Ursula von der Leyen, eine deutsche Politikerin, die eine bemerkenswerte Karriere in nationalen und internationalen Gremien durchlaufen hat, ist eine Schlüsselfigur in der modernen europäischen Politik. Ihre Reise von der niedersächsischen Landespolitik bis zur Präsidentschaft der Europäischen Kommission ist geprägt von Entschlossenheit, politischem Geschick und einem tiefen Engagement für die europäische Integration. Als erste Frau an der Spitze der Exekutive der Europäischen Union hat sie Meilensteine gesetzt und die Union durch einige ihrer herausforderndsten Phasen geführt. Ihre Verbindung zu Frankreich ist dabei nicht nur politischer Natur, sondern auch familiär geprägt, was ihre Perspektive auf die deutsch-französischen Beziehungen und die europäische Zusammenarbeit weiter vertieft.
Frühe Jahre und politischer Aufstieg in Deutschland
Geboren am 8. Oktober 1958 in Brüssel, Belgien, wuchs Ursula Gertrud von der Leyen, geborene Albrecht, in einer politisch aktiven Familie auf. Ihr Vater, Ernst Albrecht, war ein hoher Beamter und späterer Ministerpräsident von Niedersachsen. Diese prägende Umgebung legte den Grundstein für ihr eigenes politisches Interesse und ihre spätere Laufbahn. Nach ihrem Medizinstudium und Promotion an der Medizinischen Hochschule Hannover begann sie ihre politische Karriere in der Christlich Demokratischen Union (CDU).
Ihre ersten politischen Ämter bekleidete sie auf kommunaler Ebene, bevor sie 2003 in den Niedersächsischen Landtag einzog. Dort machte sie sich schnell einen Namen und wurde zur niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit ernannt. Ihre Amtszeit war gekennzeichnet durch wegweisende Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen.
Der nächste bedeutende Schritt in ihrer nationalen Karriere war der Wechsel nach Berlin. Ab 2005 diente sie unter Bundeskanzlerin Angela Merkel als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel I. In dieser Funktion setzte sie sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und initiierte wichtige Gesetzesänderungen. Ihre Fähigkeit, komplexe Themen anzugehen und pragmatische Lösungen zu entwickeln, festigte ihren Ruf als fähige und tatkräftige Politikerin.
Ein weiterer wichtiger Posten folgte mit der Übernahme des Bundesministeriums der Verteidigung im Jahr 2013 im Kabinett Merkel III. Als erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums stand sie vor großen Herausforderungen, darunter die Modernisierung der Bundeswehr und die Bewältigung internationaler Krisen. Ihre Amtszeit war von zahlreichen Auslandsreisen und dem Bemühen geprägt, die Bundeswehr für zukünftige Aufgaben fit zu machen.
Die Brücke nach Europa: Weg zur EU-Kommission
Parallel zu ihrer nationalen Karriere baute Ursula von der Leyen auch ihre internationalen Beziehungen und ihre europäische Vernetzung stetig aus. Sie war eine überzeugte Befürworterin der europäischen Einigung und engagierte sich in verschiedenen europäischen Diskussionsforen. Ihre fundierten Kenntnisse der deutschen und europäischen Politik sowie ihre diplomatischen Fähigkeiten machten sie zu einer gefragten Kandidatin für höhere europäische Ämter.
Der entscheidende Moment kam im Jahr 2019, als sie nach intensiven Verhandlungen von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten als Kandidatin für das Amt der Präsidentin der Europäischen Kommission nominiert wurde. Trotz anfänglicher Kontroversen um ihre Nominierung, da sie nicht zu den Spitzenkandidaten der Parteienfamilien zählte, wurde sie am 16. Juli 2019 vom Europäischen Parlament mit knapper Mehrheit gewählt.
Ihre Wahl zur Präsidentin der Europäischen Kommission war historisch – sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Seitdem steht sie an der Spitze der wichtigsten EU-Institution und trägt die Verantwortung für die Umsetzung der politischen Agenda der Union. Ihre Präsidentschaft ist geprägt von einer Reihe globaler Herausforderungen, darunter der Klimawandel, die digitale Transformation, die COVID-19-Pandemie und jüngst der Krieg in der Ukraine.
Deutsch-Französische Beziehungen und die Rolle Frankreichs
Die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich hat für Ursula von der Leyen eine besondere Bedeutung. Nicht nur politisch, sondern auch durch ihre familiäre Verbindung. Ihr Ehemann, Heiko von der Leyen, ist Professor für Unternehmensführung und entstammt einer alten hannoverschen Familie. Die Familie hat französische Wurzeln, was die persönliche Verbundenheit mit Frankreich unterstreicht.
Von der Leyen hat stets betont, wie wichtig die deutsch-französische Achse für die Stärke und Handlungsfähigkeit der Europäischen Union ist. Sie hat sich aktiv dafür eingesetzt, die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu stärken und gemeinsame Initiativen voranzutreiben. Dies zeigt sich insbesondere in ihrer abordagem zur europäischen Verteidigungspolitik und zur wirtschaftlichen Stabilität.
Ihre Erfahrungen in verschiedenen deutschen Regierungsfunktionen, von der Landespolitik bis zur Bundesverteidigungsministerin, haben ihr ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse und Perspektiven Deutschlands vermittelt. Gleichzeitig hat ihre internationale Tätigkeit und ihre Rolle in Brüssel ihr den Blick für die gesamteuropäische Dimension geöffnet. Sie versteht die Notwendigkeit, nationale Interessen mit den übergeordneten Zielen der Union in Einklang zu bringen, wobei die deutsch-französische Kooperation oft als Katalysator für europäische Fortschritte dient.
Ursula von der Leyen im Gespräch mit französischen Politikern oder während eines EU-Gipfels in Frankreich, Betonung der starken deutsch-französischen Partnerschaft
Ein zentrales Anliegen ihrer Präsidentschaft ist die Stärkung der Souveränität Europas. Dies beinhaltet die Fähigkeit der EU, in globalen Fragen eine stärkere Rolle zu spielen und ihre Interessen effektiv zu verteidigen. Die deutsch-französische Zusammenarbeit ist dabei ein entscheidender Faktor, um diese Ambitionen zu verwirklichen. Ob in der Handelspolitik, bei der Bewältigung von Migrationsströmen oder in der Klimapolitik – die Abstimmung zwischen Berlin und Paris ist oft der Schlüssel zu Fortschritten auf EU-Ebene.
Herausforderungen und Vermächtnis
Ursula von der Leyen steht als Präsidentin der Europäischen Kommission vor enormen Herausforderungen. Die Bewältigung der Klimakrise mit dem ambitionierten “Green Deal” zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050, die digitale Transformation und die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit sind nur einige der zentralen Aufgaben. Die Reaktion auf die COVID-19-Pandemie, einschließlich der Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen, sowie die Unterstützung der Ukraine nach der russischen Invasion, haben ihre Führungsqualitäten erneut unter Beweis gestellt.
Ihr Vermächtnis wird maßgeblich davon abhängen, wie erfolgreich sie die Europäische Union durch diese komplexen Zeiten navigiert und ob es ihr gelingt, die Einheit und den Zusammenhalt der Mitgliedstaaten zu wahren. Ihre Fähigkeit, Brücken zu bauen und Kompromisse zu finden, wird dabei ebenso entscheidend sein wie ihre Vision für ein stärkeres, resilienteres und fortschrittlicheres Europa.
Ihre Rolle als deutsche Politikerin an der Spitze Europas hat nicht nur die Wahrnehmung Deutschlands in der Welt verändert, sondern auch gezeigt, wie deutsche Expertise und europäische Integration Hand in Hand gehen können. Ursula von der Leyen verkörpert eine neue Generation europäischer Führungskräfte, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft des Kontinents aktiv zu gestalten. Ihre persönliche und politische Verbindung zu Frankreich bleibt dabei ein wichtiges Element ihrer Arbeit und ein Symbol für die tiefe Verflechtung und die gemeinsame Zukunft Europas.
