Deutschland ist bekannt für seine Liebe zum Fußball, doch abseits der großen Stadien verbirgt sich eine faszinierende Welt ungewöhnlicher Sportarten. Von Einradhockey über Unterwasserrugby bis hin zu Extrembügeln – das Land bietet eine überraschende Vielfalt für Sportbegeisterte, die nach etwas Neuem suchen. Dieser Artikel taucht tief in diese Nischensportarten ein, beleuchtet ihre Regeln, ihre Geschichte und ihre Präsenz in Deutschland.
Mehr als Einradfahren, mehr als Hockey: Einradhockey
Einradhockey kombiniert die Geschicklichkeit des Einradfahrens mit der Intensität des Hockeys. Zwei Teams versuchen, einen Tennisball mit einem Eishockeyschläger in die gegnerischen Tore zu befördern, während sie auf Einrädern fahren. Diese Sportart erfordert einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn, Koordination und Treffsicherheit. Die Erste Deutsche Einradhockeyliga wurde bereits 1995 gegründet, was zeigt, dass diese ungewöhnliche Disziplin in Deutschland eine lange Tradition hat. Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten, die jeweils zehn bis 20 Minuten dauern.
Zeit zum Abtauchen: Unterwasserrugby und -hockey
Unterwasserrugby
Beim Unterwasserrugby kämpfen zwei Teams mit jeweils sechs Spielern darum, einen mit Salzwasser gefüllten Ball in dreieinhalb bis fünf Meter tiefe Tore zu befördern. Die Spieler können von allen Seiten angegriffen werden, und der Ball darf während des gesamten Spiels nicht an die Wasseroberfläche gelangen. Die Spiele dauern 30 Minuten und sind in zwei Halbzeiten unterteilt. Die Spieler tragen Flossen, Badekappen, Taucherbrillen und Schnorchel. Diese Sportart existiert seit den 1960er Jahren und ist in Deutschland in drei Regionen mit jeweils zwei Bundesligen vertreten.
Unterwasserhockey
Im Gegensatz zum bekannteren Unterwasserrugby ist Unterwasserhockey in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Zwei zehn- bis fünfzehnminütige Halbzeiten sehen Spieler, die mit einem kurzen Schläger einen 1,3 kg schweren Bleipuck in eine drei Meter breite Metallrinne befördern.
Riesenspaß für Groß und Klein: Kin-Ball
Kin-Ball unterscheidet sich von den meisten Sportarten durch das Spiel von drei Teams mit jeweils vier Spielern. Jedes Team hat eine andere Trikotfarbe. Beim Aufschlag muss ein Team die Farbe eines anderen Teams rufen, das dann den Ball fangen muss. Ziel ist es, den über 1,20 Meter großen Ball so zu werfen, dass die gegnerische Mannschaft ihn nicht kontrollieren kann. Berührt der Ball den Boden, erhalten die beiden gegnerischen Teams einen Punkt. Die Sportart wurde 1986 in Kanada erfunden und ist heute in einigen europäischen Ländern beliebt, in Deutschland jedoch nur von wenigen Vereinen angeboten.
4-in-1: Racketlon
Racketlon kombiniert vier Schlägersportarten: Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis. Jedes Spiel besteht aus einem Satz jeder Disziplin, und die Punkte werden am Ende addiert. Diese Sportart ist ideal für Athleten mit guter Ausdauer. Der Deutsche Racketlon Verband wurde 2008 gegründet und zählt 14 Mitgliedsvereine. Die Reihenfolge der Disziplinen richtet sich nach der Größe des Schlägers.
Unbekannte Sportart mit langer Geschichte: Tamburello
Tamburello, abgeleitet vom italienischen Wort für “kleine Trommel”, ist eine alte Sportart, die bis ins antike Rom zurückreicht. Das Sportgerät ähnelt einem Tamburin. Ziel ist es, den Ball so über eine Mittellinie zu spielen, dass er auf der gegnerischen Seite höchstens einmal den Boden berührt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts verbreitet sich Tamburello in Europa und auch in Deutschland.
Haushaltsarbeit mit Adrenalin-Kick: Extrembügeln
Extrembügeln ist eine Extremsportart, bei der Teilnehmer ihre Bügelbretter an ungewöhnlichen Orten unter herausfordernden Bedingungen aufstellen. Es gibt verschiedene Disziplinen wie Water Style, Rocky Style und Forest Style. Weltmeisterschaften finden seit 2002 statt. Der Sport entstand 1997 in Leicester, England, und kam 2000 nach Deutschland.
Fun-Faktor garantiert: Bumper Ball
Bumper Ball, auch bekannt als Bubble Soccer, beinhaltet, dass Spieler in großen, luftgepolsterten Bällen Kopf und Oberkörper stecken. Dies ermöglicht es ihnen, mit anderen Spielern zusammenzustoßen, ohne sich zu verletzen. Das Spielprinzip ähnelt dem Fußball, bei dem Teams versuchen, sich gegenseitig umzuwerfen und Tore zu erzielen. Bumper Ball ist sowohl für Spieler als auch für Zuschauer äußerst unterhaltsam.
Schnee statt Sand: Snow-Volleyball
Snow-Volleyball, eine Variante des Volleyballs, wurde 2009 in Österreich erfunden. Die Regeln ähneln denen des Beachvolleyballs, jedoch mit drei statt zwei Spielern pro Team und Sätzen bis 15 Punkte. Aufgrund des Schnees als Untergrund wird das Spiel mit Fußballschuhen gespielt, um ein Ausrutschen zu verhindern. Die Kälte und dickere Kleidung machen das Spiel anstrengender. Snow-Volleyball ist mittlerweile Teil des internationalen Volleyballverbands.
Sportart für Harry-Potter-Fans: Quadball (Quidditch)
Quadball, ursprünglich als Quidditch bekannt, ist eine Sportart, die von der Harry-Potter-Filmreihe inspiriert wurde. Sie kombiniert Elemente aus Rugby, Handball und Dodgeball. Spieler tragen einen Besen zwischen den Beinen und versuchen, mit einem Volleyball (Quaffel) durch die gegnerischen Ringe zu werfen. Ein Sucher versucht, den “Schnatz” zu fangen, der an einem unparteiischen Spieler befestigt ist. Im Jahr 2022 wurde der Sport global in Quadball umbenannt, um sich von den transfeindlichen Äußerungen J.K. Rowlings zu distanzieren und die Assoziation mit Harry Potter zu verringern.
Tag und Nacht: Crossminton und Blackminton
Crossminton ist eine Kombination aus Badminton, Tennis und Squash, die überall gespielt werden kann. Anstelle eines Netzes sind die Spielfelder durch Linien gekennzeichnet. Die Spieler verwenden Schläger, die Squash-Schlägern ähneln, um einen schwereren und kürzeren Ball, den “Speeder”, ins gegnerische Feld zu spielen. Blackminton ist eine nächtliche Variante von Crossminton, bei der Spieler und Spielfeld mit fluoreszierender Farbe und Schwarzlicht beleuchtet werden.
Alles Kopfsache: Headis
Headis, erfunden 2007 von einem Sportstudenten in Saarbrücken, ist eine Sportart, die Tischtennis mit Kopfball kombiniert. Die Spieler schlagen den Ball mit dem Kopf über ein mittiges Netz auf einer Tischtennisplatte. Headis hat durch TV-Auftritte an Bekanntheit gewonnen und wird mittlerweile an mehreren Hochschulen angeboten.
Fuß- trifft Volleyball: Footvolley
Footvolley, eine brasilianische Trendsportart, verbindet Beachvolleyball mit Fußball. Ziel ist es, den Ball über das Netz auf die gegnerische Spielfeldhälfte zu spielen, ohne dass er den Boden auf der eigenen Seite berührt. Hände und Arme dürfen nicht eingesetzt werden. maximal drei Ballkontakte sind pro Team erlaubt. Footvolley erreichte Deutschland im Jahr 2004.
Ein Test für den Gleichgewichtssinn: Radball
Beim Radball treten zwei Teams gegeneinander an, die den Ball mit einer geschickten Lenkerbewegung ins Tor schießen müssen. Nur der Torhüter darf die Hände zum Ballhalten einsetzen. Alle anderen Spieler müssen ihre Hände und Füße am Fahrrad lassen. Dies erfordert einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn und Geschicklichkeit. Radball hat in Deutschland eine lange Geschichte und ist nach wie vor durch zahlreiche Teams vertreten.
Wie Volleyball auf der Hüpfburg: Bossaball
Bossaball ist eine Trendsportart, die Volleyball, Fußball, Turnen und Akrobatik kombiniert und auf einem aufblasbaren Spielfeld gespielt wird. In der Mitte befindet sich ein Netz, und auf beiden Seiten gibt es Trampoline, die es den Spielern ermöglichen, höher zu springen. Bis zu fünf Ballkontakte sind erlaubt, bevor der Ball über das Netz gespielt werden muss. Bossaball wurde in den frühen 2000er Jahren erfunden, und die höchsten Spielerzahlen gibt es in Deutschland, Holland, Brasilien und Spanien.

