Torsten Mattuschka: Ein Kult-Fußballer prägt 1. FC Union Berlin

Vor fünf Jahren beendete Torsten Mattuschka seine aktive Karriere beim 1. FC Union Berlin, doch sein Vermächtnis lebt weiter. Als Spieler, der offensive Genialität mit unermüdlichem Einsatz verband, gilt Mattuschka heute als einer der beliebtesten Akteure in der modernen Geschichte des Vereins. Geboren in Cottbus, trug er zwar auch das Trikot seines Heimatvereins Energie Cottbus, doch seine neun Jahre in Köpenick sicherten ihm einen festen Platz in den Herzen der Union-Fans.

“Tusche”, wie er liebevoll genannt wird, musste eigene Hürden überwinden, um im Stadion An der Alten Försterei aufzulaufen. Sein Weg zum Profifußball war steinig. Ernährung und Wochenend-Alkohol waren damals zweitrangig. Während seiner Malerlehre bestand sein Frühstück (und manchmal auch das Mittagessen) aus Currywurst. Obwohl er damals 98 Kilogramm wog, beeindruckten 100 Tore in 100 Spielen für den Siebtligisten Dissenchen Energie Cottbus, die ihn 2002 verpflichteten.

Im Alter von 24 Jahren wechselte Mattuschka zur Saison 2005/06 von Cottbus zum 1. FC Union Berlin. Sein Gewicht hatte sich um etwa ein Viertel reduziert, aber als Profifußballer standen andere Dinge im Vordergrund. Union Berlin war gerade zum zweiten Mal in Folge abgestiegen, diesmal aus der Regionalliga Nord in die Oberliga. Doch mit Mattuschkas frühem Einfluss in Köpenick – er erzielte in seiner ersten vollen Saison acht Tore – kehrte der Verein in die damalige dritthöchste Spielklasse Deutschlands zurück.

Ein Höhepunkt für den Spieler, bekannt als der „Kultkicker mit Bauch“, war der historische 8:0-Sieg gegen den Rivalen BFC Dynamo im August 2005. Bei 32 Grad Hitze im Stadion An der Alten Försterei dominierte Mattuschka das Spiel und brachte die Heimmannschaft noch vor der Pause mit zwei Toren in Führung. Diese Mannschaft, zu der auch der heutige Co-Trainer Sebastian Bönig und Stürmer Karim Benyamina gehörten, feierte eine überzeugende Dominanz über ihre ehemaligen DDR-Rivalen.

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Uwe Neuhaus ernannte Mattuschka 2010 zum Kapitän, als der Spieler nach einigen torarmen Jahren seine Torgefährlichkeit wiederentdeckte. Union, das sich inzwischen in der 2. Bundesliga etabliert hatte, brauchte einen Anführer auf dem Platz. Er bezauberte die Massen nicht durch Perfektion, sondern durch seine Verkörperung ehrlichen Fußballs. Die Anhänger erkannten seine Stärken und Schwächen, seine Ehrlichkeit und sein Engagement für den Verein. Damals war es eine Sache, die Romantik des Fußballs in einer sich schnell verändernden Arena zu bewahren. Union und “Tusche” passten einfach perfekt zusammen.

Einer seiner frühesten und bedeutendsten Beiträge als Kapitän war das Siegtor gegen Hertha BSC im Olympiastadion im Februar 2011, das bei den Union-Fans bis heute hoch im Kurs steht. In der 71. Minute trat Mattuschka zu einem Freistoß an, als das Spiel 1:1 stand. Mit einer seiner unkonventionellsten Aktionen wurde der Ball von ihm selbst ins Tor abgefälscht, vor den Augen von 20.000 Union-Anhängern. Tusche bezeichnete die Partie danach als den besten Moment seiner Karriere, scherzte aber auf seine eigene Art, dass es einer der schlechtesten Freistöße gewesen sei, die er je geschossen habe.

Sein Markenzeichen – der “Tusche-Kreisel” – wurde auf den Rängen von Union gefeiert. Er kontrollierte den Ball mit Balance und Eleganz, setzte sich gegen Gegenspieler durch und spielte präzise Pässe über 50-60 Meter. Wenn es darauf ankam, war Mattuschka zur Stelle und erzielte wichtige Tore, insbesondere nach Standardsituationen. Insgesamt erzielte “Tusche” in 281 Pflichtspielen 61 Tore und lieferte 62 Vorlagen – davon 42 Tore und 47 Assists in 171 Einsätzen in der zweithöchsten deutschen Spielklasse.

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Obwohl der Kultheld seine Spielerkarriere beendet hat, übt Mattuschka weiterhin Einfluss in der Hauptstadt aus. Seine Zukunft liegt im Trainerbereich, wo er als Co-Trainer beim Viertligisten VSG Altglienicke tätig ist. Dennoch tritt er weiterhin glanzvoll für die Altliga-Mannschaft von Union auf, mit der er im Januar 2018 den ersten AOK-Masters-Titel des Vereins gewann.

Und sein Lied lebt weiter fort:

Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann!

Torsten Mattuschka, du kannst was keiner kann!

Torsten Mattuschka, hau ihn rein für den Verein!