Während der Schwangerschaft können vielfältige Beschwerden auftreten. Einige davon sind harmlos, andere bedürfen jedoch ärztlicher Aufmerksamkeit. Das HELLP-Syndrom zählt zu den letzteren und stellt eine ernstzunehmende Komplikation dar, die sowohl für die Mutter als auch für das Kind lebensbedrohlich sein kann. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen, Behandlungsmethoden und möglichen Spätfolgen dieses Syndroms.
Was genau ist das HELLP-Syndrom?
Das HELLP-Syndrom ist die schwerste Form einer Schwangerschaftsvergiftung, auch Präeklampsie genannt. Es tritt zwar nur selten auf, birgt jedoch erhebliche Risiken. Der Name ist ein Akronym, das die drei Hauptmerkmale beschreibt:
- Hämolyse (HE): Dies bezeichnet die Auflösung roter Blutkörperchen, was zu einer Verringerung der Sauerstoffversorgung des Körpers führt.
- Elevated liver enzymes (EL): Erhöhte Leberwerte deuten auf eine Funktionsstörung der Leber hin.
- Low platelet count (LP): Eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) beeinträchtigt die Blutgerinnung und erhöht das Risiko von Blutungen.
Diese drei Faktoren treten in Kombination auf und können zu einer Kaskade von gesundheitlichen Problemen führen.
Erkennen der Symptome: Eine Herausforderung
Die Diagnose des HELLP-Syndroms ist oft schwierig, da die Symptome denen anderer Erkrankungen, wie beispielsweise einer Magen-Darm-Grippe, ähneln können. Eine definitive Diagnose kann nur durch eine Blutuntersuchung gestellt werden. Typischerweise manifestieren sich die Symptome im letzten Schwangerschaftsdrittel, können aber auch erst nach der Geburt auftreten. Zu den häufigsten Anzeichen zählen:
- Starke Schmerzen im Oberbauch
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Erhöhter Blutdruck
- Starke Wassereinlagerungen (Ödeme)
- Nasenbluten
- Sehstörungen
- Anhaltende Kopfschmerzen
Es ist wichtig, bei plötzlichem Auftreten dieser Symptome umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sich der Zustand des Körpers rapide verschlechtern kann. Etwa 20 Prozent der betroffenen Frauen entwickeln die Symptome erst nach der Entbindung, weshalb eine aufmerksame Nachsorge unerlässlich ist.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen des HELLP-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, erhöhen:
- Vorherige Schwangerschaft mit HELLP-Syndrom: Ein erhöhtes Risiko für zukünftige Schwangerschaften.
- Alter der Mutter: Frauen über 25 Jahre haben ein höheres Risiko.
- Mehrlingsschwangerschaften: Das Risiko steigt bei Zwillingen oder Mehrlingen.
- Vorerkrankungen: Chronischer Bluthochdruck oder Diabetes mellitus können prädisponieren.
- Künstliche Befruchtung: Eingriffe in den Hormonhaushalt können das Risiko beeinflussen.
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering erscheint, ist es entscheidend, die Symptome ernst zu nehmen.
Lebensgefahr für Mutter und Kind
Die Folgen des HELLP-Syndroms können gravierend sein. Für das ungeborene Kind besteht die Gefahr einer vorzeitigen Plazentalösung, was zu Sauerstoffmangel und Lebensgefahr führt. Für die Mutter können lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Leberruptur, Nierenversagen oder Hirnblutungen auftreten.
Behandlung des HELLP-Syndroms
Eine frühzeitige Erkennung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, bei denen Blutdruck, Gewicht und Urin überwacht werden, sind essenziell. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Schwangerschaft:
- Nach der 34. Schwangerschaftswoche: Die Geburt wird in der Regel eingeleitet.
- Vor der 32. Schwangerschaftswoche: Die Entbindung wird hinausgezögert, um die Lungenreifung des Kindes zu fördern. Medikamente können eingesetzt werden, um den Blutdruck und die Blutgerinnung zu stabilisieren.
In vielen Fällen ist ein Notkaiserschnitt die einzige Möglichkeit, das Leben von Mutter und Kind zu retten. Die Geburt allein bekämpft das HELLP-Syndrom jedoch nicht; eine umfassende Nachsorge ist unerlässlich.
Mögliche Spätfolgen
Zu den häufigsten Spätfolgen zählt eine anhaltende Leberfunktionsstörung. Ein extremer Fall ist ein Leberriss, der sofortige notärztliche Behandlung erfordert. Auch eine gestörte Blutgerinnung kann bestehen bleiben, was zu Gefäßverschlüssen und einer Minderversorgung von Organen führen kann.
Vorbeugende Maßnahmen und Empfehlungen
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die konsequente Einhaltung aller Vorsorgetermine. Bei dem geringsten Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden. Zusätzlich können folgende Maßnahmen das Risiko reduzieren:
- Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um Nährstoffmängel vorzubeugen.
- Stressvermeidung zur Schonung des Hormonhaushalts.
- Gegebenenfalls die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente nach ärztlicher Verordnung.
Wir wünschen Ihnen eine gesunde und unbeschwerte Schwangerschaft.
Bitte beachten Sie, dass diese Informationen keine medizinische Diagnose ersetzen. Lassen Sie sich stets von Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Hebamme beraten.

