Schon immer hat der Mensch eine besondere Beziehung zu Tieren gehabt. Doch welche Arten eignen sich eigentlich zur Domestikation und warum gibt es Unterschiede zwischen den Kontinenten? Dieser Artikel beleuchtet die Faszination der Tierzähmung und die kulturellen sowie natürlichen Faktoren, die dahinterstecken.
Die Grenzen der Domestikation – Eine Frage der Eignung?
Die Domestikation von Tieren ist ein komplexer Prozess, der weit über das bloße Halten von Wildtieren hinausgeht. Wie von Reinecke (Zitat nicht im Original vorhanden, wahrscheinlich aus einem externen Kontext) angemerkt, ist das reine Halten von Tieren noch keine Domestikation im eigentlichen Sinne. In Südamerika beispielsweise ist das Halten von Affen, Papageien und Tukanen weit verbreitet, doch diese Tiere haben nie den Grad der Zähmung erreicht, wie es bei den domestizierten Nutztieren Eurasiens der Fall ist. Besonders erstaunlich ist, dass Wildtiere wie Pekaris und Tapire, die ebenfalls in Amerika heimisch sind, nie stärker domestiziert wurden.
Wenn die Prägung auf den Menschen zum Problem wird
Von Hand aufgezogene Wildtiere entwickeln oft eine starke Fixierung auf den Menschen. Diese intensive Prägung kann dazu führen, dass sie Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen entwickeln. Sie können verhaltensgestört werden, was sich darin äußert, dass sie keine eigenen Jungen mehr aufziehen können oder kein Interesse an der Paarung mit ihrer eigenen Art zeigen. Dieses Phänomen verdeutlicht, dass nicht jedes in der Natur gefangene Tier automatisch zu einem Haustier wird, das sich erfolgreich fortpflanzen und in die menschliche Gesellschaft integrieren lässt.
Historische Beispiele der Tierhaltung
Auch in Europa war es bis vor etwa 100 Jahren durchaus üblich, einfach beliebige Tiere einzufangen und als Haustiere zu halten. Heimische Singvögel waren beispielsweise beliebte Haustiere, bevor sie durch Kanarienvögel und Sittiche abgelöst wurden. Selbst Raben wurden gezähmt. In ganz Europa wurden früher auch Braunbären als Tanzbären vorgeführt – eine Praxis, die zweifellos extreme Tierquälerei darstellte, aber auch die erstaunliche Fähigkeit des Menschen unter Beweis stellt, selbst gefährliche Raubtiere zu brechen und zu kontrollieren. Regional werden Fischotter auch in Indien als Jagdhelfer gehalten, was zeigt, dass die Nutzung von Tieren vielfältig ist.
Die Zähmung als Leistung des Menschen
Die Argumentation, dass es nur bestimmte Tierarten gibt, die sich zur Domestikation eignen, wie sie von Jared Diamond (nicht direkt im Text zitiert, aber als Quelle vermutet) vertreten wird, ist nicht uneingeschränkt schlüssig. Der Mensch hat es geschafft, eine bemerkenswerte Bandbreite an Tieren zu zähmen, darunter auch einige, die als besonders schwierig gelten.
Der Auerochse und das Wildschwein: Paradebeispiele
Eine der unglaublichsten Leistungen war sicherlich die Zähmung des Auerochsen. Dieses Wildrind war nicht nur sehr groß, sondern auch äußerst gefährlich. Selbst heute noch sind unkastrierte Hausstierbullen oft ziemlich aggressiv und zeigen ausgeprägtes Revierverhalten. Das Wildschwein hingegen gilt als das für den Menschen gefährlichste Wildtier, das heute noch in Deutschland vorkommt. Trotzdem ist es offensichtlich der Vorfahr des modernen Hausschweins, was die Anpassungsfähigkeit des Menschen und die Plastizität der Tierwelt unterstreicht.
Kulturelle Einflüsse auf die Tierdomestikation in Amerika
Auch in Amerika gibt es genügend Wildtiere, die sich prinzipiell gut zur Domestikation geeignet hätten. Dickhornschafe und Karibus unterscheiden sich nur geringfügig von ihren eurasischen Verwandten wie Mufflons oder Rentieren. Dennoch wurden sie von den indigenen Ureinwohnern nicht domestiziert. Mittlerweile gibt es jedoch in den USA und auch in Europa größere Farmen, die sich auf die Haltung von Bisons spezialisiert haben. Selbst Moschusochsen werden seit einiger Zeit erfolgreich zur Wollproduktion auf Farmen gezüchtet.
Der Schlüssel liegt in der Kultur
Es liegt die Vermutung nahe, dass der Grund für die geringere Anzahl an Haustierarten in Amerika weniger in der dortigen Natur als vielmehr in der Kultur begründet ist. In Eurasien haben Menschen im Laufe der Jahrtausende eine beeindruckende Vielfalt an Tieren gezähmt. Die Liste der domestizierten Tiere ist beachtlich, wenn man auch die Arten hinzunimmt, die heute keine oder nur noch eine geringe wirtschaftliche Bedeutung haben, wie der Gayal, das Bali-Rind, die Lachtaube oder der Pfau. Diese kulturelle Entwicklung und die daraus resultierenden Praktiken und Kenntnisse scheinen einen entscheidenden Unterschied gemacht zu haben.
Die Fähigkeit des Menschen, Tiere zu zähmen, ist ein faszinierendes Zusammenspiel von biologischer Eignung, menschlicher Notwendigkeit und kultureller Entwicklung. Entdecken Sie die Vielfalt der deutschen Tierwelt und ihre historischen Verbindungen zur menschlichen Zivilisation auf Ihrer Reise durch Deutschland.

