Das Streben nach einem gesunden Körpergewicht ist für viele Menschen eine ständige Herausforderung. Zahllose Diäten versprechen schnelle Erfolge, doch oft bleiben die Ergebnisse nur von kurzer Dauer. Die Stoffwechseldiät, entwickelt von der Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski, bietet hier einen innovativen Ansatz. Sie basiert nicht auf starren Regeln, sondern auf einer individuellen Analyse des persönlichen Stoffwechsels, um einen maßgeschneiderten Ernährungsplan zu erstellen, der Hungergefühle vermeidet und langfristige Stabilität ermöglicht. “Was Sie essen müssen, um 90 Kilo stabil zu halten, müssen Sie auch essen, um 70 Kilo stabil zu halten”, betont Kielkowski, denn ihr Ziel ist es, eine nachhaltige Veränderung im Leben ihrer Patienten zu bewirken, anstatt nur eine weitere kurzlebige Diät anzubieten.
Wenn der Stoffwechsel aus dem Takt gerät
Ein wesentlicher Faktor, der den Stoffwechsel beeinträchtigt, sind wiederholte Diätversuche. Diese können den Körper in einen sogenannten “Hungerstoffwechsel” zwingen. Dabei lernt der Körper, mit knappen Energieressourcen sparsam umzugehen und Kalorien effizient in Fettdepots einzulagern – ein evolutionärer Schutzmechanismus für Zeiten geringer Nahrungsverfügbarkeit. Professor Knut Mai, Stoffwechselexperte an der Berliner Charité, erklärt, dass dieser Schutzmechanismus bei übergewichtigen Menschen, die ständig eine gute Energieversorgung haben, kontraproduktiv wirkt. Ein chronisch überlasteter Stoffwechsel reduziert seine Energieeffizienz und greift vermehrt auf Muskelmasse statt auf Fettreserven zurück. Das Ergebnis ist oft ein hoher Körperfettanteil bei gleichzeitig geringer Muskelmasse, was den Grundumsatz weiter senkt. Ein gesunder Stoffwechsel hingegen versorgt den Körper bedarfsgerecht mit Energie, zuerst aus der Nahrung und dann aus den Fettdepots.
Stoffwechselstörungen und die Schilddrüse
Eine wichtige Ursache für einen trägen Stoffwechsel ist die Schilddrüsenunterfunktion. Betroffene leiden oft unter Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Gewichtszunahme. Bevor eine Diät wie die Stoffwechseldiät begonnen wird, ist es unerlässlich, eine Schilddrüsenunterfunktion ärztlich abklären und behandeln zu lassen, typischerweise durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen.
Die Stoffwechseldiät: Ein individueller Ernährungsplan
Die Stoffwechseldiät beginnt mit einer präzisen Analyse. Mittels Verfahren wie der Bioimpedanzanalyse, die Körperfett, Wasser, Muskel- und Knochenmasse misst, oder der Spirometrie, die den Grundumsatz und die Energiequellen des Körpers ermittelt, wird ein individuelles Profil erstellt. Ergänzt wird dies durch einen ausführlichen Anamnesebogen und ein Ernährungsprotokoll. Auf Basis dieser Daten wird ein persönlicher Ernährungsplan entwickelt.
Die Aufbauphase: Kohlenhydrate als Energiequelle
Der erste Schritt der Stoffwechseldiät ist die “Aufbauphase”. Ziel ist es, den trägen Stoffwechsel wieder zu aktivieren. Dies geschieht durch den Verzehr vollwertiger Kohlenhydrate wie Vollkornbrot, Kartoffeln, Reis und Nudeln. Ein Großteil der Kohlenhydrate sollte bis etwa 14 Uhr aufgenommen werden, da der Körper tagsüber den höchsten Energiebedarf hat. Dies unterstreicht die Bedeutung des Zeitpunkts der Nahrungsaufnahme.
Am Abend liegt der Fokus auf proteinreichen Lebensmitteln wie magerem Fleisch, Fisch, Tofu oder Milchprodukten. Die Dauer der Aufbauphase variiert individuell und wird durch regelmäßige Stoffwechselmessungen überwacht.
Die Reduktionsphase: Fettabbau ohne Hunger
Sobald der Stoffwechsel wieder aktiver ist, beginnt die “Reduktionsphase”. Die Ernährung wird weiterhin proteinreich gestaltet, wobei morgens noch eine kleine Menge Kohlenhydrate erlaubt ist. Diese Phase ist mit einer Kalorienreduktion verbunden, die für die Gewichtsabnahme notwendig ist. Die Portionsgrößen bleiben jedoch so bemessen, dass kein Hungergefühl aufkommt, um den “Hungerstoffwechsel” zu vermeiden.
Bewegung als Schlüsselkomponente
Bewegung spielt eine zentrale Rolle in der Stoffwechseldiät, vorzugsweise in Form von Ausdauersport. Regelmäßige, einstündige Einheiten, wie zügiges Gehen, Radfahren, Joggen oder Schwimmen, werden empfohlen. Von Krafttraining wird bei einem inaktiven Stoffwechsel abgeraten. Ernährungsmedizinerin Kielkowski erklärt, dass bei Personen mit einem gestörten Fettstoffwechsel Kraftsport paradoxerweise zu einem Muskelabbau führen kann, da der Körper statt auf Fettreserven auf Muskelmasse zurückgreift. Ausdauersport hingegen fördert den Muskelaufbau und die Fettverbrennung.
Ein Lebensstil, der Bestand hat
Die Stoffwechseldiät ist mehr als nur eine kurzfristige Diät; sie ist eine umfassende Umstellung des Lebensstils. Eine der größten Hürden für viele ist die Aufnahme von Kohlenhydraten bis zum Nachmittag, da viele Menschen dazu neigen, die Hauptmahlzeit am Abend zu legen. Langfristig berichten viele Teilnehmer jedoch von einem gesteigerten Hungergefühl am Morgen und Mittag, was die Einhaltung des Ernährungsplans erleichtert. Eine gewisse Planung der Mahlzeiten und die Integration von Bewegung in den Alltag sind entscheidend für den Erfolg.
Erfolg und individuelle Anpassung
Der Erfolg der Stoffwechseldiät hängt maßgeblich von der individuellen Anpassungsfähigkeit und dem langfristigen Engagement ab. Sie ist möglicherweise nicht für jeden der geeignete Weg zum Wunschgewicht. Positiv hervorzuheben ist, dass der Ansatz nicht pauschal davon ausgeht, dass Übergewicht allein auf zu viel Essen oder zu wenig Bewegung zurückzuführen ist. Vielmehr berücksichtigt er die Komplexität von Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Stresslevel, Schlafqualität und psychischem Wohlbefinden.
Experten und Buchempfehlungen:
- Daniela Kielkowski: Ernährungsmedizinerin (www.daniela-kielkowski.de)
- Prof. Knut Mai: Stoffwechselexperte an der Charité Berlin (endokrinologie.charite.de)
- Buchtipp: “Gute Carbs, warum Sie sich nicht vor Brot und Nudeln fürchten müssen” von Uwe Knop (2017)
- Buchtipp: “Das egoistische Gehirn, warum unser Kopf Diäten sabotiert und gegen den eigenen Körper kämpft” von Achim Peters (2011)
Die Stoffwechseldiät bietet einen wissenschaftlich fundierten und individuell angepassten Ansatz, um Stoffwechselprobleme anzugehen und langfristig ein gesundes Körpergewicht zu erreichen.

