Weltweit leiden schätzungsweise 115 Millionen Menschen an einer Fettleber, und Experten warnen, dass sich diese Zahl bis 2030 verdreifachen könnte. Das Global Liver Institute bezeichnet diese Erkrankung als “stille globale Epidemie”, da sie oft lange unbemerkt bleibt, obwohl die Leber als zentrales Stoffwechselorgan eine entscheidende Rolle für die Entgiftung, Nährstoffverwertung und Verdauung spielt.
Die unterschätzte Bedeutung der Leber
Unsere Leber ist ein wahres Multitalent im Körper. Sie ist verantwortlich für:
- Entgiftung: Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut und schützt uns so vor schädlichen Substanzen.
- Stoffwechsel: Sie verarbeitet und speichert lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine, Fette und Zucker.
- Blutgerinnung: Sie produziert die notwendigen Faktoren, damit unser Blut gerinnen kann.
- Verdauung: Sie stellt Gallenflüssigkeit her, die für die Fettverdauung unerlässlich ist.
Wenn die Leber aus dem Gleichgewicht gerät
Da die Leber keine Schmerzrezeptoren besitzt, bleiben Leberschäden oft lange unbemerkt. Selbst wenn die Funktion bereits beeinträchtigt ist, kann sie oft noch ihre Aufgaben erfüllen. Typische Warnsignale wie ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, Gelbfärbung der Haut und Augen oder dunkelbrauner Urin treten meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Häufig wird eine Lebererkrankung erst durch erhöhte Leberwerte im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Während ein hoher Alkoholkonsum eine häufige Ursache ist, sind viele Betroffene auch Nicht-Trinker.
Leberwerte im Blutbild: Worauf Ärzte achten
Bei einer Schädigung der Leberzellen steigen bestimmte Leberwerte im Blut an, darunter:
- ALT (Alanin-Aminotransferase)
- AST (Aspartat-Aminotransferase)
- GLDH (Glutamatdehydrogenase)
Gleichzeitig können Werte für Substanzen, die von der Leber produziert werden, wie Albumin und Gerinnungsfaktoren, sinken. Erhöhte Werte der Gamma-Glutamyltransferase, der alkalischen Phosphatase (AP) und des Bilirubins können auf Gallenstauungen hinweisen. Leicht erhöhte Werte normalisieren sich oft von selbst, während starke Erhöhungen umgehend ärztlich abgeklärt werden sollten.
Häufige Ursachen für erhöhte Leberwerte
Nach Alkohol gehören folgende Erkrankungen und Faktoren zu den häufigsten Auslösern:
1. Fettleber (Steatotische Lebererkrankung – SLD)
Eine Fettleber entsteht, wenn sich zu viel Fett in den Leberzellen ablagert. Diese Zivilisationskrankheit wird durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel begünstigt. Wenn kein übermäßiger Alkoholkonsum vorliegt, spricht man von einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD), früher bekannt als nicht-alkoholische Fettleber. Jeder vierte Bundesbürger über 40 ist betroffen. Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte und Insulinresistenz sind häufige Ursachen. Unbehandelt kann eine Fettleber zu einer Entzündung bis hin zur Leberzirrhose führen.
2. Hepatitis-Viren
Hepatitis-Viren wie A, B und C sind weltweit verbreitet und können Leberentzündungen verursachen. Hepatitis A wird oft durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen und heilt meist von selbst aus. Hepatitis B und C können chronisch verlaufen und ohne Behandlung zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Die Übertragung erfolgt durch Blut oder sexuelle Kontakte. Während Impfungen gegen Hepatitis A und B existieren, ist Hepatitis C heute gut mit antiviralen Medikamenten heilbar.
3. Erkrankungen der Gallenwege und Gallensteine
Gallenwegserkrankungen und Gallensteine können ebenfalls zu erhöhten Leberwerten und Leberschäden führen. Gallensteine bilden sich durch Veränderungen in der Gallenflüssigkeit, begünstigt durch Übergewicht, Bewegungsmangel und genetische Faktoren. Sie können schmerzhafte Gallenkoliken und Entzündungen der Gallenblase verursachen, die oft eine operative Entfernung der Gallenblase zur Folge haben.
4. Medikamente
Die Leber ist maßgeblich am Stoffwechsel und Abbau von Medikamenten beteiligt. Obwohl Leberschäden durch Medikamente bei korrekter Anwendung selten sind, können bestimmte Wirkstoffe, wie Paracetamol, NSAR und Antibiotika, bei empfindlichen Personen oder bei unsachgemäßer Einnahme zu erhöhten Leberwerten oder Leberschädigungen führen.
Prävention: Tipps für eine gesunde Leber
Jeder kann aktiv zur Gesunderhaltung seiner Leber beitragen:
- Alkoholkonsum einschränken: Vermeiden Sie Alkohol oder konsumieren Sie ihn nur in Maßen.
- Rauchfrei leben: Zigarettenrauch schadet der Leber.
- Ausgewogene Ernährung: Setzen Sie auf ballaststoffreiche Kost und meiden Sie Fast Food, Süßgetränke und übermäßig Süßes.
- Gewichtskontrolle: Vermeiden Sie Übergewicht.
- Impfungen: Lassen Sie sich gegebenenfalls gegen Hepatitis impfen.
- Regelmäßige Checks: Kontrollieren Sie Ihre Leberwerte regelmäßig beim Arzt.
Durch einen gesunden Lebensstil und Achtsamkeit können Sie das Risiko für Lebererkrankungen deutlich reduzieren und Ihre Leberfunktion langfristig erhalten.

