, die darauf abzielt, Migranten von den europäischen Grenzen fernzuhalten. Dieser radikale Bruch mit früheren EU-Asyl- und Flüchtlingsansiedlungspolitiken wurde von von der Leyen offensichtlich mitgetragen, was die pragmatische Natur ihrer Zusammenarbeit unterstreicht.
Aber auch in anderen Bereichen gibt es Berührungspunkte. Deutschland und Italien haben beispielsweise gemeinsam auf umfassende EU-Maßnahmen gegen Genehmigungsverzögerungen gedrängt, die das Wirtschaftswachstum in Europa behindern. Dies zeigt ein gemeinsames Interesse an der Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Meloni hat auch erfolgreich in Brüssel lobbyiert, um den EU Green Deal zu verwässern, was ein weiteres Beispiel für ihren Einfluss auf die europäische Agenda ist. Es geht darum, Italien nicht nur als Empfänger von EU-Politik zu sehen, sondern als aktiven Gestalter.
Italiens Einfluss auf die EU-Migrationspolitik
Die Mittelmeerroute ist seit Jahren eine der Hauptrouten für Migranten, die nach Europa gelangen wollen. Italien ist hier besonders stark betroffen. Giorgia Meloni hat von Anfang an eine harte Linie in der Migrationspolitik vertreten und sich für effektivere Grenzkontrollen und Abkommen mit Drittstaaten eingesetzt. Die Übernahme dieser Ideen durch die EU-Kommission unter von der Leyen, insbesondere die Betonung, Migrationsbewegungen außerhalb der EU zu steuern, spiegelt den direkten Einfluss Italiens wider. Man kann es als einen Kurswechsel sehen, der die politischen Realitäten und Forderungen bestimmter Mitgliedstaaten stärker berücksichtigt.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Bürokratieabbau
Die Diskussionen um die europäische Wettbewerbsfähigkeit sind von großer Bedeutung, besonders für große Industrienationen wie Deutschland und Italien. Die gemeinsame Initiative, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, ist ein konkretes Beispiel für pragmatische Zusammenarbeit. In einer Zeit, in der die europäische Wirtschaft globalen Herausforderungen gegenübersteht, ist es entscheidend, interne Hürden abzubauen und ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen. Hier sehen sowohl von der Leyen als auch die italienische Regierung einen Hebel, um Europa insgesamt zu stärken.
Ein weiteres Beispiel für die wachsende Vernetzung ist das Interesse an der Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz. Ursula von der Leyen hat im Oktober 2025 in Turin betont, dass die EU keine Mühen scheuen wird, um Europa zu einem „KI-Kontinent“ zu machen. Sie sprach sich für einen „AI first“-Ansatz in strategischen Industrien aus, von Robotik bis zur Automobilindustrie, und hob die Bedeutung eines einheitlichen Regelwerks für alle Mitgliedstaaten hervor, um Skalierung zu erleichtern. Italien ist hier ein wichtiger Partner und Standort für Innovationen.
Herausforderungen und Nuancen: Innereuropäische Dynamiken
Trotz der pragmatischen Annäherung bleiben die Beziehungen zwischen Ursula von der Leyen und Italien vielschichtig und nicht frei von Herausforderungen. Die italienische Regierung ist selbst eine Koalition mit unterschiedlichen Ansichten. Während Giorgia Meloni und ihre Fratelli d’Italia Teil der EKR-Fraktion sind und eine gute Beziehung zu von der Leyen pflegen – unter anderem durch die Ernennung von Raffaele Fitto als vertrauten Kommissar – gibt es innerhalb der Regierung auch kritischere Stimmen. Die Lega von Matteo Salvini, beispielsweise, hat sich wiederholt gegen die Kommissionspräsidentin positioniert und sogar eine Misstrauensabstimmung unterstützt.
Dies stellt Giorgia Meloni vor eine schwierige Gratwanderung. Sie muss ihre Rolle als Präsidentin der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) mit ihrer engen Beziehung zu von der Leyen, die der Europäischen Volkspartei (EVP) angehört, in Einklang bringen. Bei Abstimmungen im Europäischen Parlament über Misstrauensanträge gegen die Kommission zeigt sich diese Zerrissenheit oft deutlich: Während die Forza Italia – ebenfalls Teil der italienischen Regierung, aber in der EVP – von der Leyen unterstützt, stimmt die Lega oft dagegen. Solche Uneinigkeit innerhalb einer nationalen Regierung bei europäischen Fragen sind nicht ungewöhnlich, machen die Zusammenarbeit jedoch komplexer. Diese Art von innerparteilichen Spannungen und strategischen Allianzen sind auch aus der Beziehung zwischen giorgia meloni ursula von der leyen bekannt, wo pragmatische Entscheidungen oft über ideologische Gräben hinweg getroffen werden müssen.
Italien als Schlüsselland für Europas Zukunft
Italien ist ein Gründungsmitglied der Europäischen Union und als drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ein unbestreitbarer Pfeiler des europäischen Projekts. Die Entscheidungen und politischen Ausrichtungen Roms haben weitreichende Konsequenzen für die gesamte Union. Die Beziehung zu Ursula von der Leyen und der EU-Kommission ist daher von strategischer Bedeutung. Italiens Engagement in Bereichen wie der Digitalisierung, insbesondere der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, ist für die von der Leyens Vision eines technologisch führenden Europas unerlässlich. Wie sie in Turin betonte, soll Europa ein „KI-Kontinent“ werden, der nicht nur auf globale Herausforderungen reagiert, sondern auch proaktiv seine Zukunft gestaltet.
Experten wie Dr. Klaus-Peter Schmidt, ein deutscher Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt auf europäische Integration, kommentieren: „Italien ist nicht nur ein Empfänger europäischer Politik, sondern ein entscheidender Mitgestalter. Die Fähigkeit der EU, auf globale Krisen zu reagieren, hängt maßgeblich von der Einbindung und dem Engagement großer Mitgliedstaaten wie Italien ab. Die pragmatische Annäherung zwischen von der Leyen und Meloni, trotz ihrer unterschiedlichen politischen Lager, zeigt, dass in der europäischen Politik die gemeinsamen Interessen oft über ideologischen Differenzen stehen können.“
Die Diskussionen um die Zukunft der EU nach den Europawahlen 2024 zeigten auch, wie wichtig Italiens Position ist. Es gab Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit von der Leyens mit der EKR-Fraktion, zu der Melonis Partei gehört. Dies unterstreicht die Rolle Italiens als potenziellen Vermittler zwischen traditionellen europäischen Kräften und aufstrebenden nationalistischen Bewegungen.
Blick in die Zukunft: Eine Partnerschaft unter Beobachtung
Die Beziehung zwischen Ursula von der Leyen und Italien, symbolisiert durch ihre Interaktionen mit Giorgia Meloni, ist ein fortlaufender Prozess der Anpassung und des strategischen Ausgleichs. Sie zeigt, wie die europäische Politik auch in schwierigen Zeiten Wege zur Zusammenarbeit finden kann, um gemeinsame Herausforderungen zu meistern. Ob diese pragmatische Partnerschaft langfristig die Spannungen zwischen nationalen Interessen und europäischen Werten überwinden kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Es ist jedoch klar, dass Italien unter der aktuellen Führung eine gewichtigere Rolle auf der europäischen Bühne spielt und diese Position auch in Zukunft aktiv gestalten wird.
Die Entwicklung dieser Beziehung ist von entscheidender Bedeutung für die Kohärenz und Handlungsfähigkeit der Europäischen Union. In einer Welt voller geopolitischer Unsicherheiten ist eine enge Abstimmung zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission wichtiger denn je. Die Dynamik zwischen Ursula von der Leyen und Italien mag komplex sein, aber sie ist zweifellos ein zentraler Faktor für die Zukunft Europas.
Häufig gestellte Fragen zu Ursula von der Leyen und Italien
Was war der Auslöser für die anfänglichen Spannungen zwischen Ursula von der Leyen und Italien?
Die anfänglichen Spannungen entstanden kurz vor den italienischen Parlamentswahlen 2022, als Ursula von der Leyen kommentierte, die EU verfüge über „Werkzeuge“, sollte Italien die Rechtsstaatlichkeit verletzen. Diese Aussage wurde von italienischen Politikern als Einmischung und Drohung empfunden und löste Empörung aus.
Wie hat sich die Beziehung zwischen von der Leyen und Giorgia Meloni entwickelt?
Die Beziehung entwickelte sich von anfänglicher Skepsis und Spannungen zu einer pragmatischen Allianz. Beide Politikerinnen scheinen einander zu brauchen: von der Leyen sucht Melonis Unterstützung für eine zweite Amtszeit, während Meloni ihren Einfluss in der EU stärken und Italiens Anliegen vorantreiben möchte.
Welche Rolle spielt Italien in der Migrationspolitik der EU unter von der Leyen?
Italien unter Giorgia Meloni hat maßgeblichen Einfluss auf die EU-Migrationspolitik. Meloni hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die EU einen Kurs einschlägt, der darauf abzielt, Migranten von den europäischen Grenzen fernzuhalten, eine Politik, die von der Leyen offensichtlich übernommen hat.
In welchen Bereichen arbeiten Ursula von der Leyen und Italien zusammen?
Neben der Migrationspolitik arbeiten von der Leyen und Italien auch in wirtschaftlichen Bereichen zusammen, etwa bei Initiativen zum Bürokratieabbau und zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Auch in der digitalen Agenda, speziell bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, gibt es gemeinsame Interessen.
Welche Auswirkungen hat die Beziehung auf die europäische Politik?
Die pragmatische Beziehung zwischen von der Leyen und Meloni könnte die EU politisch stärker nach rechts verschieben und Italiens Einfluss auf die europäische Agenda erhöhen. Sie zeigt aber auch, wie in der EU strategische Zusammenarbeit über ideologische Gräben hinweg möglich ist, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen.
Fazit
Die Entwicklung der Beziehung zwischen Ursula von der Leyen und Italien ist ein Paradebeispiel für die Vielschichtigkeit der europäischen Politik. Was mit Missverständnissen und Spannungen begann, hat sich zu einer pragmatischen und strategischen Partnerschaft entwickelt, die für die Gestaltung der europäischen Zukunft von entscheidender Bedeutung ist. Italien, unter der Führung von Giorgia Meloni, spielt eine immer aktivere Rolle in Brüssel und beeinflusst zentrale Politikbereiche wie Migration, Wirtschaft und Digitalisierung. Diese dynamische Beziehung zeigt, dass in der Europäischen Union das Streben nach Konsens und Zusammenarbeit oft die größten Herausforderungen überwinden kann. Ursula von der Leyen und Italien stehen damit gemeinsam vor der Aufgabe, die Stärke und Einheit Europas in einer sich wandelnden Welt zu sichern.

