Die Beziehung zwischen Übergewicht, Gewichtsveränderungen und dem Fortschreiten von Prostatakrebs ist ein komplexes Thema, das weitere Untersuchungen erfordert. Eine aktuelle Studie, die im Health Professionals Follow-up Study (HPFS) durchgeführt wurde, beleuchtet diese Zusammenhänge genauer und liefert wichtige Erkenntnisse, insbesondere für Nichtraucher.
Einleitung
Übergewicht und dessen Zunahme im Erwachsenenalter werden zunehmend mit einem erhöhten Risiko für fortgeschrittenen und tödlichen Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Angesichts der Tatsache, dass Übergewicht ein weit verbreitetes und potenziell modifizierbares Problem darstellt, ist ein tieferes Verständnis des Zeitpunkts und der Bedeutung von Gewichtsveränderungen für das Prostatakrebsrisiko von großer Bedeutung.
Die bisherigen Forschungsergebnisse zur langfristigen Gewichtszunahme – von der Jugend bis ins mittlere Erwachsenenalter – und deren Auswirkungen auf die Prostatakrebs-Ergebnisse sind uneinheitlich. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Gewichtszunahme in diesem Zeitraum das Risiko für fortgeschrittenen und tödlichen Prostatakrebs erhöhen könnte, während andere keine signifikante Assoziation feststellen konnten. Auch kurzfristige Gewichtszunahmen, die zeitlich näher an der Diagnose oder Behandlung des Prostatakarzinoms liegen, wurden mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs-spezifische Mortalität und biochemische Rezidive in Verbindung gebracht. Eine Meta-Analyse ergab, dass Übergewicht zum Zeitpunkt der Diagnose oder primären Behandlung mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs-spezifische Mortalität assoziiert war. Dennoch gab es erhebliche Unterschiede zwischen den Studien, was darauf hindeutet, dass die Zusammenhänge je nach Patientenmerkmalen, Behandlung und Messzeitpunkten variieren können.
Daher ist ein besseres Verständnis der Muster und Zeitpunkte von Gewichtszunahme und Übergewicht notwendig. In der vorliegenden prospektiven Kohortenstudie wurde die Assoziation zwischen Übergewicht, Gewichtsveränderungen und dem Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms sowie biochemischer Rezidive bei Männern mit lokalisiertem Prostatakarzinom untersucht. Die Studie berücksichtigte verschiedene Zeitfenster:
- Langfristige Gewichtsveränderung: Vom 21. Lebensjahr bis zur Diagnose des Prostatakarzinoms.
- Kurzfristige Gewichtsveränderung: Über Zeiträume von 4 und 8 Jahren vor der Diagnose.
- Body-Mass-Index (BMI): Sowohl im Alter von 21 Jahren als auch zum Zeitpunkt der Diagnose.
Darüber hinaus wurden die Analysen speziell für Nichtraucher durchgeführt, um potenzielle Störfaktoren durch Rauchen auszuschließen. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass Gewichtszunahme und Übergewicht mit einem erhöhten Risiko für tödlichen Prostatakrebs und biochemische Rezidive verbunden sind.
Studiendesign und Methodik
Die Health Professionals Follow-up Study (HPFS) ist eine laufende prospektive Kohortenstudie, die 51.529 männliche US-Gesundheitsberufler im Alter von 40 bis 75 Jahren bei Studienbeginn im Jahr 1986 umfasst. Die Teilnehmer lieferten detaillierte Informationen zu Demografie, medizinischen Diagnosen, Körpergröße, Gewicht, Raucherstatus und körperlicher Aktivität bei Studienbeginn und alle zwei Jahre danach. Die Datenerfassung erfolgte über Fragebögen mit einer durchschnittlichen Rücklaufquote von über 90%.
Die primäre Studienpopulation bestand aus 5.158 Männern, bei denen zwischen 1986 und 2012 ein lokalisiertes Prostatakarzinom (klinisches Stadium T1/T2) diagnostiziert wurde und die Daten zu ihrem Gewicht im Alter von 21 Jahren und zum Zeitpunkt der Prostatakrebsdiagnose angaben. Um Störfaktoren durch Rauchen zu minimieren, wurden auch Analysen durchgeführt, die sich ausschließlich auf Nie-Raucher beschränkten (N=2.559). Männer mit einem Gewicht unter 45,4 kg (100 Pfund) im Alter von 21 Jahren oder zum Zeitpunkt der Diagnose, einem BMI unter 15 oder über 45, einer Gewichtszunahme von über 18,1 kg (40 Pfund) in den vier Jahren vor der Diagnose sowie Männer mit Grunderkrankungen, die den Gewichtsstatus beeinflussen könnten (z. B. Krebs, Colitis ulcerosa), wurden von der Analyse ausgeschlossen.
Die Exposition wurde wie folgt bewertet:
- Langfristige Gewichtsveränderung: Unterschied zwischen dem Gewicht im Alter von 21 Jahren und dem Gewicht zum Zeitpunkt der Prostatakrebsdiagnose. Die Teilnehmer wurden in Kategorien eingeteilt, die Gewichtsverlust, stabiles Gewicht (± 4,5 kg) und verschiedene Grade der Gewichtszunahme (4,5–9,1 kg, 9,1–13,6 kg, über 13,6 kg) widerspiegelten. Auch die Rate der langfristigen Gewichtszunahme (Pfund/Jahr) wurde analysiert.
- Kurzfristige Gewichtsveränderung: Gewichtszunahme oder -verlust über 4 und 8 Jahre vor der Diagnose. Die Kategorien umfassten Gewichtsverlust von mehr als 2,3 kg, stabiles Gewicht (± 2,3 kg) und Gewichtszunahme von mehr als 2,3 kg.
- BMI: Berechnet als Gewicht (kg) / Körpergröße (m²) sowohl für das Alter von 21 Jahren als auch zum Zeitpunkt der Diagnose. Diese wurden kontinuierlich (pro 5 kg/m² Anstieg) und kategorisch ausgewertet.
Als primäres Ergebnis wurde das tödliche Prostatakarzinom definiert, das entweder durch die Diagnose von Fernmetastasen oder durch den Tod aufgrund von Prostatakrebs gekennzeichnet war. Die PSA-Werte, Behandlungen, Rezidive und Metastasen wurden durch Überprüfung von Krankenakten, Arzt- und Patientenfragebögen sowie Sterbeurkunden ermittelt. Das sekundäre Ergebnis war die biochemische Rezidivierung, definiert durch erhöhte PSA-Werte nach der anfänglichen Behandlung.
Die statistische Analyse erfolgte mittels Cox-Proportional-Hazards-Modellen, um altersbereinigte Hazard Ratios (HRs) mit 95%-Konfidenzintervallen (CIs) für die Endpunkte tödliches Prostatakarzinom und biochemische Rezidivierung zu schätzen. Die Modelle wurden für Alter bei Diagnose, Raucherstatus, familiäre Vorbelastung für Prostatakrebs, Körpergröße, Vorhandensein von Herz-/Lungenerkrankungen, Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität, klinisches Stadium, Gleason-Grad, PSA-Wert bei Diagnose und primäre Behandlung adjustiert.
Studienergebnisse
In der Gesamtpopulation der 5.158 Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom zeigten die Ergebnisse keine signifikante Assoziation zwischen langfristiger Gewichtszunahme (von Alter 21 bis zur Diagnose) und dem Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms. Auch kurzfristige Gewichtszunahmen in den 4 oder 8 Jahren vor der Diagnose waren nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden.
Signifikante Ergebnisse bei Nichtrauchern:
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete die Subgruppe der Nie-Raucher (N=2.559). Bei diesen Männern war eine höhere langfristige Gewichtszunahme mit einem erhöhten Risiko für ein tödliches Prostatakarzinom assoziiert. Konkret hatten Männer, die zwischen 9,1 kg und 13,6 kg (20,1–30 Pfund) zunahmen, ein 1,64-fach höheres Risiko (95% CI, 1,01–2,67) und Männer, die über 13,6 kg (>30 Pfund) zunahmen, ein 1,59-fach höheres Risiko (95% CI, 1,01–2,50) für ein tödliches Prostatakarzinom im Vergleich zu denen mit stabilem Gewicht. Eine Zunahme der Gewichtszunahme um ein Pfund pro Jahr über den Zeitraum von 21 Jahren bis zur Diagnose war bei Nie-Rauchern mit einem signifikant erhöhten Risiko verbunden (HR 1,47, 95% CI, 1,01–2,14).
Zusammenhang mit BMI:
Weder der BMI im Alter von 21 Jahren noch der BMI zum Zeitpunkt der Diagnose war signifikant mit dem Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms assoziiert. Bei Nie-Rauchern zeigte sich jedoch eine tendenziell inverse Assoziation zwischen dem BMI im Alter von 21 Jahren und dem Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms, während ein höherer BMI zum Zeitpunkt der Diagnose tendenziell mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden war.
Biochemische Rezidive:
Weder Gewichtsveränderungen noch Übergewicht waren mit einem erhöhten Risiko für biochemische Rezidive verbunden. Interessanterweise wurde sogar eine inverse Assoziation zwischen der 8-jährigen Gewichtsveränderung und dem Risiko eines biochemischen Rezidivs festgestellt.
Subgruppenanalysen:
Die Assoziation zwischen langfristiger und kurzfristiger Gewichtszunahme und tödlichem Prostatakrebs war stärker bei Männern, die im Alter von 21 Jahren übergewichtig oder fettleibig waren (BMI ≥25 kg/m²). Bei diesen Männern war eine langfristige Gewichtszunahme von über 13,6 kg mit einem 1,85-fach höheren Risiko für ein tödliches Prostatakarzinom verbunden (95% CI, 0,87–3,92), und eine Gewichtszunahme von über 2,3 kg in den 8 Jahren vor der Diagnose mit einem 2,64-fach erhöhten Risiko (95% CI, 1,12–6,23) im Vergleich zu denen mit stabilem Gewicht. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Männer mit einem höheren BMI in jüngeren Jahren möglicherweise anfälliger für die negativen Auswirkungen von Gewichtszunahme auf das Fortschreiten von Prostatakrebs sind.
Es gab auch Hinweise darauf, dass die Assoziation zwischen langfristiger Gewichtszunahme und tödlichem Prostatakrebs bei Männern, die eine radikale Prostatektomie erhielten, stärker ausgeprägt war als bei Männern, die eine Strahlentherapie erhielten.
Sensitivitätsanalysen:
Sensitivitätsanalysen, die Männer ausschlossen, die innerhalb der ersten vier Jahre nach der Diagnose starben, verstärkten die Assoziationen. Bei Nie-Rauchern war die langfristige Gewichtszunahme in diesen Analysen deutlich mit einem erhöhten Risiko für ein tödliches Prostatakarzinom verbunden (HR 2,31, 95% CI, 1,35–3,98). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Gewichtszunahme eine Rolle bei der Entwicklung von Tumoren spielt, die eher zum Fortschreiten neigen.
Diskussion und Implikationen
Die Studienergebnisse legen nahe, dass langfristige Gewichtszunahme, insbesondere bei Männern, die nie geraucht haben und bereits im jungen Erwachsenenalter übergewichtig waren, mit einem erhöhten Risiko für ein tödliches Prostatakarzinom verbunden sein könnte. Diese Assoziation scheint nicht auf den BMI zum Zeitpunkt der Diagnose zurückzuführen zu sein, sondern vielmehr auf den Prozess der Gewichtszunahme selbst.
Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen könnten metabolische, hormonelle und entzündliche Faktoren umfassen. Übergewicht ist mit Veränderungen im Hormonhaushalt (z. B. Insulin, IGF-1, Testosteron) und einer chronischen Entzündung verbunden, die alle das Tumorwachstum und die Progression beeinflussen können. Die Tatsache, dass die Assoziationen bei Nie-Rauchern stärker waren, unterstreicht die Notwendigkeit, Störfaktoren wie Rauchen bei der Untersuchung dieser Zusammenhänge zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gewichtszunahme, die sich über Jahrzehnte vor der Diagnose erstreckt, für die Entwicklung eines tödlichen Prostatakarzinoms von Bedeutung sein könnte. Dies unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Gewichtsmanagements über die gesamte Lebensspanne hinweg.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie eine positive Assoziation zwischen langfristiger Gewichtszunahme und dem Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms bei Männern, die nie geraucht haben, aufdeckt. Während der BMI selbst zum Zeitpunkt der Diagnose nicht signifikant mit dem Überleben assoziiert war, scheinen die metabolischen Veränderungen, die mit einer Gewichtszunahme einhergehen, die Entwicklung von Prostatakarzinomen zu fördern, die eher zum Fortschreiten neigen. Weitere Forschung ist notwendig, um die genauen zeitlichen Zusammenhänge und zugrunde liegenden Mechanismen dieser komplexen Beziehung zu verstehen. Die Ergebnisse betonen die Bedeutung eines gesunden Lebensstils zur Prävention von Prostatakrebs-bedingten Todesfällen.

