Der Toyota RAV4, seit jeher ein Synonym für Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit im Segment der Kompakt-SUVs, wagt sich mit der Einführung des GR Sport Modells auf neues Terrain. Während die Gazoo Racing (GR)-Abteilung von Toyota in den USA primär für reinrassige Performance-Fahrzeuge wie den GR Corolla, GR Supra und GR86 bekannt ist, repräsentiert der RAV4 GR Sport eine subtilere, aber dennoch spürbare Annäherung an sportlicheres Fahren, inspiriert von den M-Modellen von BMW und den S-Varianten von Audi. Ziel ist es, einem breiten Publikum mehr Fahrspaß zu bieten, ohne dabei die Kernzielgruppe zu verprellen.
Die technische Brücke zur Leistung
Unter der Haube des RAV4 GR Sport schlägt das stärkste Herz der RAV4-Familie: ein Plug-in-Hybrid-System. Dieses kombiniert einen 2,5-Liter-Saugmotor mit drei Elektromotoren und einem stufenlosen Getriebe (ECVT), um eine beeindruckende Systemleistung von 324 PS zu erzielen – ein Zuwachs von 22 PS gegenüber dem bisherigen PHEV-Modell. Die rein elektrische Reichweite von 48 Meilen (ca. 77 km) ist beachtlich, auch wenn sie durch die aerodynamischere Auslegung und das sportlichere Fahrwerks- und Reifenpaket des GR Sportmodells leicht reduziert wird. Die 22,7-kWh-Batterie ist das Herzstück dieses effizienten Antriebsstrangs.
Fahrdynamik im Fokus
Toyota hat den GR Sport gezielt im Bereich Fahrwerk und Handling optimiert. Steifere Federn und straffer abgestimmte Dämpfer, exklusiv für GR Sport entwickelt, senken die Karosserie um 0,6 Zoll (ca. 1,5 cm) ab. Serienmäßig rollt der GR Sport auf 20-Zoll-Rädern mit Dunlop Sport Maxx Sommerreifen, wobei auf Wunsch auch Ganzjahresreifen verfügbar sind. Zusätzliche Maßnahmen wie eine Verstärkung des hinteren Fahrwerksquerträgers, eine spezifische Abstimmung der Servolenkung, neue Bremsenbelüftungen und eine modifizierte Frontlippe sowie ein Heckspoiler unterstreichen den sportlichen Anspruch.
Diese Modifikationen machen sich bereits auf den ersten Kilometern bemerkbar. Die Fahrwerksabstimmung ist direkter und vermittelt dem Fahrer ein klareres Bild der Fahrbahnbedingungen, ohne dabei unkomfortabel zu wirken. Im Grenzbereich rollt die Karosserie zwar spürbar, doch das Fahrzeug bleibt dank der Sommerreifen und des strafferen Fahrwerks gut beherrschbar. Die unerwartet hohe Kurvengeschwindigkeit auf engen Autobahnauffahrten sorgt für Fahrspaß, der in einem SUV dieser Klasse nicht unbedingt erwartet wird.
Ein Kompromiss bleibt jedoch der Antriebsstrang. Während die Leistung für zügiges Vorankommen ausreicht, fehlt es dem System an emotionaler Beteiligung. Die Beschleunigung wird von einem eher rauen Vierzylinder-Klang begleitet, und das ECVT-Getriebe, das unter Volllast die Drehzahlen bei etwa 6.000 U/min hält, bietet wenig Abwechslung. Die Schaltwippen simulieren zwar einen echten Gangwechsel durch Rekuperation und Motorbremse beim Herunterschalten, was beim Verzögern vor Kurven gut funktioniert, doch auf der Auslassphase mangelt es an Dynamik.
Dennoch positioniert sich der RAV4 GR Sport als ernstzunehmende Alternative für Fahrer, die einen sportlicheren Mazda CX-5 oder CX-50 suchen, aber die Praktikabilität eines SUVs schätzen.
Alltagstauglichkeit und Komfort
Toyota hat den RAV4 in vielen Bereichen aufgewertet, was sich positiv auf das Fahrgefühl auswirkt. Die Geräuschdämmung wurde verbessert, sowohl der Motorklang bei normaler Beschleunigung als auch Wind- und Abrollgeräusche bei Autobahngeschwindigkeit sind deutlich gedämpfter. Optisch präsentiert sich der GR Sport mit einer maskulineren Linienführung und einer höheren Frontpartie, die für eine präsente Straßenlage sorgt. Die Sicht nach allen Seiten ist dank hoher Fenster und einer guten Sitzposition ausgezeichnet.
Das Interieur wird durch eine zweifarbige schwarz-rote Lederausstattung, Wildledersitze, rote Kontrastnähte und Aluminium-Sportpedale aufgewertet. Dennoch könnte das Armaturenbrett mehr GR-spezifische Designelemente vertragen, um sich deutlicher vom Standardmodell abzuheben.
Herzstück des Infotainmentsystems ist der 12,9-Zoll-Touchscreen mit Toyotas neu gestaltetem Audio Multimedia-System. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind Standard. Die Bedienung ist reaktionsschneller und intuitiver geworden, mit einer verbesserten Sprachsteuerung und einer vertrauten Menüstruktur. Das 12,3-Zoll-Digitaldisplay hinter dem Lenkrad ist hochgradig individualisierbar und ziert sogar ein kleines GR-Logo.
Bei der Praktikabilität gibt es kaum Kompromisse. Der Kofferraum und der Platz im Fond entsprechen dem Standardmodell. Die Bodenfreiheit reduziert sich leicht auf 7,5 Zoll (ca. 19 cm), was angesichts der sportlichen Auslegung ein akzeptabler Verlust ist. Das Fahren im Elektromodus ist dank des zusätzlichen Drehmoments des GR Sport Modells dynamischer als beim Vorgänger. Eine Schnellladefunktion für Gleichstrom (DC) wird jedoch nicht angeboten.
Kaufempfehlung
Die Preisgestaltung für die RAV4-Baureihe steht noch aus, doch der GR Sport dürfte preislich nahe an der Top-Ausstattungsvariante Limited angesiedelt sein. Mit einem erwarteten Preis um die 50.000 US-Dollar ist er zwar eine teure Variante des RAV4, bewegt sich aber im Rahmen des durchschnittlichen Neupreisniveaus. Potenzielle Käufer sollten auch Alternativen wie den Mazda CX-5 Turbo oder den Honda CR-V Hybrid in Betracht ziehen, da alle in einer ähnlichen Nische angesiedelt sind: interessant, aber nicht explizit sportlich.
Der RAV4 GR Sport ist ein kluger erster Schritt von Toyota, die GR-Marke zu etablieren, auch wenn fraglich ist, ob er Käufer zu den reinrassigen GR-Modellen führt. Dennoch ist es positiv zu sehen, dass Toyota einem Kernmodell wie dem RAV4 eine dynamischere Persönlichkeit verleiht.
Highlights und Lowlights
Wir lieben:
- Die sofort erkennbare GR-Optik.
- Der leistungsstarke PHEV-Antrieb, auch wenn Klang und Anlieferung eher unspektakulär sind.
- Verbesserte Handling-Performance mit geringen Abstrichen beim Fahrkomfort.
Wir mögen nicht:
- Das ECVT-Getriebe bleibt eine Schwachstelle im Fahrerlebnis.
- Toyota hätte die sportliche Abgrenzung zu anderen RAV4-Varianten stärker ausspielen können.
- Das Interieur könnte mehr GR-Charakter vertragen.
Liebstes Detail:
Der kleine Heckspoiler am Heck des RAV4 GR Sport ist ein charmantes Detail. Obwohl ein Spoiler an einem RAV4 nicht zwingend notwendig ist, verleiht er dem GR Sport eine spielerische Note. Toyota gibt an, dass die Aerodynamik funktional ist und bei hohen Geschwindigkeiten den Auftrieb reduziert. Ein gelungener Spaßfaktor.
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