Proxalto zahlt verspätet: Was betroffene Kunden jetzt tun können

Seit 2022 gibt es bei der Run-off-Firma Proxalto Probleme mit der Auszahlung von Ansprüchen aus früheren Generali-Verträgen. Zwar gibt das Unternehmen an, die IT-Modernisierung sei abgeschlossen, doch weiterhin klagen Kunden über verspätete Zahlungen. Verbraucherzentralen beobachten eine Besserung, aber die BaFin begleitet die Angelegenheit weiterhin eng.

Proxalto setzt Generali-Verträge fort

Proxalto ist ein Lebensversicherer, der zur Viridium-Gruppe gehört. Im Jahr 2019 übernahm die Gruppe etwa 3,8 Millionen Renten- und Lebens­versicherungs­verträge von der Generali. Diese Verträge werden bis zu ihrem Ende von Proxalto weitergeführt. Solche Unternehmen, die keine Neukunden mehr annehmen, werden als Run-off-Gesellschaften bezeichnet. Der Verkauf von Lebens­versicherungs­verträgen an solche Abwickler kann für Kunden weitreichende Folgen haben.

Anwaltliche Hilfe bringt Proxalto in die Puschen

Ein anschauliches Beispiel für die Schwierigkeiten ist der Fall von Constanze Weiß, deren private Rente im Oktober 2022 beginnen sollte. Trotzdem erfolgte die Auszahlung auch zwei Monate später noch nicht. Erst durch das Einschalten eines Anwalts floss die Rente. Auch andere Leser berichteten von fehlenden Zahlungen, darunter Doris von Borstel, Markus Schuhmann, Thomas Reintges, Dirk Jödemann und Birgit Starke.

IT-Probleme als Ursache für Verzögerungen

Laut Proxalto waren “IT-Modernisierungs”-Probleme der Grund für die Verzögerungen. Das Unternehmen erklärte im Januar 2023, die Umstellung sei “praktisch abgeschlossen”. Bereits im August 2022 hatte Proxalto gegenüber den Medien angegeben, die Umstellung sei “erfolgreich abgeschlossen” worden. Als die Problematik im Februar 2022 erstmals publik wurde, sprach das Unternehmen von einem “vorübergehenden technischen Problem”, das “schnellstmöglich behoben” werde.

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Friederike Buchholz, eine Proxalto-Kundin, rät Betroffenen: “Ich habe mich zu lange vertrösten lassen. Telefonische Auskünfte bringen wohl nichts. Eher schneller und schriftlich auf Proxalto zugehen, Fristen setzen und den Versicherungs­ombudsmann schneller ins Spiel bringen.” In ihrem Fall zahlte sich dieser Ansatz aus: Nachdem der Ombudsmann Proxalto kontaktiert hatte, erfolgte eine schnelle Reaktion und die Auszahlung wurde veranlasst.

Der Ombudsmann als Katalysator

Ähnliche Erfahrungen machten andere Kunden: Nadine Leyendecker berichtet: “Wir haben den Ombudsmann eingeschaltet. Nur deshalb ist unserer Meinung nach etwas passiert.” Thomas Hierschbiel bestätigt: “In der Tat hat Proxalto in der Zwischenzeit gezahlt. Ich hatte sowohl den Ombudsmann für Versicherungen als auch die BaFin ins Boot geholt.” Auch Patrick Lengler und Bernd Shackier konnten nach Einschaltung des Ombudsmanns oder der BaFin eine Zahlung von Proxalto erwirken.

Walli Jonas reichte sogar die Ankündigung einer Beschwerde, um ihr Geld zu erhalten. Ihre Lebens­versicherung aus dem Jahr 2001 sollte am 1. Juni 2023 zur Auszahlung kommen. Proxalto zahlte jedoch nur einen Teilbetrag aus. Nach der Androhung einer Beschwerde bei der BaFin und dem Versicherungs­ombudsmann überwies der Versicherer den ausstehenden Betrag.

“Proxalto findet seinen Weg”

Proxalto begründet die vergangenen Zahlungs­verzögerungen mit der IT-Modernisierung, die laut Unternehmenssprecherin “mittlerweile abgeschlossen” sei. Die Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt eine Abnahme der Kunden­beschwerden: “Die Probleme sind nicht mehr so massiv wie Anfang 2023”, so Sandra Klug. “Proxalto ruckelt sich zurecht”, fügt sie hinzu. Die Bundesanstalt für Finanz­dienstleistungs­aufsicht (BaFin) beobachtet die Situation weiterhin aufmerksam.

BaFin verhindert Zurich-Viridium-Deal

Die BaFin hat den Verkauf von 724.000 Lebens­versicherungs­verträgen der Zurich an Viridium im Januar 2024 gestoppt. Als Grund wurden Bedenken gegen den Mehrheits­eigner von Viridium, den Investor Cinven, angeführt. Cinven geriet bereits in die Kritik, da sein italienisches Unternehmen Eurovita in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Zudem häuften sich bei der BaFin Beschwerden über Proxalto. Die BaFin äußert sich hierzu aufgrund ihrer Schweige­pflicht nicht.

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Gesetzliche Vorgaben für Versicherer

Die BaFin hat im Januar 2023 auf ihrer Webseite klargestellt, dass Lebens- und Renten­versicherungen, die auslaufen oder gekündigt werden, keiner umfangreichen Leistungs­prüfung bedürfen. Der Versicherer ist verpflichtet, die Zahlung zum vereinbarten Termin vorzunehmen.

Unser Rat für Betroffene

Kostenvorteile durch Modernisierung?

Proxalto erwartet durch die IT-Modernisierung Kosteneinsparungen, von denen auch die Kunden profitieren sollen, indem ihre Überschuss­beteiligung steigt. Das Unternehmen betont, die “Modernisierungs­kosten in Höhe von rund 250 Millionen … allein” zu tragen und die Kunden nicht daran zu beteiligen, was in der Branche unüblich sei.

Die BaFin erklärt, dass IT-Modernisierungs­aufwendungen zwar zunächst das Ergebnis schmälern, mittel­fristig aber zu Kostenvorteilen führen können. Eine Alternative sei die Auslagerung von IT-Leistungen an Dienst­leister, wodurch Versicherungs­nehmer von den Kosten entlastet werden, aber auch nicht vollständig von den Effizienz­steigerungen profitieren. Ob die Kunden von Proxalto nachhaltig von Kostenvorteilen profitieren werden, bleibt abzuwarten.

Kunden nicht gefragt

Generali-Kunden wurden vor dem Verkauf ihres Bestandes an Proxalto nicht um ihre Zustimmung gebeten. In Deutschland ist dies gesetzlich nicht vorgeschrieben, die Zustimmung der BaFin war jedoch erforderlich, um sicherzustellen, dass die Belange der Versicherten gewahrt bleiben. In den Niederlanden haben Kunden hingegen ein Widerspruchs­recht bei der Übertragung von Versicherungs­beständen.

Haben Sie Erfahrungen mit Run-off-Firmen?

Wir suchen weiterhin nach Erfahrungs­berichten von Kunden, deren Verträge von Abwicklungs­unternehmen wie Proxalto weitergeführt werden. Wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen möchten, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an: runoff@stiftung-warentest.de.

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