Ein warmer Sommertag lädt dazu ein, das Leben im Freien zu genießen. Doch die intensive Sonneneinstrahlung birgt auch Risiken, allen voran den Sonnenstich (Insolation). Diese spezielle Form der Hitzeschädigung wird durch langwellige Infrarotstrahlen verursacht, die tief in das Gewebe eindringen und zu einem lokalen Wärmestau im Kopfbereich führen können. Dieser Wärmestau reizt die Hirnhäute und kann unangenehme bis gefährliche Symptome hervorrufen. Der vorliegende Artikel beleuchtet die Anzeichen eines Sonnenstichs, wer besonders gefährdet ist, wie man im Notfall Erste Hilfe leistet und welche Maßnahmen zur Vorbeugung sinnvoll sind.
Symptome eines Sonnenstichs erkennen
Ein Sonnenstich macht sich oft durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar, die nicht immer sofort als solche erkannt werden. Typische Anzeichen sind ein geröteter Kopf, Kopf- oder Nackenschmerzen sowie Unruhe. In manchen Fällen können auch Ohrgeräusche, Schwindel, Übelkeit bis hin zum Erbrechen oder sogar Bewusstseinsstörungen auftreten. Eine wichtige Unterscheidung zum Hitzschlag ist, dass bei einem Sonnenstich die Körpertemperatur meist nicht erhöht ist und die Haut kühl bleibt. Häufig treten die Symptome auch erst einige Stunden nach dem Sonnenbad auf, was die Zuordnung erschwert.
Risikogruppen und spezielle Gefahren für Kinder
Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Babys sowie ältere Menschen. Bei ihnen ist die Fähigkeit zur Temperaturregulation oft noch nicht vollständig entwickelt oder lässt im Alter nach. Auch eine fehlende oder spärliche Kopfbehaarung spielt eine Rolle, da die Kopfhaut weniger Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung bietet. Personen, die in heißen, schlecht belüfteten Umgebungen arbeiten, wie beispielsweise in der Metallverarbeitung oder in Saunen, sind ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Bei Kindern sind die Schädelknochen, die das Gehirn schützen, noch dünn und wachsen erst etwa im Alter von eineinhalb Jahren vollständig zusammen. Sie sind daher besonders empfindlich. Ein Hut mit breiter Krempe, der auch den Nacken schützt und aus hellem, reflektierendem Material besteht, ist unerlässlich. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die noch nicht kommunizieren können, ist besondere Aufmerksamkeit geboten, falls sie ungewöhnlich schreien oder die Nahrungsaufnahme verweigern.
Erste Hilfe und Hausmittel bei Sonnenstich
Bei Verdacht auf einen Sonnenstich sind schnelle und richtige Erste-Hilfe-Maßnahmen entscheidend.
- Person in den Schatten bringen: Sofort aus der direkten Sonneneinstrahlung entfernen und an einen kühlen, schattigen Ort bringen oder in einen abgedunkelten Raum legen.
- Körperhaltung: Die Person in Rückenlage bringen und den Oberkörper leicht erhöht lagern, beispielsweise mit einem Kissen.
- Kühlung: Kopf, Nacken und gegebenenfalls den Rumpf mit feuchten, kühlen Tüchern kühlen.
- Beruhigung und Beobachtung: Die betroffene Person beruhigen und nicht allein lassen, bis die Symptome abklingen. Dies kann mehrere Stunden bis zu einem Tag dauern.
Bei leichten Beschwerden können Hausmittel Linderung verschaffen:
- Flüssigkeitszufuhr: Lauwarmes Wasser, verdünnte Fruchtschorlen oder Kräutertees anbieten, sofern kein Erbrechen vorliegt.
- Elektrolytersatz: Bei starkem Schwitzen kann eine Bouillon oder lauwarmes Wasser mit einer Prise Salz helfen, verlorene Mineralstoffe auszugleichen.
- Kühlende Umschläge: Kalte Joghurt- oder Quarkumschläge können nicht nur kühlen, sondern auch die sonnenstrapazierte Haut beruhigen.
Medizinische Hilfe und Medikamente
Bei Bedarf können rezeptfreie Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen zur Linderung von Kopfschmerzen eingesetzt werden. Für Kinder sind diese Wirkstoffe in kindgerechter Form (Saft, Zäpfchen) erhältlich. Elektrolytlösungen aus der Apotheke können zudem helfen, einen Mineralstoffverlust auszugleichen. Ergänzend können homöopathische Mittel wie Natrium carbonicum, Aconitum, Belladonna oder Glonoinum nach symptomatischer Verordnung eingesetzt werden.
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Ein Arzt sollte spätestens dann aufgesucht werden, wenn die Symptome eines Sonnenstichs nach zwei Tagen noch andauern. Bei Auftreten von Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen, veränderter Atmung oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands ist sofort der Rettungsdienst (Notruf 112) zu verständigen.
Hitzschlag und Hirnödem: Ein Notfall
In seltenen, aber ernsten Fällen kann sich ein Sonnenstich zu einem Hitzschlag (Hyperthermiesyndrom) entwickeln. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der mit Wassereinlagerungen im Gehirn und der Bildung eines Hirnödems einhergehen kann. Symptome wie heiße, trockene Haut, eine Körpertemperatur um 40°C, starke Kopfschmerzen, Schwindel, Desorientierung, Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit, starkes Erbrechen, niedriger Blutdruck, erhöhter Puls, Krämpfe und schnelle Atmung erfordern umgehend den Notruf 112.
Vorbeugung: So schützen Sie sich vor Sonnenstich
Die beste Methode ist, einen Sonnenstich von vornherein zu vermeiden. Eine bewährte Regel lautet: „Between eleven and three, stay under a tree“ – zwischen 11 und 15 Uhr, der intensivsten Sonnenzeit, sollte man sich im Schatten aufhalten.
Weitere wichtige vorbeugende Maßnahmen:
- Kopfbedeckung: Tragen Sie stets einen hellen Hut mit breiter Krempe, der auch den Nacken schützt. Dunkle Kopfbedeckungen absorbieren mehr Wärme.
- Flüssigkeitszufuhr: An heißen Tagen sollten Erwachsene täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, vorzugsweise Wasser, Kräuter- oder Früchtetee oder leichte Apfelschorlen.
- Kinder im Auto: Lassen Sie Kinder niemals allein im Auto zurück, auch nicht für kurze Zeit. Die Temperatur im Fahrzeug kann extrem schnell ansteigen.
Hitzeerschöpfung: Ursachen und Maßnahmen
Im Gegensatz zum Sonnenstich entsteht eine Hitzeerschöpfung primär durch Flüssigkeits- und Elektrolytverlust infolge starker Schweißbildung. Symptome sind unter anderem eine hohe Körpertemperatur, schlechte Durchblutung von Händen und Füßen (die sich kalt anfühlen), Bewusstseinsstörungen, starker Durst, Kopfschmerzen, Schwindel und Desorientiertheit. Bei Kindern können Teilnahmslosigkeit oder Reizbarkeit auftreten.
Besonders Sportler, die bei Hitze trainieren, sind oft betroffen. Bei Verdacht auf Hitzeerschöpfung gelten ähnliche Erste-Hilfe-Maßnahmen wie beim Sonnenstich:
- Schatten suchen: Sofort in den Schatten bringen.
- Beine hochlagern: Die Beine höher als das Herz legen, um den Kreislauf zu unterstützen.
- Flüssigkeit zuführen: Reichlich trinken (Schorlen, Tees, wasserreiche Früchte wie Wassermelone oder Gurken), wenn die Person bei Bewusstsein ist.
- Kühlen: Nacken, Arme, Beine und Leisten mit feuchten Tüchern kühlen, es sei denn, die Person fröstelt.
- Fieber messen: Regelmäßige Fiebermessung, idealerweise rektal, da die Hautdurchblutung beeinträchtigt sein kann.
Bei Anzeichen eines Kreislaufzusammenbruchs, Krämpfen, Bewusstseinstrübungen oder Bewusstlosigkeit muss umgehend der Notarzt gerufen werden.
Vorbeugung von Hitzeerschöpfung
Die Präventionsstrategien ähneln denen für Sonnenstich: Aufenthalt im Schatten während der Mittagshitze, Tragen eines hellen Hutes und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Zusätzliche Tipps sind:
- Sportzeiten anpassen: Training auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Ernährung und Genussmittel: Auf Alkohol und schwere Mahlzeiten verzichten.
- Kleidung: Lockere, bequeme Kleidung bevorzugen.
Kühlkompressen als Erste Hilfe
Kühlkompressen aus der Apotheke sind eine praktische Alternative zu feuchten Tüchern. Sie sollten stets griffbereit im Kühlschrank (nicht Gefrierfach) aufbewahrt werden. Wichtig ist, die Kompressen niemals direkt auf die Haut zu legen, sondern immer in ein Tuch einzuwickeln, um Erfrierungen zu vermeiden. Kälte-Sofort-Kompressen, die durch Knicken aktiviert werden, eignen sich ideal für unterwegs. Ihr Apotheker berät Sie gerne zu den verschiedenen Produkten und deren richtiger Anwendung.

