Die Sarkoidose ist eine komplexe autoimmunologische Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Diese Fehlregulation führt zur Bildung von gutartigen Gewebeknötchen, sogenannten Granulomen, die sich bevorzugt in Organen wie Lunge, Haut, Gelenken, Lymphknoten und Augen manifestieren können, grundsätzlich jedoch jedes Organ betreffen können. Dieser Artikel beleuchtet die Erkrankung detailliert und gibt Einblicke in die Behandlungsmöglichkeiten während einer Rehabilitation. corona impfung alkohol.
Was genau ist Sarkoidose?
Die akute Sarkoidose, auch bekannt als Löfgren-Syndrom, äußert sich typischerweise durch eine Entzündung der Sprunggelenke, schmerzhafte Knötchen an den Unterschenkeln, vergrößerte Lymphknoten der Lunge und Fieber. Glücklicherweise heilt die akute Form in den meisten Fällen von selbst ab und unterscheidet sich damit von der chronischen Sarkoidose. Die genaue Ursache für die Entstehung einer Sarkoidose ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine Fehlregulation der T-Lymphozyten, einer Art von Abwehrzellen, vorliegt. Warum der Körper Gewebe in Form von Granulomen bildet, bleibt unbekannt.
Diese granulomatösen Veränderungen können an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten. Die Lunge ist dabei am häufigsten betroffen. Dennoch können auch viele andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden:
- Lymphknoten
- Herz
- Peripheres Nervensystem
- Haut, Gelenke
- Knochen
- Leber
- Milz
- Augen
Eine Beteiligung des Gehirns ist äußerst selten, wird dann aber als Neurosarkoidose bezeichnet.
Symptome der Sarkoidose im Überblick
Die Symptome einer Sarkoidose sind vielfältig und hängen stark vom betroffenen Organ ab.
Allgemeinsymptome
Viele Patienten mit chronischer Sarkoidose leiden unter Abgeschlagenheit, anhaltender Müdigkeit (Fatigue), geringer Leistungsfähigkeit, leicht erhöhtem Fieber und Gewichtsverlust. Bei der akuten Sarkoidose kann hohes Fieber auftreten.
Lunge
Als am häufigsten betroffenes Organ kann die Lunge eine breite Palette von Symptomen aufweisen. Reizhusten und Kurzatmigkeit bei Belastung sind häufige Beschwerden. Vergrößerte Lymphknoten im Bereich des Mediastinums (des Raumes zwischen den beiden Lungenflügeln) können ebenfalls auftreten.
Gelenke, Knochen und Muskeln
Schmerzen in Gelenken und Muskeln sind weit verbreitet, oft jedoch ohne sichtbare entzündliche Schwellungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit. Die Schmerzen können dennoch sehr stark ausgeprägt sein. Auch die Knochen können betroffen sein, wobei Granulome insbesondere im Bereich der Wirbelsäule beobachtet werden.
Auge
Eine Entzündung der Aderhaut (Uveitis) und der Regenbogenhaut (Iris) des Auges kann die Sehkraft beeinträchtigen und erfordert eine sofortige Behandlung, um bleibende Schäden zu verhindern.
Haut
Knotige, bräunliche Hautveränderungen sind möglich, darunter auch schmerzhafte Formen wie das Erythema nodosum, das häufig an den Unterschenkeln auftritt. Weniger schmerzhafte, bräunliche Knoten können sich ebenfalls bilden, oft in Narbenbereichen.
Peripheres Nervensystem
Bei einer Minderheit der Patienten können entzündliche Veränderungen der Nervenscheiden zu Nervenschmerzen oder in seltenen Fällen zu Lähmungen führen.
Gehirn
Eine Beteiligung des Gehirns (Neurosarkoidose) ist selten, aber gravierend. Granulome im Gehirn können vielfältige neurologische Symptome verursachen.
Herz
Eine Beteiligung des Herzens ist sehr selten, führt aber zur Bildung von Granulomen im Herzmuskel, was Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche zur Folge haben kann. Die Diagnose erfordert oft eine Herzmuskelbiopsie.
Andere Organe
Grundsätzlich können fast alle Organsysteme betroffen sein. Eine systematische Untersuchung ist entscheidend, um das Ausmaß und die Aktivität der Erkrankung zu bestimmen. Erfreulicherweise verläuft die Sarkoidose bei der Mehrheit der Betroffenen gutartig.
Schematische Darstellung eines Menschen mit einer farblich hervorgehobenen Lunge.Die Lunge ist das am häufigsten betroffene Organ bei Sarkoidose. © peterschreiber.media / stock.adobe.com
Behandlung des akuten Löfgren-Syndroms
Das Löfgren-Syndrom, die typische Form der akuten Sarkoidose, ist durch starke Krankheitssymptome, Fieber, geschwollene Sprunggelenke und Erythema nodosum gekennzeichnet. Im Röntgenbild der Lunge zeigen sich vergrößerte Lymphknoten. Trotz der oft starken Beschwerden ist die Langzeitprognose meist sehr gut, und die Erkrankung heilt in vielen Fällen folgenlos aus. Bei ausgeprägten Beschwerden wird Cortison eingesetzt, das schnell Linderung verschafft, wobei die Dosisreduktion manchmal problematisch sein kann.
Zusammenhang zwischen Sarkoidose und Ernährung
Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Manifestation von Sarkoidose und der Ernährung ist nicht belegt. Alkohol kann jedoch relevant werden, wenn Basismedikamente gegen rheumatoide Erkrankungen eingenommen werden müssen. Eine entzündungshemmende Ernährung, wie sie auch bei anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfohlen wird, ist im Rahmen einer Rehabilitation ratsam und wird oft durch praktische Übungen in Lehrküchen vermittelt.
Therapien in der Rehabilitation bei Sarkoidose
Die multimodalen Therapien in der Rehabilitation zielen darauf ab, körperliche Einschränkungen positiv zu beeinflussen:
Bewegungstherapie
Bewegungs- und Sporttherapien wie Nordic Walking, Wassergymnastik oder medizinische Trainingstherapie werden eingesetzt, um Entzündungsprozesse zu reduzieren, das Immunsystem zu regulieren und Muskel- sowie Gelenkschmerzen zu lindern.
Atemtherapie
Bei Lungenbeteiligung sind Atem- und Physiotherapie essenziell zur Verbesserung der Atemmechanik und der Atemhilfsmuskulatur.
Ernährungstherapie
Patienten erhalten Schulungen zur Ernährung und lernen in Lehrküchen, wie sie durch gezielte Kost rheumatoide Entzündungen positiv beeinflussen können.
Handtherapie
Ergotherapeuten führen gezielte Handtherapien und gelenkschonende Mobilisationen durch, um Beschwerden in Händen und Gelenken zu lindern.
Krankheitsbewältigung und Schulung
Bei ausgeprägter Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) hilft eine multiprofessionelle Rehabilitation, die Symptomatik zu verbessern. Schulungsprogramme fördern das Krankheitsverständnis, helfen bei der Prognoseeinschätzung und legen langfristige Therapiekonzepte fest. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Schulungen ist ebenfalls wertvoll.
Medikamentöse Therapie
Die Rehabilitationsmaßnahmen werden stets von einer medikamentösen Therapie begleitet, die darauf abzielt, die fehlerhafte Immunreaktion zu korrigieren.
Berufsbezogene Unterstützung
Die Klärung der beruflichen Situation ist für die Krankheitsbewältigung wichtig. Bei krankheitsbedingter Unfähigkeit, den Beruf auszuüben, können Umschulungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen zur beruflichen Reintegration eingeleitet werden.
Nachsorge und Selbsthilfe
Um die Erfolge der Rehabilitation langfristig zu sichern, sollten die erlernten Inhalte fortgeführt werden. Programme wie IRENA, Funktionstraining oder Rehasport sowie Selbsthilfegruppen unterstützen die Betroffenen aktiv bei der Krankheitsbewältigung.
Reha-Indikationen bei Sarkoidose
Alle Patienten mit chronischer Sarkoidose und Personen mit einem schweren Verlauf der akuten Sarkoidose sollten eine Rehabilitation in Anspruch nehmen, um die Erkrankung nachhaltig positiv zu beeinflussen.
Fazit
Sarkoidose ist keine seltene Erkrankung, und die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Dennoch können über Jahre hinweg erhebliche Beschwerden bestehen. Daher sind neben einer medikamentösen Therapie ein multidisziplinäres Behandlungskonzept und die aktive Einbindung der Patienten entscheidend für den Therapieerfolg.
Häufige Fragen zu Sarkoidose
Wie äußert sich Sarkoidose?
Die Symptome sind vielfältig und die Diagnose oft nicht einfach. Häufige Anzeichen sind Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei der akuten Form kann Fieber ein Leitsymptom sein.
Wie gefährlich ist Sarkoidose?
In den meisten Fällen ist die Prognose gut. Entscheidend ist die Funktion der betroffenen Organe. Regelmäßige Lungenfunktionstests und Ultraschalluntersuchungen von Herz und Bauchorganen sind wichtig, um Vernarbungen (Lungenfibrose) oder andere Komplikationen auszuschließen. Je weniger innere Organe betroffen sind, desto besser die Prognose.
Wie ist die Lebenserwartung bei Sarkoidose?
Die Lebenserwartung ist meist normal, insbesondere wenn die Lungenfunktion weitgehend erhalten bleibt und andere innere Organe nicht stark betroffen sind.
Ist Sarkoidose heilbar?
Sarkoidose ist eine Autoimmunerkrankung. In vielen Fällen erkennt das Immunsystem seinen Fehler, und die Erkrankung “brennt aus”. Antientzündliche Medikamente unterstützen diesen Prozess, indem sie das Immunsystem dämpfen.
Was kann Sarkoidose verschlimmern?
Infektionen können eine Sarkoidose verschlimmern. Bei Lungenbeteiligung sollte Nikotin unbedingt gemieden werden.
Was sind die Ursachen von Sarkoidose?
Die genauen Ursachen sind unbekannt. Vermutlich ist es eine Kombination aus genetischer Veranlagung, Infektionen und Umwelteinflüssen, die das Immunsystem dazu veranlasst, körpereigenes Gewebe anzugreifen.
Quellen
- Bergner R, Korsten P. Die Sarkoidose als Systemerkrankung. Zeitschrift für Rheumatologie | Ausgabe 5/2017
- Bergner, R. Sarkoidose. ZRheumatol 2023·82:389–403
- Kreuter M, Behr J, Bonella F et al. S1 Leitlinie Interdisziplinäre Diagnostik interstitieller Lungenerkrankungen im Erwachsenenalter. AWMF Register Nr. 020 – 028
