Ein Stinktier als Familienmitglied: Diesel reist mit seinen Menschen

Wenn man an exotische Haustiere denkt, kommen einem oft bunte Papageien oder schuppige Schlangen in den Sinn. Doch die Familie Gage hat sich für etwas gänzlich Ungewöhnliches entschieden: ein Stinktier namens Diesel. Entgegen aller Klischees ist Diesel kein stinkender Quälgeist, sondern ein geliebtes Familienmitglied, das sogar mit auf Reisen geht. In diesem Artikel beleuchten wir das ungewöhnliche Leben von Diesel und seiner Familie und blicken auf die Haltung solcher Exoten in Deutschland.

Diesel: Ein Stinktier ohne Stinkdrüsen

Der Name “Diesel” mag zunächst unheilvoll klingen, doch die Sorge vor unangenehmen Geruchsexplosionen ist unbegründet. Diesel besitzt keine Stinkdrüsen mehr, da diese in Amerika, seiner Heimat, bei Zuchttieren oft entfernt werden. Dies geschieht, um sie besser als Haustiere halten zu können und um mögliche Verteidigungsangriffe bei der Abgabe von Jungtieren zu vermeiden. Sein natürlicher Eigengeruch sei sogar angenehm, so sein Herrchen Gage. Die Entfernung der Stinkdrüsen ist in Deutschland zwar tierschutzrechtlich problematisch und nur aus medizinischen Gründen erlaubt, doch in Amerika, dem Ursprungsland der Skunks, gibt es sogar spezielle Stinktierfarmen, die diese Tiere für die private Haltung züchten. Von einer solchen Farm hat Gage Diesel adoptiert.

Ein vollwertiges Familienmitglied

Für Gage, seine Frau und ihre beiden Kinder ist Diesel weit mehr als nur ein Haustier. Er ist ein integraler Bestandteil der Familie, kuschelt gerne mit den Kindern und ist stets dort, wo sich der Rest der Familie aufhält. Auch Urlaubsreisen sind für ihn kein Problem, solange sie mit dem Auto unternommen werden. Die Gages sind offen und fragen in Hotels stets nach, ob ihr Haustier mitgebracht werden darf. Oftmals wird nicht nachgefragt, um welche Art von Tier es sich handelt, und so sorgt die Ankunft eines Stinktiers statt eines erwarteten Hundes regelmäßig für überraschte, aber meist freundliche Reaktionen.

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Einzigartige Persönlichkeit und Haltung

Diesel verhält sich anders als ein Hund. Spaziergänge, wie man sie mit einem Hund unternimmt, sind mit ihm nicht möglich, da er nicht von sich aus folgen würde. Auch das Trainieren von Tricks ist bei Stinktieren eher schwierig; sie ähneln in ihrem Verhalten eher Katzen. Gage, der schon als Jugendlicher von Stinktieren fasziniert war, weil ihn andere Haustiere als “zu langweilig” empfand, weiß um die besonderen Qualitäten dieser Tiere als Gefährten. Seine Kinder beschreiben Diesel als “süß, weich, nett, anders und er versteckt sich gerne überall”. Er klaut auch gerne Essen vom Tisch, wie Tochter Remington schmunzelnd anmerkt. Für die eher schüchternen Kinder ist Diesel zudem ein hervorragendes Gesprächsthema und hilft ihnen indirekt dabei, Kontakte zu knüpfen. Überraschenderweise ist die Haltung eines Stinktiers auch kostengünstiger als die eines Hundes oder einer Katze.

Behördliche Skepsis gegenüber exotischen Haustieren

Während die Haltung von Stinktieren in Deutschland grundsätzlich nicht verboten ist, wird das Entfernen der Duftdrüsen rechtlich kritisch gesehen und ist nur bei medizinischer Notwendigkeit gestattet. Das Tierschutzrecht stellt keine spezifischen Anforderungen an die Haltung von Skunks als Haustiere, und amtstierärztliche Gutachten sind entscheidend für die Beurteilung. Leider gibt es keine Registerpflicht für exotische Heimtiere, weshalb die genaue Anzahl von Tieren wie Stinktieren im Kreis Böblingen nicht erfasst werden kann. Das zuständige Veterinäramt äußert sich generell kritisch zur Haltung exotischer Tiere, auch wenn es Ausnahmen von Tierhaltern mit herausragenden Kenntnissen und besten Haltungsbedingungen gibt.

Rücksichtnahme und Zukunftspläne

Mittlerweile ist Diesel zwei Jahre alt und lebt seit zwei Jahren mit seiner Familie in Deutschland. Gage, ein Militärpsychologe, ist für drei Jahre in der Region stationiert. Wenn seine Dienstzeit endet, wird die Familie in die USA zurückkehren – selbstverständlich mit Diesel im Gepäck. Gage ist sich bewusst, dass die Haltung von Stinktieren nicht überall in Amerika erlaubt ist, aber er versichert, dass sich die Familie nur dort niederlassen wird, wo Diesel willkommen ist und bleiben darf. Das Wohl ihres ungewöhnlichen, aber geliebten Familienmitglieds steht für sie an erster Stelle.

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