Die Schilddrüse spielt eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel jeder Katze und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen. Eine Überfunktion dieses Organs, auch feline Hyperthyreose genannt, ist bei älteren Katzen weit verbreitet und erfordert aufmerksame Beobachtung und gezielte Behandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, um Katzenhaltern fundierte Informationen an die Hand zu geben.
Was macht die Schilddrüse und was ist die Ursache einer Überfunktion?
Die Schilddrüse produziert Hormone, die den Stoffwechsel regulieren – vergleichbar mit dem “Gaspedal” des Körpers. Diese Hormone beeinflussen Herzfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur und viele weitere Prozesse. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produzieren gutartige Wucherungen des Schilddrüsengewebes, wie eine multinoduläre adenomatöse Hyperplasie oder Schilddrüsenadenome, zu viele dieser Hormone. Nur in seltenen Fällen steckt ein bösartiger Tumor dahinter.
Die genauen Gründe für die Zunahme von Schilddrüsenwucherungen bei Katzen in den letzten Jahrzehnten sind noch nicht vollständig geklärt. Theorien reichen von Umwelteinflüssen wie Flammschutzmitteln (PBDEs) bis hin zu Ernährungsfaktoren oder Immunerkrankungen.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen
Ein überaktiver Stoffwechsel zeigt sich bei betroffenen Katzen durch eine Reihe von Symptomen. Dazu gehören gesteigerte Unruhe und Aktivität, ein starker Heißhunger trotz oft sichtbaren Gewichtsverlusts bis hin zur Auszehrung. Weitere häufige Anzeichen sind:
- Gesteigerter Durst und häufiger Harndrang
- Veränderungen am Fell (Haarausfall, stumpfes Fell)
- Erbrechen und Durchfall
- Aggressives Verhalten
- Schwäche oder Lethargie
- Appetitlosigkeit
Diagnose durch den Tierarzt
Die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung und Blutuntersuchung. Ein vergrößerte, tastbare Schilddrüse ist ein wichtiges Indiz. Bei der Blutuntersuchung wird primär der T4-Wert (Thyroxin) bestimmt, der bei einer Überfunktion meist erhöht ist. In zweifelhaften Fällen können weitere Tests wie die Bestimmung von freiem T4 oder ein T3-Suppressionstest Klarheit schaffen. Ein großes Blutbild und ein Serumprofil sind zudem wichtig, um Begleiterkrankungen, insbesondere der Nieren und Leber, zu identifizieren.
Mögliche Komplikationen
Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu ernsthaften Komplikationen führen. Dazu zählen Herzerkrankungen wie Verdickung des Herzmuskels (hypertrophe Kardiomyopathie), die im schlimmsten Fall zu Herzversagen führen können. Da die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion eine bestehende Niereninsuffizienz verschleiern können, ist es wichtig, die Nierenfunktion während der Behandlung genau zu überwachen. Magen-Darm-Beschwerden und ein erhöhter Blutdruck, der zu Sehstörungen führen kann, sind weitere mögliche Folgen.
Behandlungsmöglichkeiten
Zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion stehen mehrere Optionen zur Verfügung:
Medikamentöse Behandlung
Die Gabe von Medikamenten (Thyreostatika) unterdrückt die Hormonproduktion. Diese Wirkstoffe blockieren den Einbau von Jod in die Hormonmoleküle und sind in der Regel gut verträglich. Die Behandlung muss lebenslang erfolgen, solange die Medikamente eingenommen werden. Nebenwirkungen sind selten und meist mild.
Diätetische Behandlung
Eine spezielle Diät mit reduziertem Jodgehalt, wie beispielsweise “Hill´s Prescription Diet Feline y/d”, kann die Hormonbildung reduzieren und stellt eine jodgegnerierte Behandlungsoption dar. Die Umstellung sollte schrittweise und in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.
Chirurgische Entfernung
Die operative Entfernung der Schilddrüse führt zur Heilung der Erkrankung, birgt jedoch Risiken wie einen Kalziummangel oder eine daraus resultierende Schilddrüsenunterfunktion, die eine lebenslange Hormonsubstitution erfordert. Diese Option wird insbesondere bei bösartigen Tumoren in Betracht gezogen.
Radiojodtherapie
Die Behandlung mit radioaktivem Jod ist eine sehr effektive Methode zur Heilung der Schilddrüsenüberfunktion, indem sie das überschüssige Schilddrüsengewebe zerstört. Diese Methode ist jedoch nur an spezialisierten Kliniken verfügbar und erfordert einen kurzen Klinikaufenthalt der Katze.
Wichtige Hinweise zur Behandlung
Bei der Behandlung mit Medikamenten ist die regelmäßige Verabreichung zur selben Tageszeit entscheidend. Vergessene Dosen sollten nach Möglichkeit zeitnah nachgeholt werden, um den Behandlungsplan nicht zu stören. Bei auftretenden Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion (z.B. Mattigkeit, Appetitlosigkeit) muss die Dosierung angepasst werden. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um den Behandlungserfolg zu überwachen und eventuelle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Die Umstellung von Medikamenten auf eine Diät wie Hills y/d sollte stets unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen, um Risiken wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Wiederauftreten der Überfunktion zu vermeiden.

