Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Doch was passiert, wenn junge Menschen die Initiative ergreifen und eine Welt bewegen wollen, die von den Entscheidungen älterer Generationen geprägt ist? Die schwedische Schülerin Greta Thunberg startete 2018 einen Schulstreik, der sich zu einer globalen Bewegung entwickelte: Fridays for Future. Diese Bewegung hat nicht nur das Bewusstsein für den Klimawandel geschärft, sondern auch politischen Druck erzeugt und zur Diskussion über dringend notwendige Maßnahmen angeregt. Doch welche konkreten Auswirkungen hatte und hat dieser Aktivismus auf die Politik und die Erreichung der Klimaziele? Umweltschutz ist entscheidend für unsere Zukunft.
Der Klimagipfel in Paris und die Realität
Im Jahr 2015 einigten sich die Vereinten Nationen auf dem Klimagipfel in Paris auf ein ambitioniertes Ziel: die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst aber auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Abkommen war ein Meilenstein, doch die Realität sieht anders aus. Viele Länder, darunter auch Schweden und Deutschland, sind weit davon entfernt, ihre Klimaziele zu erreichen. Schweden, das sich als fortschrittliches und grünes Land präsentiert, hinkt bei der Umsetzung ebenso hinterher wie Deutschland, dessen Kohlepolitik die Erreichung der Ziele zusätzlich erschwert. Die internationale Gemeinschaft hatte vereinbart, alle fünf Jahre die Fortschritte zu überprüfen – eine Überprüfung, die im Lichte der aktuellen Entwicklungen umso dringlicher erscheint.
Der Beginn von Gretas Streik: Ein Funke wird zum Lauffeuer
Greta Thunberg begann ihren Schulstreik im August 2018, zunächst nur bis zu den schwedischen Parlamentswahlen im September. Ihre Motivation war die mangelnde Berichterstattung über den Klimawandel im Wahlkampf. Allein vor dem schwedischen Reichstag sitzend, erregte sie schnell mediale Aufmerksamkeit. Ihre Botschaft war klar: Die Dringlichkeit der Klimakrise wird von vielen Entscheidungsträgern ignoriert. Bereits im November 2018 hielt die damals 15-Jährige einen inspirierenden TEDx-Talk in Stockholm. Sie legte dar, wie unverständlich es ihr sei, dass nicht jeden Tag aktiv an der Lösung der Klimakrise gearbeitet wird. Sie kritisierte, dass Lösungen bereits existieren, aber nicht umgesetzt werden. Besonders eindringlich formulierte sie ihre Sorge um die Zukunft: Politiker, die ihre Entscheidungen oft nur bis 2050 treffen, werden die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns nicht mehr erleben, während junge Menschen wie sie bis ins nächste Jahrhundert leben und die Folgen tragen werden. Gretas Beispiel inspirierte schnell Schülerinnen und Schüler in ganz Europa. Im September 2018 fanden erste Schulstreiks in den Niederlanden und Deutschland statt, gefolgt von Belgien, der Schweiz, England und Finnland im Oktober und November desselben Jahres.
Fridays for Future: Eine globale Jugendbewegung entsteht
In Deutschland formierte sich die Bewegung unter dem Namen “Fridays for Future”. Lokale Gruppen organisierten sich autonom und nutzten soziale Medien zur Verbreitung ihrer Botschaften. Bis Februar 2019 zählte die Bewegung bereits über 155 Ortsgruppen in Deutschland. Die jungen Aktivistinnen und Aktivisten sahen sich jedoch auch Kritik ausgesetzt, insbesondere von konservativer Seite, die ihnen die Missachtung der Schulpflicht vorwarf. Schulen wurden aufgefordert, das Fehlen der Schülerinnen und Schüler für Demonstrationen nicht zu entschuldigen. Die Jugendlichen konterten, dass sie stolzer auf ein Zeugnis sein könnten, das ihr Engagement für den Klimaschutz bezeugt, als auf eine reine Anwesenheitsliste. Die Handhabung dieser Situation variierte je nach Bundesland und Schule.
UN-Klimakonferenz in Katowice: Zwischen Beschlüssen und Kritik
Im Dezember 2018 fand in Katowice, Polen, die 24. UN-Klimakonferenz statt. Hier wurden erste Überprüfungen der Pariser Klimaziele vorgenommen und Maßnahmen verschärft. Ab 2020 müssen alle unterzeichnenden Staaten ihre Treibhausgasemissionen und die ergriffenen Minderungsmaßnahmen detailliert protokollieren und berichten. Alle fünf Jahre soll eine Klimabilanz gezogen werden, und die finanziellen Mittel für den Klimaschutz sollen bis 2025 aufgestockt werden. Staaten, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, sollen nach dem “Naming and Shaming”-Prinzip veröffentlicht werden, da die UN keine direkten Sanktionsmöglichkeiten hat.
Greta Thunberg reiste ebenfalls nach Katowice und kritisierte die Beschlüsse als zu vage und zukunftsorientiert. Sie warf den Politikern vor, die Realität zu ignorieren, um nicht unpopulär zu werden. Ihre Forderung war klar: Gerechtigkeit in der Klimapolitik und ein Planet, auf dem wir leben können. Sie betonte, dass der Klimawandel die ärmsten Länder der Welt am härtesten trifft und appellierte an die Entscheidungsträger, die Zukunft der Kinder nicht zu stehlen. Die Förderung des Klimaschutzes ist eine gemeinsame Aufgabe.
Plastikverbot und die Realität des Konsums
Ebenfalls im Dezember 2018 beschloss die EU ein Verbot von Einwegplastik, das Produkte wie Strohhalme und Wattestäbchen umfasst. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch der alltägliche Plastikkonsum, von verpacktem Obst und Gemüse bis hin zu Hygieneartikeln, bleibt enorm. Trotz Bemühungen, den Plastikverbrauch zu reduzieren, liegt Deutschland bei der Plastikverbrauchsstatistik hinter den USA und China auf dem dritten Platz. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei einem halben Kilogramm pro Tag, was einer jährlichen Gesamtmenge von 14,8 Millionen Tonnen entspricht.
Weltwirtschaftsforum in Davos: Klimawandel im Schatten des Brexits
Im Januar 2019 fand das Weltwirtschaftsforum in Davos statt. Obwohl der offizielle Risikobericht des Forums den Klimawandel als eines der größten Probleme unserer Zeit einstufte, rückte das Thema Brexit in den Vordergrund der Diskussionen. Greta Thunberg reiste erneut an, diesmal mit dem Zug, während viele andere Teilnehmer mit Privatjets ankamen. Sie appellierte eindringlich an die anwesenden Machthaber, die Klimakrise wie ein brennendes Haus zu behandeln. In Davos sprachen jedoch nur wenige vom Klima. Stattdessen dominierte die Sorge um die Auswirkungen neuer Abgas- und Verbrauchsstandards auf die deutsche Automobilbranche. Greta sah sich umgeben von Menschen, die Umweltschutz als geschäftsschädigend betrachteten.
Kohleausstieg in Deutschland: Ein harter Kampf um die Zukunft
Im Februar 2019 wurde in Deutschland über den Kohleausstieg beraten. Fridays for Future forderte in einem offenen Brief den Ausstieg bis 2020, um die nationalen Klimaziele noch erreichen zu können. Zehntausende Jugendliche demonstrierten in Berlin für einen schnellen Ausstieg. Doch die Entscheidung der Kohlekommission fiel mit einem beschlossenen Ausstieg bis 2038 enttäuschend aus. Dies bedeutet, dass Deutschland seine Klimaziele auf nationaler Ebene definitiv verfehlen wird. Die Kommission garantierte zudem nicht den Erhalt aller Dörfer, die von der Kohleförderung betroffen sind, und setzte nur ein langsames Ausstiegstempo ab 2022 fest. Die Aktivisten kündigten an, weiterhin wöchentlich zu streiken, bis sich die Politik ändert. Kritiker forderten die Jugendlichen auf, ihre Streiks auf Wochenenden und nach Schulschluss zu verlegen, und unterstellten ihnen, das Klima nur als Vorwand zum Schulschwänzen zu nutzen.
Kritik an Greta: Persönliche Angriffe statt inhaltlicher Debatte
Greta Thunberg selbst geriet oft ins Visier von Kritik, insbesondere im Internet. Da ihre Aussagen zum Klimawandel schwer zu widerlegen sind, wurde oft versucht, sie als Person anzugreifen. Ihr wurden mangelnde Reife, die Instrumentalisierung durch ihre Eltern und ihr Asperger-Syndrom vorgeworfen, um ihre Fähigkeit, die Klimakrise zu erfassen und anzuprangern, in Zweifel zu ziehen. Diese Reaktionen unterstreichen jedoch laut Greta und ihren Unterstützern nur, wie wenig die Entscheidungsträger bereit sind, sich der Realität zu stellen. Wenn Erwachsene eine Sechzehnjährige persönlich angreifen, anstatt ihre Argumente inhaltlich zu entkräften, wirft dies Fragen über die Integrität der Kritiker auf.
Greta Thunberg ist zur Schlüsselfigur der Bewegung geworden. Ihre Einladungen zu wichtigen politischen Treffen und die Plattform, die ihrer Stimme geboten wird, geben den Jugendlichen Hoffnung. Demonstrationen zu anderen Themen, wie im Hambacher Forst, die zu einer Änderung der Rodungspläne führten, bestärken die jungen Menschen darin, dass sie trotz ihres Alters und ihres Wahlrechts etwas bewegen können. Fridays for Future hat gezeigt, dass der jugendliche Aktivismus eine bedeutende Kraft im Kampf gegen die Klimakrise darstellt und politischen Druck erzeugen kann, der auf lange Sicht zu Veränderungen führen könnte.

