SAP GUI für Windows 7.70: Ein umfassender Blick auf neue Funktionen und Lebenszyklus

Mit der Einführung von SAP GUI für Windows 7.70 am 29. Januar 2021 präsentierte SAP eine bedeutende Aktualisierung seiner Benutzeroberfläche, die zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen mit sich brachte. Dieses Release, dessen Support am 9. April 2024 endete, konzentrierte sich auf die Harmonisierung des Erscheinungsbilds mit anderen SAP-UI-Frameworks, die Verbesserung der Browser-Integration und die Unterstützung moderner Hardware-Konfigurationen.

Lebenszyklus und Support von SAP GUI für Windows 7.70

SAP GUI für Windows 7.70 wurde mit Microsoft Visual Studio 2019 entwickelt, dessen Mainstream-Support von Microsoft am 9. April 2024 endete. Folglich wurde auch der Support für SAP GUI für Windows 7.70 zu diesem Datum eingestellt. Die Lebenszyklen von SAP GUI für Windows 7.50 (bereits außer Support) bis 7.70 überschnitten sich, wobei für die Releases 7.60 und 7.70 etwa 14 Monate lang Patches für beide Versionen bereitgestellt wurden. Aktuelle Informationen zum Lebenszyklus finden sich stets in SAP Note 147519.

Wesentliche Neuerungen in Release 7.70

Die neue Designfamilie “Quartz”

Als Nachfolger des Belize-Designs wurde die “Quartz”-Designfamilie (basierend auf Fiori 3.0) eingeführt. Diese bietet neben einer hellen Variante auch eine dunkle Version, die von Benutzern bevorzugt werden kann, die mit einem dunklen Hintergrund arbeiten. Insgesamt stehen vier Quartz-Designs zur Verfügung:

  • Quartz (Hell)
  • Quartz High Contrast White
  • Quartz High Contrast Black
  • Quartz Dark

Standardmäßig wird bei der Installation von SAP GUI für Windows 7.70 das Quartz-Design verwendet, wobei die helle oder dunkle Variante je nach Windows-Einstellungen gewählt wird. Ältere Designs bleiben weiterhin verfügbar und werden nicht entfernt.

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Die Quartz-Designs bieten unter anderem:

  • Unterstützung für Fiori-Features (für SAP S/4HANA-Systeme), ähnlich wie bei Belize.
  • Unterstützung aller Funktionen der Belize-Designs, einschließlich themenspezifischer Farbgebungen.
  • Neue Zustände wie ein “Hover”-Effekt für ausgewählte UI-Elemente.
  • Verbesserte Kontraste in vielen Bereichen der Benutzeroberfläche.
  • Eine neue Monospace-Schriftart (“72 monospace”), die besser zur proportionalen Schriftart (“72”) passt.
  • Die Hauptmenüleiste ist standardmäßig wieder sichtbar.
  • Der neue ABAP Editor kann ebenfalls themenspezifische Farben nutzen, wenn eine entsprechende Option aktiviert ist.

Das Feedback zum Quartz-Design fiel positiver aus als zum Vorgänger Belize. Bei der Verwendung von Quartz Dark sind jedoch bestimmte SAP Notes zu beachten.

Edge (WebView2 Control) als alternative Browser-Steuerung

Bisher nutzte das SAP GUI HTML Control ausschließlich die Microsoft Internet Explorer Control. Angesichts der Nachteile des Internet Explorers – eingeschränkte Kompatibilität mit modernem Web-Content, Leistungsprobleme und die Unsicherheit bezüglich des Support-Lebenszyklus – wurde in Release 7.70 das Microsoft WebView2 Control (basierend auf Chromium Edge) als Alternative integriert. Das WebView2 Control ist nicht Teil der SAP GUI-Installation und muss separat installiert werden. Updates erfolgen über die regulären Microsoft-Kanäle.

Obwohl das Internet Explorer Control zunächst die Standardeinstellung bleibt, kann über die SAP GUI-Optionen “Edge (based on Chromium)” ausgewählt werden. Dies ermöglicht ein modernes Browsing-Erlebnis innerhalb von SAP GUI. Es gibt Unterschiede zwischen Edge und Internet Explorer, wie z.B. die fehlende Navigationsleiste beim externen Öffnen von URLs in Edge. Um eine “Mixed-Mode”-Nutzung zu ermöglichen, können Administratoren über SAP Note 2957665 einen Fallback auf Internet Explorer für bestimmte Systeme oder Transaktionen definieren.

64-Bit-Versionen der NWRFC-Steuerungen

SAP GUI 7.70 bietet erstmals 64-Bit-Versionen der Steuerungen Logon Control, Function Control, BAPI Control und Table Factory Control. Diese können parallel zu den 32-Bit-Versionen installiert werden und ermöglichen die Nutzung dieser Steuerungen aus 64-Bit-Prozessen, wie z.B. Microsoft Excel 64-Bit. Dies ist insbesondere für die verstärkte Nutzung von 64-Bit-Office-Editionen relevant.

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Unterstützung für Multi-Monitor-Skalierung

Frühere SAP GUI-Versionen unterstützten die Skalierung nur basierend auf den Einstellungen des primären Monitors. Bei mehreren Monitoren mit unterschiedlichen Skalierungseinstellungen konnte dies zu Anzeigeproblemen führen, z.B. bei der Einbettung von SAP GUI in den SAP Business Client oder Microsoft Internet Explorer. Mit Release 7.70 kann die Multi-Monitor-Skalierung in den SAP GUI-Optionen aktiviert werden, um diese Probleme zu lösen. Dies erfordert eine ausreichend neue Windows-Version und ist für Belize und Quartz-Designs verfügbar. Die Implementierung ist komplex und erfordert möglicherweise Anpassungen von externen ActiveX-Komponenten.

Ein weiteres Problem betraf die fehlerhafte Größenbestimmung von Zellen in Splitter-Containern bei hoher Auflösung, was zu abgeschnittenen Buttons führte. Dies lag oft an ABAP-Anwendungen, die Zellhöhen/-breiten ohne Berücksichtigung der Skalierung definierten. SAP Note 2767962 erläutert die Ursache dieses Problems.

Überlauf für Buttons in Dialogbox-Fußzeilen

Bei Dialogboxen (Popups) kann es vorkommen, dass die Anzahl oder Breite der Buttons die maximale Dialogbreite überschreitet. Ab SAP GUI für Windows 7.70 werden in solchen Fällen nicht mehr passende Buttons in einem Überlauf-Button zusammengefasst, der über ein Kontextmenü zugänglich ist. Dies stellt sicher, dass alle Funktionen auch bei begrenztem Platz oder vielen Buttons verfügbar bleiben.

Anpassbare Fokusposition im ALV Grid Control

Der Fokus im ALV Grid Control kann nun durch einen neuen Registrierungswert gesteuert werden. Standardmäßig liegt der Fokus im Tabellenbereich. Alternativ kann der Fokus auf den Werkzeugbereich (Wert = 1) oder die Spaltenüberschrift (Wert = 2) gesetzt werden.

Unterschiedliche Hintergrundfarben für Baumstruktur-Hierarchieebenen

In neueren SAP GUI-Designs wurde die Funktion unterschiedlicher Hintergrundfarben für Hierarchieebenen in Baumstrukturen aus Designgründen entfernt. Da diese Funktion von einigen Benutzern als nützlich zur besseren Orientierung empfunden wird, wurde sie in SAP GUI für Windows 7.70 für neuere Designs (mit Ausnahme von Corbu) wieder eingeführt. Die Funktionalität ist standardmäßig inaktiv und kann gemäß SAP Note 2943146 aktiviert werden. Für das SAP Signature Theme bleibt sie standardmäßig aktiv. In High Contrast Designs wird diese Funktion nicht unterstützt.

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Verbessertes “Record and Playback”-Dialogfeld für SAP GUI Scripting

Der Dialog für die Aufnahme und Wiedergabe von Skripten wurde in Release 7.70 grundlegend überarbeitet. Er ist nun größer, besser strukturiert und merkt sich die zuletzt verwendete Position. Ein neuer Button ermöglicht die Bearbeitung des Skripts in einem Texteditor. Die Wiedergabe verwendet nun das im Eingabefeld angegebene Skript, und der Name des zuletzt aufgezeichneten Skripts wird automatisch übernommen. Die Benutzerfreundlichkeit wurde ebenfalls verbessert.

SAP Business Client Integration: Benutzertimeout

SAP GUI für Windows und SAP Business Client tauschen nun Informationen über die Benutzeraktivität aus, um Timeouts zu vermeiden, wenn der Benutzer in einem anderen Fenster oder Tab aktiv ist.

Platzhalterzeichen in Passwortfeldern

Eine neue Option “Platzhalterzeichen anzeigen” ermöglicht es, die Anzeige von Platzhalterzeichen (Punkte oder Sternchen) in Passwortfeldern zu deaktivieren. Standardmäßig bleiben die Platzhalterzeichen sichtbar.

Entfernte Funktionen in SAP GUI für Windows 7.70

In diesem Release wurden keine visuellen Designs entfernt. Lediglich ein selten genutztes Legacy-Komponente, das eine funktionale Alternative hat, wurde bereinigt. Das “Fallback”-Theme, das in früheren Versionen für SAP-Systeme ohne Fiori-Feature-Unterstützung angeboten wurde, entfällt. Das in den SAP GUI-Optionen oder über den SAP Business Client ausgewählte Theme wird nun für alle verbundenen Systeme verwendet.

Ausblick

SAP GUI für Windows 7.70 stellt eine wichtige Weiterentwicklung dar, insbesondere durch die Einführung lang erwarteter Funktionen. Das SAP-Team konzentriert sich in den kommenden Monaten auf die Behebung von Fehlern und die Schließung verbleibender Lücken, um die Stabilität und Funktionalität weiter zu verbessern.