Blutwerte: Der Spiegel Ihrer Gesundheit

Blut ist mehr als nur ein Transportmittel im Körper – es ist ein komplexes System, das uns wertvolle Einblicke in unseren Gesundheitszustand gewährt. Die Analyse von Blutwerten kann Aufschluss darüber geben, wie gut Organe mit Sauerstoff versorgt werden, wie das Immunsystem arbeitet oder ob Stoffwechselerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes mellitus vorliegen. Verändert sich ein Blutwert, ist dies oft ein erster Hinweis auf eine mögliche Erkrankung, der durch eine ärztliche Anamnese und Symptombewertung weiter untersucht wird.

Die wichtigsten Blutwerte im Überblick

Die Standarduntersuchung beim Hausarzt, das sogenannte kleine Blutbild, liefert grundlegende Informationen über die Anzahl und Beschaffenheit von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Auch die Konzentration von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, und der Hämatokritwert, der das Verhältnis der Blutzellen zum Blutplasma angibt, werden bestimmt.

Darüber hinaus können spezifische Blutuntersuchungen Aufschluss über den Spiegel von Vitaminen (wie B12 oder Vitamin D), Gerinnungsfaktoren, Hormonen (insbesondere der Schilddrüse), Mineralstoffen wie Kalzium und Natrium, sowie Spurenelementen wie Selen oder Eisen geben. Weitere wichtige Parameter sind Blutzucker, Blutfettwerte und Nierenwerte.

Blutzucker: Indikator für Diabetes mellitus

Die Glukosekonzentration im Blut, der Blutzuckerwert, spiegelt die Energieversorgung des Körpers wider. Ein erhöhter Nüchternblutzuckerwert (über 100 mg/dl) kann auf eine gestörte Glukosetoleranz hindeuten, während Werte ab 126 mg/dl (regelmäßig gemessen) auf einen Diabetes mellitus schließen lassen. In frühen Phasen kann eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung die Entstehung von Diabetes noch verhindern.

Blutfettwerte: Cholesterin und Triglyceride

Erhöhte Blutfettwerte, insbesondere von Cholesterin und Triglyceriden, können zu Arteriosklerose (Arterienverkalkung) führen. Während ein gewisser Anteil dieser Fette für Körperfunktionen wie Hormonbildung essenziell ist, kann ein Übermaß krankmachend sein. Bei gesunden Menschen unter 60 Jahren sollte das Gesamt-Cholesterin idealerweise unter 200 mg/dl liegen, das LDL-Cholesterin (“schlechtes” Cholesterin) unter 116 mg/dl. Diese Grenzwerte sind jedoch individuell zu betrachten und erfordern nicht immer eine medikamentöse Behandlung.

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Nierenwerte: Ein Blick auf die Nierenfunktion

Obwohl Nierenerkrankungen primär durch Urinproben (Nachweis von Eiweiß oder Blutzellen) diagnostiziert werden, können Blutwerte wie Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure zusätzliche Hinweise liefern. Ein Anstieg des Kreatininwerts tritt jedoch oft erst auf, wenn die Nieren bereits erheblich geschädigt sind, was ihn als reinen Früherkennungsmarker weniger geeignet macht.

Wichtige Abkürzungen bei Laborwerten

Laborberichte verwenden oft Abkürzungen. Hier einige der geläufigsten:

  • ERY: Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
  • LEUKOS: Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
  • THRO, PLT: Thrombozyten (Blutplättchen)
  • HGB, HB: Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
  • HCT, HKT, HAT: Hämatokrit (Zellanteil im Blutplasma)
  • STAB, SEG, BASO, EOS: Verschiedene Typen weißer Blutkörperchen, die auf Entzündungen, Infektionen oder allergische Reaktionen hinweisen können.
  • ALT (GPT), AST (GOT), Gamma-GT, AP: Leberwerte
  • Kreatinin, GfR: Nierenwerte
  • TSH, T3, T4: Schilddrüsenwerte
  • Chol, LDL-C, HDL-C, TG: Blutfettwerte
  • Glucose, HbA1c: Blutzuckerwerte
  • CRP: Entzündungswert

Kleines und Großes Blutbild: Mehr Details für die Diagnose

Das kleine Blutbild gibt einen ersten Überblick über die Blutzellen und Hämoglobin. Spezielle Werte wie MCV, MCH, HbE und MCHC liefern zudem Informationen über die Funktionsweise der roten Blutkörperchen.

Das große Blutbild erweitert die Analyse der weißen Blutkörperchen, indem es deren verschiedene Untertypen (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) genauer untersucht. Diese sind entscheidend für die Immunabwehr. Abweichungen können auf Infektionskrankheiten, Entzündungen oder Immunschwächen hinweisen. Beide Blutbilduntersuchungen werden von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn ein Arzt sie anordnet.

Normbereiche und ihre Bedeutung

Normbereiche definieren die Werte, die bei etwa 95 % gesunder Personen gemessen werden. Abweichungen können auf Erkrankungen hindeuten, müssen aber immer im individuellen Kontext betrachtet werden. Geschlecht, Alter, Vorerkrankungen und das durchführende Labor beeinflussen die exakten Grenzwerte.

BlutwertAufgabeNormbereich Frauen (ca.)Normbereich Männer (ca.)
Erythrozyten (Rote B.)Sauerstofftransport4,1 – 5,4 Mio./µl4,5 – 5,9 Mio./µl
Hämoglobin (Hb)Sauerstoffbindung12 – 16 g/dl (7,5 – 9,9 mmol/l)13,5 – 17,5 g/dl (8,4 – 10,9 mmol/l)
Hämatokrit (HCT)Anteil der Zellen im Blut37 – 45 %42 – 50 %
Leukozyten (Weiße B.)Abwehr von Krankheitserregern4.000 – 10.000/µl4.000 – 10.000/µl
Thrombozyten (Blutplättchen)Wundverschluss150.000 – 400.000/µl150.000 – 400.000/µl
Granulozyten (stabkernig)Abwehr (Entzündungen durch Bakterien etc.)1.500 – 3.000/µl1.500 – 3.000/µl
MonozytenVorläufer von Fresszellen200 – 600/µl200 – 600/µl
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Ein einzelner abweichender Wert ist noch kein Grund zur Sorge. Der Arzt wird immer das Gesamtbild mit der Krankengeschichte und den Symptomen abgleichen, um die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen festzustellen.

Schilddrüsenwerte: Ein Indikator für Stoffwechselstörungen

Die Hormone Thyroxin (T4) und Trijod-Thyronin (T3) werden in der Schilddrüse gebildet und steuern den Stoffwechsel. Das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) aus der Hirnanhangdrüse reguliert deren Freisetzung. Ein veränderter TSH-Wert kann frühzeitig auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen. Symptome einer Überfunktion können Herzrasen, Nervosität und Gewichtsverlust sein, während eine Unterfunktion zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Kälteempfindlichkeit führen kann.

Blutwerte bei Krebs: Hinweise, aber keine alleinige Diagnose

Die Analyse von Blutbestandteilen kann Hinweise auf Krebserkrankungen geben. Eine verringerte Anzahl von roten Blutkörperchen und Blutplättchen kann auf Leukämie hindeuten, während die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bei Leukämie auch erhöht sein können.

Sogenannte Tumormarker sind Substanzen, die bei bestimmten Krebserkrankungen vermehrt im Blut nachweisbar sind. Sie spielen oft keine Rolle bei der Erstdiagnose, da sie unspezifisch sein können, dienen aber der Verlaufskontrolle und Beurteilung von Therapien. Beispiele sind das karzinoembryonale Antigen (CEA) bei Dickdarmkrebs oder das prostataspezifische Antigen (PSA) bei Prostataproblemen. Die Aussagekraft von Tumormarkern wird jedoch kontrovers diskutiert.

Leberwerte: Indikatoren für Lebergesundheit

Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei Entgiftungsprozessen. Leberwerte wie Cholinesterase, Bilirubin sowie die Enzyme ASAT (GOT), ALAT (GPT), GGT und AP geben Auskunft über die Funktion des Organs. Ein Anstieg dieser Werte deutet oft auf eine Schädigung der Leberzellen hin.

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Herzprobleme und Blutwerte

Bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann das Hormon BNP (bzw. sein Abbauprodukt NT-proBNP) im Blut erhöht sein, da das Herz versucht, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren. Ein Herzinfarkt führt zur Freisetzung von Troponin (spezifische Formen T und I) aus geschädigten Herzmuskelzellen ins Blut. Ein Anstieg ist drei Stunden nach dem Infarkt nachweisbar. Auch Kreatinin-Kinase kann ansteigen, doch Troponin gilt als spezifischer Marker. Eine hohe Anzahl roter Blutkörperchen, bedingt durch chronischen Sauerstoffmangel, kann ebenfalls auf Herzerkrankungen hindeuten und das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.

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Entzündungswerte: Das C-reaktive Protein (CRP)

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein wichtiger Entzündungsmarker, der bei bakteriellen Infektionen in der Leber gebildet wird. Ein CRP-Wert unter 5 mg/l gilt als normal. Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen kann ebenfalls auf eine Infektion oder Entzündung im Körper hinweisen.

Blutwerte bei Multipler Sklerose (MS)

Eine definitive Diagnose von Multipler Sklerose (MS) erfolgt meist nicht über einen einfachen Bluttest, sondern durch Untersuchung des Nervenwassers. Jedoch können bestimmte Biomarker im Blut, wie ein Autoantikörper gegen das Protein Alpha-Fodrin, auf MS hindeuten. Dieser Antikörper kann bei MS-Patienten erhöht sein, da er die Schutzhüllen von Nervenzellen angreift und zu typischen Symptomen wie Gefühls- und Sehstörungen führt.

Wann und wie sollten Blutwerte gemessen werden? Nüchternheit erklärt

Für viele Blutuntersuchungen ist es notwendig, nüchtern zu erscheinen. Das bedeutet in der Regel, mindestens acht Stunden vor der Blutentnahme keine Nahrung zu sich genommen zu haben. Wasser und ungesüßter Tee sind meist erlaubt, bei Kaffee oder anderen Getränken sollte jedoch Rücksprache gehalten werden. Auch Rauchen sollte vermieden werden. Regelmäßige Medikamenteneinnahme muss mit dem Arzt abgesprochen werden. Die Nüchternheit stellt sicher, dass die Ergebnisse vergleichbar bleiben und nicht durch Nahrungsaufnahme verfälscht werden.

Gesundheits-Check-up: Was wird untersucht?

Ab 35 Jahren können Erwachsene alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up in Anspruch nehmen. Dieser beinhaltet die Bestimmung von Blutfett- und Blutzuckerwerten. Seit 2021 wird zudem einmalig auf Hepatitis B und C getestet. Diese Untersuchung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

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Die regelmäßige Kontrolle von Blutwerten ist ein wichtiger Baustein zur Prävention und Früherkennung von Krankheiten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie relevanten Untersuchungen.