Der Jahreswechsel 2025 markiert für viele den Beginn eines bewussteren Konsums, und so auch für Thilo Knott, den Autor des WeinLetters. Mit dem “Dry January” im Fokus, widmet er sich in der 94. Ausgabe seines Newsletters einem Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt: alkoholfreie Alternativen zu Wein und Sekt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einem Produkt, das die Grenzen des Machbaren im Segment der alkoholfreien Getränke neu definieren will – French Bloom. Mit einem Preis von 109 Euro für die “La Cuvée Vintage” aus dem Jahrgang 2022, stellt sich die Frage: Hält der teuerste alkoholfreie Schaumwein der Welt, was er verspricht?
Die Anfänge und die Vision von French Bloom
French Bloom ist ein 2019 in Paris gegründetes Start-up, das sich der Herstellung hochwertiger alkoholfreier Schaumweine verschrieben hat. Die Gründerinnen, Maggie Frerejean-Taittinger und das Model Constance Jablonski, erkannten eine Marktlücke: Bei festlichen Anlässen fehlte eine adäquate, alkoholfreie Alternative zu Champagner. Diese Lücke zu schließen, war die treibende Kraft hinter der Gründung. Verstärkt durch Rodolphe Frerejean-Taittinger, Maggies Ehemann und Spross einer renommierten Champagnerfamilie, vereint French Bloom tiefgreifendes Wissen über die Herstellung von Schaumweinen mit dem Anspruch, ein Luxusprodukt ohne Alkohol zu schaffen.
Das Portfolio umfasst mittlerweile drei Produkte: “Le Blanc” und “Le Rosé”, die als Hybrid-Weine auf Chardonnay- bzw. Chardonnay- und Pinot-Noir-Basis konzipiert sind und eine Mischung aus französischem Quellwasser, Traubensaft und den jeweiligen entalkoholisierten Weinen darstellen. Diese positionieren sich im Premiumsegment um die 30 Euro. Ein weiterer Schritt in die Luxusliga ist die “La Cuvée Vintage” aus dem Jahrgang 2022. Sie besteht zu 100 Prozent aus entalkoholisiertem Chardonnay-Wein, verzichtet auf Quellwasser und setzt stattdessen auf natürliche Aromen und Traubenaromen.
Die Philosophie: Luxus und Genuss ohne Alkohol
Die Philosophie von French Bloom ist klar definiert: Die Verbindung von Gesundheit und Genuss. Die Gründerinnen legen Wert auf höchste Qualität und anspruchsvolle Inhaltsstoffe. “La Cuvée” ist vegan, halal, bio-zertifiziert, als “pregnancy friendly” ausgewiesen und zeichnet sich durch wenig Kalorien, den Verzicht auf Sulfite, Zusatzstoffe und Zuckerzusatz aus. Ziel ist es, ein alkoholfreies Getränk zu kreieren, das geschmacklich und in seiner Ausstrahlung mit Champagner konkurrieren kann – eine Vision, die auf dem Erbe und der Expertise von Champagner-Dynastien fußt.
Die Herstellung von “La Cuvée Vintage”
Die Entwicklung von “La Cuvée Vintage” war ein zweijähriger Prozess intensiver Forschung und technologischer Investitionen. Die Trauben für diesen exklusiven Schaumwein werden aus biologischem Anbau im Languedoc bezogen und zwei Wochen früher als üblich geerntet, um einen höheren Säuregehalt zu gewährleisten. Nach dem Pressen reift der Großteil des Chardonnay-Weins in neuen französischen Eichenfässern, der Rest in Edelstahltanks – eine Reifezeit von sechs Monaten. Der entscheidende Schritt ist die schonende, manuelle Entalkoholisierung in drei Durchgängen bei niedrigen Temperaturen, um den Alkoholgehalt zu eliminieren, ohne die Aromen zu beeinträchtigen. Ergänzt wird dies durch die Zugabe einiger natürlicher Aromen.
Der Geschmackstest: Ein vielschichtiges Erlebnis
Der erste Eindruck von “La Cuvée Vintage” ist vielversprechend. Er präsentiert sich mit nussigen und steinobstigen Noten, die Assoziationen an Marzipan und getrocknete Aprikosen wecken – eine komplexe und fordernde Struktur, die nicht flach oder lieblich wirkt. Bis hierhin erinnert er an ein erstaunlich gutes Schaumwein-Produkt, selbst bei geringer Kohlensäurezugabe.
Jedoch, so der Autor, folgt eine deutliche Säure-Kante, die die Aromen zu dominieren scheint und das Getränk in zwei Teile zerfallen lässt. Diese Erfahrung wirft die Frage auf, ob dies dem ersten Jahrgang geschuldet ist. Im Vergleich dazu wird der “Blanc de Blancs” als harmonischer und anspruchsvoller bewertet, obwohl er als Mix-Getränk auf Wasserbasis konzipiert ist und primär auf Trinkbarkeit ausgelegt ist. Dem “La Cuvée” wird eine Chance zur Weiterentwicklung eingeräumt, mit der Erwartung, dass er sich in den kommenden Jahren verbessern könnte.
Ökonomischer Erfolg und Marktstrategie
Die Investition von Moët Hennessy, der Getränkesparte des Luxuskonzerns LVMH, in French Bloom – 30 Prozent der Anteile im Herbst 2024 erworben – unterstreicht das wachsende Potenzial des alkoholfreien Segments. Philippe Schaus, CEO von Moet Hennessy, betont das Engagement, hochwertige alkoholfreie Produkte für Konsumenten anzubieten, die ihren Alkoholkonsum reduzieren möchten.
Interessanterweise hat sich die Zielgruppe von French Bloom als “Flexi-Trinker” oder “Low-Trinker” herauskristallisiert – Menschen, die ihren Konsum bewusst reduzieren, aber nicht gänzlich auf Alkohol verzichten. Dies steht im Kontrast zur ursprünglichen Annahme, vor allem Nicht-Trinker anzusprechen.
Erkenntnisse und Ausblick für den Weinmarkt
Die Verkostung von French Bloom liefert drei zentrale Erkenntnisse:
- Investition in den Markt: Trotz einer verunsicherten Weinbranche und eines veränderten Trinkverhaltens stellt der alkoholfreie Markt eine Chance dar. Flexi-Trinker konsumieren zwar insgesamt weniger Wein, eröffnen aber gleichzeitig die Nachfrage nach hochwertigen alkoholfreien Alternativen. Dies kann als Differenzierungsstrategie und Zeitgewinn für Winzer betrachtet werden.
- Marketing und Selbstbewusstsein: Die Positionierung von French Bloom im Luxussegment, inspiriert von der kulinarischen Kultur Frankreichs, ist ein beeindruckendes Marketingbeispiel. Im Gegensatz dazu scheinen deutsche alkoholfreie Sekte oft preislich unterhalb von Winzersekten angesiedelt zu sein, was Fragen nach der Qualität der Ausgangsprodukte oder der Verfahrenstechnik aufwirft. Ein höheres Selbstbewusstsein in der deutschen Weinbranche wäre wünschenswert.
- Internationalisierung als Chance: Mit einer Präsenz in 30 Ländern, vor allem in den USA und Frankreich, zeigt French Bloom das Potenzial der Internationalisierung. Angesichts des relativ geringen Konsums deutschen Weins in Deutschland könnte ein internationaler Fokus auch für deutsche Winzer von Bedeutung sein.
Die Erfahrungen mit alkoholfreiem Schaumwein sind vielfältig, und die Entwicklung dieses Segments bleibt spannend.

