Speichelsteine, medizinisch als Sialolithen bezeichnet, sind kleine, meist kalkhaltige Ablagerungen, die sich in den Gängen der Speicheldrüsen bilden können. Diese Verstopfungen können zu schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen der Speicheldrüsen führen, insbesondere während der Nahrungsaufnahme, wenn die Speichelproduktion angeregt wird. Obwohl Speichelsteine relativ selten sind und in der Regel keine lebensbedrohliche Gefahr darstellen, ist es wichtig, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu verstehen. Dieser Artikel beleuchtet das Thema Speichelstein umfassend aus der Perspektive eines deutschen Gesundheitsexperten.
Was sind Speichelsteine und wie entstehen sie?
Speichelsteine sind Konkremente, die sich in den Ausführungsgängen der drei Hauptspeicheldrüsenpaare des Menschen bilden: den Ohrspeicheldrüsen (Glandula parotis), den Unterkieferspeicheldrüsen (Glandula submandibularis) und den Unterzungenspeicheldrüsen (Glandula sublingualis). Die genauen Ursachen für die Entstehung von Speichelsteinen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine Kombination aus Faktoren eine Rolle spielt.
Die Speicheldrüsen produzieren täglich bis zu 1,5 Liter Speichel, der zu 99 Prozent aus Wasser besteht und weitere Bestandteile wie Enzyme und Mineralien wie Magnesium, Natrium, Kalium und Kalziumphosphat enthält. Diese Mineralien können sich mit Proteinen verbinden und so winzige Steinchen, die sogenannten Konkremente, bilden. Über Monate oder Jahre hinweg können diese Steine wachsen und die Speichelgänge verstopfen.
Besonders häufig entstehen Speichelsteine im Bereich der Unterkieferspeicheldrüsen (etwa 83 Prozent der Fälle). Dies liegt zum Teil daran, dass die Ausführungsgänge dieser Drüsen länger sind und der Speichelfluss bergauf erfolgen muss, was den Abtransport erschwert. Zudem ist der Speichel aus den Unterkieferspeicheldrüsen tendenziell etwas zäher.
Risikofaktoren für die Entstehung von Speichelsteinen
Mehrere Faktoren können die Bildung von Speichelsteinen begünstigen:
- Mundtrockenheit (Xerostomie): Eine verringerte Speichelproduktion erschwert den Abtransport von Mineralien und erhöht das Risiko für Steinbildung. Mundtrockenheit kann durch vermehrtes Atmen durch den Mund (z.B. bei Erkältungen oder Allergien), unzureichende Flüssigkeitszufuhr oder bestimmte Medikamente verursacht werden.
- Medikamenteneinnahme: Zahlreiche Medikamente können die Speichelproduktion hemmen. Dazu gehören Diuretika (entwässernde Mittel), Antihistaminika (gegen Allergien), Schmerzmittel und Psychopharmaka.
- Schlechte Mundhygiene: Eine unzureichende Zahnpflege kann Entzündungen im Mundraum fördern, die indirekt zur Steinbildung beitragen können.
- Rauchen: Tabakkonsum wird ebenfalls als Risikofaktor diskutiert.
- Verengungen der Speichelgänge (Stenosen): Angeborene Verengungen oder solche, die durch Entzündungen (z.B. Mumps) oder Verletzungen entstanden sind, können den Speichelfluss behindern.
- Bestimmte Krankheiten: Erkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung, die zu Trockenheit von Augen und Mund führt, können ebenfalls eine Rolle spielen.
Symptome von Speichelsteinen und Speicheldrüsenentzündungen
Kleine Speichelsteine verursachen oft keine spürbaren Beschwerden und bleiben unbemerkt. Erst wenn ein Stein so groß wird, dass er den Speichelfluss blockiert, treten Symptome auf.
Typische Symptome eines Speichelsteins:
- Schwellung der betroffenen Speicheldrüse: Je nach Lage der Drüse kann die Schwellung im Bereich der Ohren, Wangen oder unter der Zunge auftreten.
- Schmerzen: Die Schmerzen verstärken sich typischerweise während des Essens, da die Nahrungsaufnahme die Speichelproduktion anregt und der Speichel sich hinter dem blockierten Gang staut. Die Schmerzen können sehr stark werden.
Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis): Komplikationen
Wenn Bakterien in die verstopften Gänge eindringen, kann es zu einer schmerzhaften Speicheldrüsenentzündung kommen. Die Symptome einer Sialadenitis sind oft intensiver und umfassen:
- Starke Schwellung und Rötung der betroffenen Drüse.
- Starke Schmerzen, die auch im Ruhezustand bestehen können.
- Einschränkungen der Kieferbeweglichkeit.
- Schluckbeschwerden.
- Fieber.
- Eiterbildung: In manchen Fällen bilden sich Abszesse, aus denen Eiter austreten kann.
- Mundgeruch: Entzündungsprozesse im Mundraum können zu unangenehmem Geruch führen.
In seltenen und schweren Fällen kann eine unbehandelte Speicheldrüsenentzündung zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen, wenn die Infektion in die Blutbahn gelangt.
Es ist wichtig zu betonen, dass Speichelsteine keine Tumoren sind. Speicheldrüsentumoren sind ein anderes Krankheitsbild, das einer gesonderten Diagnose und Behandlung bedarf.
Diagnose und Untersuchung von Speichelsteinen
Die Diagnose von Speichelsteinen erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte und Symptome) und einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt kann die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen abtasten, um Verhärtungen oder Steine zu ertasten. Um den Speichelfluss anzuregen und die Tastbarkeit zu verbessern, kann ein saures Pulver verabreicht werden.
Zur weiteren Abklärung und Sicherung der Diagnose eignen sich bildgebende Verfahren:
- Ultraschall (Sonographie): Dies ist eine der gängigsten und effektivsten Methoden zur Darstellung von Speichelsteinen.
- Röntgen: Kann ebenfalls zur Darstellung von Steinen eingesetzt werden, insbesondere wenn sie verkalkt sind.
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT): Diese Verfahren werden in der Regel nur in speziellen Fällen oder bei Verdacht auf Komplikationen eingesetzt.
- Sialendoskopie: Eine spezialisierte Untersuchung, bei der ein sehr dünnes Endoskop (Speichelgang-Endoskop) in den Speichelgang eingeführt wird, um den Stein direkt zu visualisieren und gegebenenfalls zu entfernen.
Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von Speichelsteinen sind in erster Linie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (HNO-Ärzte), die über die entsprechende Expertise und technische Ausstattung verfügen.
Behandlung von Speichelsteinen
Die Behandlung von Speichelsteinen richtet sich nach der Größe und Lage des Steins sowie dem Vorhandensein von Komplikationen wie Entzündungen.
Selbsthilfe und Hausmittel
Bei kleinen Speichelsteinen können oft konservative Maßnahmen erfolgreich sein:
- Anregung des Speichelflusses: Das Essen von sauren Bonbons, das Trinken von ausreichend Flüssigkeit oder das Riechen an Lieblingsspeisen kann die Speichelproduktion anregen und den Stein möglicherweise aus dem Gang spülen.
- Massage: Eine sanfte Massage der betroffenen Speicheldrüse kann helfen, den Stein aus dem Gang zu drücken. Dies sollte vorsichtig erfolgen, um keine Verletzungen zu verursachen.
Ärztliche Behandlungsmethoden
Wenn Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichen oder die Steine größer sind, kommen ärztliche Interventionen zum Einsatz:
- Speichelgang-Endoskopie (Sialendoskopie): Dies ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem ein dünner Schlauch mit einer Kamera in den Speichelgang eingeführt wird. Über diesen Kanal können kleine Steine direkt entfernt oder größere Steine zertrümmert werden.
- Stoßwellenlithotripsie (SWL): Ähnlich wie bei Nierensteinen können Speichelsteine mittels extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL) von außen durch Stoßwellen zertrümmert werden. Die kleineren Fragmente können dann leichter ausgeschieden werden.
- Chirurgische Entfernung: In seltenen Fällen, insbesondere bei sehr großen oder tief liegenden Steinen, kann eine offene chirurgische Entfernung des Steins notwendig sein. Dies ist jedoch heutzutage eher die Ausnahme.
- Antibiotika: Bei begleitenden Speicheldrüsenentzündungen werden Antibiotika verschrieben, um die bakterielle Infektion zu bekämpfen und Komplikationen zu vermeiden.
Prognose und Prävention
Speichelsteine sind in der Regel gutartig und lassen sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung minimieren das Risiko von Komplikationen. Speichelsteine lösen sich nicht von selbst auf; eine Intervention ist daher meist notwendig, wenn Symptome auftreten.
Vorbeugung von Speichelsteinen
Obwohl nicht alle Fälle verhindert werden können, können folgende Maßnahmen das Risiko reduzieren:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Regelmäßiges Trinken hält den Speichelfluss aufrecht.
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide tragen zur allgemeinen Mundgesundheit bei.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Wenn möglich, sollten bekannte Risikofaktoren wie Rauchen oder die Einnahme von Medikamenten, die Mundtrockenheit verursachen, reduziert oder alternative Optionen mit dem Arzt besprochen werden.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Zahnärzte können frühzeitig Probleme im Mundraum erkennen.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema Speichelstein unterstreicht die Bedeutung einer guten Mundgesundheit und die Notwendigkeit, bei anhaltenden Beschwerden im Bereich der Speicheldrüsen ärztlichen Rat einzuholen.
