Entzündungshemmende Schmerzmittel, auch als nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bekannt, sind aus der modernen Schmerztherapie nicht mehr wegzudenken. Sie lindern nicht nur akute und chronische Schmerzen, sondern können auch Entzündungen und Fieber reduzieren und somit den Heilungsprozess unterstützen. Von Aspirin über Ibuprofen bis hin zu spezialisierten Wirkstoffen wie Celecoxib – die Auswahl ist groß. Doch welche Mittel eignen sich für welche Beschwerden und welche Risiken gilt es zu beachten? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten entzündungshemmender Schmerzmittel, ihre Wirkungsweisen und die wichtigsten Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen, um Ihnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen.
Die wichtigsten entzündungshemmenden Schmerzmittel im Überblick
Entzündungshemmende Schmerzmittel gehören mehrheitlich zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Diese Gruppe von Medikamenten, auch als NSAID (non-steroidal antirheumatic drugs) bekannt, zeichnet sich durch ihre fiebersenkende (antipyretische), schmerzlindernde (analgetische) und entzündungshemmende (antiphlogistische) Wirkung aus. Sie wirken primär durch die Hemmung von zwei Schlüsselenzymen im Körper: Cyclooxygenase-1 (COX-1) und Cyclooxygenase-2 (COX-2). Diese Enzyme sind maßgeblich an der Produktion von Botenstoffen beteiligt, die Entzündungsreaktionen, Schmerzempfindungen und Fieber auslösen. Durch die Hemmung dieser Enzyme werden die entsprechenden Prozesse im Körper unterbunden.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass alle NSAR in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten ein erhebliches Risiko für das ungeborene Kind darstellen können, insbesondere im Hinblick auf die Gefäßentwicklung. Daher ist die Einnahme in dieser Phase strikt untersagt.
Im Folgenden stellen wir die gängigsten entzündungshemmenden Schmerzmittel und ihre spezifischen Eigenschaften vor. Diese Übersicht dient der allgemeinen Information. Die Wahl des geeigneten Präparates sollte stets in Absprache mit einem Arzt oder Apotheker erfolgen.
Acetylsalicylsäure (ASS)
Acetylsalicylsäure, weltweit bekannt unter dem Markennamen Aspirin, ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Schmerzmittel. ASS wirkt, indem es die Struktur der Cyclooxygenasen irreversibel verändert.
In niedriger Dosierung (ab 100 mg) hemmt ASS die COX-1 in den Blutplättchen. Dies unterbindet die Bildung von Thromboxan, einem Stoff, der für die Verklumpung der Blutplättchen verantwortlich ist. Diese gerinnungshemmende Wirkung ist entscheidend für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Koronaren Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkten, Schlaganfällen und Durchblutungsstörungen in den Beinen. ASS ist daher ein Standardmedikament für Patienten mit diesen Erkrankungen. Da die Blutbildung durch die irreversible Hemmung der Gerinnungszellen beeinträchtigt wird, dauert es etwa eine bis anderthalb Wochen, bis sich die Blutbildung wieder normalisiert hat, was während dieser Zeit das Blutungsrisiko erhöht.
In höheren Dosen (500 bis 1.000 mg) hemmt ASS auch die Cyclooxygenase-2 (COX-2) und unterbindet dadurch vorübergehend die Produktion von Prostaglandinen. Diese sind wichtig für den Schutz der Magenschleimhaut und die Nierendurchblutung. Die schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung hält nur so lange an, wie die neuen, gehemmten COX-2-Zellen synthetisiert werden, was etwa sechs bis acht Stunden dauert.
Ein dritter wichtiger Effekt von ASS ist die Förderung der Produktion von Lipoxinen, welche die Stickstoffmonoxid-Spiegel im Blut erhöhen. Stickstoffmonoxid unterstützt die Immunabwehr bei der Bekämpfung von Infektionen und kann Entzündungsreaktionen abschwächen.
ASS wird gut vom Körper aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden und ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre. Die gleichzeitige Einnahme mit Cortisonpräparaten kann dieses Risiko erheblich steigern. Bei Asthmatikern kann ASS ein sogenanntes Analgetika-Asthma auslösen, das sich durch Atembeschwerden und Nasenpolypen äußert. Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr besteht das Risiko des Reye-Syndroms, einer seltenen, aber lebensgefährlichen Erkrankung mit Gehirnentzündung und Leberversagen. Eine Überdosierung kann zu Hörschäden, Nierenversagen und Krampfanfällen führen.
Diclofenac
Diclofenac ist ein weiteres weit verbreitetes NSAR, das sowohl COX-1 als auch COX-2 hemmt, wobei die Hemmung von COX-2 länger anhält. Dies kann theoretisch zu einem leicht erhöhten Risiko für Gefäßverschlüsse am Herzen und in den Blutgefäßen führen. Daher ist bei bestehenden Herzerkrankungen Vorsicht geboten. Häufige Nebenwirkungen von Diclofenac sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ähnlich wie andere NSAR kann auch Diclofenac durch die vermehrte Leukotrienbildung Asthmaanfälle auslösen.
Indometacin
Indometacin wird hauptsächlich bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt und ist aufgrund seiner Verfügbarkeit seltener anzutreffen. Es ist ein NSAR mit einer unselektiven COX-Hemmung, d.h. es hemmt COX-1 und COX-2 gleichermaßen. Obwohl Indometacin Kopfschmerzen auslösen kann, ist es bei bestimmten Kopfschmerzarten eine effektive Behandlungsoption. Wie andere NSAR kann es Gefäßverengungen verursachen. Eine spezielle Anwendung findet Indometacin bei Neugeborenen mit einem persistierenden Ductus arteriosus Botalli, einem Blutgefäß, das nach der Geburt normalerweise verschließt. Indometacin kann hierbei den Verschluss fördern und so die Sauerstoffversorgung verbessern. Da Indometacin auch als Zäpfchen erhältlich ist, können die Dosierung reduziert und Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt minimiert werden.
Ibuprofen
Ibuprofen ist eines der bekanntesten und am häufigsten verwendeten Schmerzmittel zur Linderung von Kopf-, Rücken-, Zahn- und Menstruationsschmerzen. Es ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich und kann bereits bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden, meist in Form von Säften oder Zäpfchen. Bei Personen mit vorbestehenden Herzerkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von ASS kann Ibuprofen die gerinnungshemmende Wirkung von ASS beeinträchtigen, wenn es zu kurz vor oder nach ASS eingenommen wird. Dies kann den schützenden Effekt vor Herzinfarkten und Schlaganfällen zunichtemachen. Die Einnahme von Ibuprofen birgt die üblichen Risiken der NSAR, insbesondere Magenbeschwerden. Eine Überdosierung kann zu inneren Blutungen, Magengeschwüren sowie Leber- und Nierenschäden führen. Was tun bei Magenbeschwerden durch Schmerzmittel?
Naproxen
Naproxen ist ein weiteres NSAR, das sich durch seine lange Wirkungsdauer auszeichnet und daher nur zwei- bis dreimal täglich eingenommen werden muss. Es wirkt als Hemmer von COX-1 und COX-2 und weist ein ähnliches Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil wie andere NSAR auf.
Mefenaminsäure
Mefenaminsäure ist in einigen europäischen Ländern, wie der Schweiz und Österreich, weit verbreitet, in Deutschland jedoch derzeit nicht zugelassen. Sie hemmt COX-1 und COX-2 und birgt die typischen Risiken dieser Wirkstoffgruppe. Ein häufig auftretendes Nebenwirkungsprofil sind Diarrhöen.
Celecoxib und Etoricoxib (Coxibe)
Celecoxib und Etoricoxib gehören zur Gruppe der sogenannten Coxibe. Diese Medikamente hemmen selektiv nur COX-2. Sie wurden entwickelt, um die gastrointestinalen Nebenwirkungen der traditionellen NSAR zu reduzieren, was ihnen auch teilweise gelingt. Dennoch ist bei bestehenden Magen-Darm-Erkrankungen oder einem hohen Risiko dafür Vorsicht geboten. Einige Coxibe wurden vom Markt genommen, da die isolierte COX-2-Hemmung mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte einhergehen konnte. Für Celecoxib und Etoricoxib konnte dieses Risiko in Studien nicht bestätigt werden, dennoch ist bei bekannter Herzerkrankung eine zurückhaltende Anwendung ratsam. Celecoxib ist für Erwachsene zugelassen, Etoricoxib ab 16 Jahren. Die Einnahme von Celecoxib erfolgt in der Regel zweimal täglich, während Etoricoxib aufgrund seines langsameren Abbaus nur einmal alle 24 Stunden eingenommen werden muss.
Vergleichstabelle entzündungshemmender Schmerzmittel
| Wirkstoff | Typische Dosierung | Hauptindikationen | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Acetylsalicyl-säure (ASS) | Schmerztherapie: 300-1000 mg; Prophylaxe: 100 mg | Leichte bis mittelstarke Schmerzen; Sekundär-/Prophylaxe von Herzinfarkt & Schlaganfall | Magen-Darm-Beschwerden, erhöhte Blutungsneigung; selten: allergische Reaktionen, Blutungen; unklare Häufigkeit: Nierenfunktionsstörung; Überdosierung: Hörverlust, Tinnitus |
| Diclofenac | Schmerztherapie: 25 mg; Entzündungen: 50-150 mg | Leichte bis mittelstarke Schmerzen, Fieber; rheumatische Erkrankungen | Übelkeit, Magenschmerzen, Magengeschwüre; Bluthochdruck, Herzschwäche |
| Indometacin | 50-150 mg in 1-3 Dosen; Spray: bis 5x 12 mg | Schmerzen und Entzündungen nach Verletzungen; rheumatische Erkrankungen | Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, erhöhte Leberwerte, Tinnitus, Hautreizungen (Spray) |
| Ibuprofen | 1.200 mg in 3 Dosen (höher ärztlich möglich) | Leichte bis mittelstarke Schmerzen, Entzündungen nach Verletzungen; rheumatische Erkrankungen | Magen-Darm-Beschwerden; hohes Risiko für akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei hoher Dosierung |
| Naproxen | 500-1250 mg in 3 Dosen | Rheumatische Erkrankungen, Regelbeschwerden | Magen-Darm-Beschwerden, Blutverluste, Blutbildungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Sehstörungen, Atemnotanfälle, Nierenfunktionsstörungen |
| Mefenaminsäure | bis zu 3x 500 mg | Leichte bis mittelstarke Schmerzen nach Verletzungen; rheumatische Erkrankungen | Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Seh- und Hörstörungen, Störungen der Leber- und Nierenfunktion, allergische Reaktionen |
| Celecoxib | 100 mg 1-2x, max. 400 mg | Osteoarthritis, Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew | Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Blutdruckentgleisungen |
| Etoricoxib | 60-120 mg | Rheumatische Erkrankungen, Gelenkverschleiß | Magen-Darm-Beschwerden, grippeähnliche Symptome, Bluthochdruck |
Die Wahl des richtigen entzündungshemmenden Schmerzmittels hängt von der Art und Intensität der Schmerzen, der individuellen gesundheitlichen Verfassung und eventuellen Vorerkrankungen ab. Eine umfassende Beratung durch medizinisches Fachpersonal ist unerlässlich, um die bestmögliche und sicherste Therapie zu gewährleisten. Entdecken Sie die Vielfalt Deutschlands und nutzen Sie die modernen Möglichkeiten der Schmerztherapie, um Ihre Reise und Ihr Erlebnis in vollen Zügen zu genießen.

