Proxalto Lebensversicherung: Chaos bei der Auszahlung von Verträgen

Die Proxalto Lebensversicherung AG sorgt derzeit für erhebliches Aufsehen – und das nicht im positiven Sinne. Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher berichten von massiven Problemen bei der Auszahlung ihrer Lebensversicherungen. Ausbleibende Leistungen, mangelnde Kommunikation seitens des Unternehmens und unzureichende Antworten auf Nachfragen sind die traurige Realität für viele Betroffene. Diese Situation hat weitreichende Konsequenzen: Ausstehende Sterbegelder für Bestattungen, fehlendes Eigenkapital für Immobilienfinanzierungen und plötzlich gestoppte Rentenzahlungen belasten die Kunden erheblich. Sie haben ihre vertraglichen Pflichten erfüllt und erwarten nun zu Recht die vertraglich zugesicherten Leistungen, insbesondere in zeitkritischen Lebenslagen.

Wer steckt hinter Proxalto Lebensversicherung?

Proxalto Lebensversicherung ist Teil der Viridium AG, einem Akteur, der sich auf die Übernahme und Abwicklung von Altverträgen spezialisiert hat. Diese Altbestände stammen von etablierten Lebensversicherern, die kein wirtschaftliches Interesse mehr an diesen Verträgen haben und sie abstoßen möchten. Die Viridium Gruppe selbst ist ein Konglomerat, das von Generali, der Hannover Rück und dem Londoner Private-Equity-Unternehmen Cinven gehalten wird. Insgesamt verwaltet die Gruppe schätzungsweise knapp 5 Millionen Verträge, was sie zu einem bedeutenden, wenn auch für viele Verbraucher unbekannten, Unternehmen macht.

Das Geschäftsmodell der Run-Off-Unternehmen

Das Vorgehen, bei dem Altverträge von anderen Versicherern übernommen und abgewickelt werden, wird in der Branche als “Run-Off” bezeichnet. Kunden werden in diesem Prozess oft nicht gefragt oder nur unzureichend informiert, und sie haben keine Möglichkeit, einen neuen Vertragspartner abzulehnen. Versicherer entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für dieses Modell: Hohe Renditeversprechen aus der Vergangenheit, veraltete IT-Systeme und neue europäische Eigenkapitalvorschriften setzen sie unter Druck. Durch die Einstellung des Neugeschäfts und die Fokussierung auf die Verwaltung bestehender Verträge – manchmal auch deren Verkauf an externe Investoren – versuchen sie, die Verträge verlustarm zu beenden. Die Run-Off-Unternehmen übernehmen dabei sämtliche Rechte und Pflichten, einschließlich der Verpflichtung zur Zahlung von Garantiezinsen und zur Beteiligung der Kunden an etwaigen Überschüssen.

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Chancen und Risiken für Versicherte im Run-Off

Grundsätzlich können Run-Off-Unternehmen für Versicherte von Vorteil sein, wenn sie die Verträge effizienter verwalten als der ursprüngliche Versicherer. Schlankere Verwaltungsstrukturen und moderne IT können zu höheren Überschüssen führen, die auch den Kunden zugutekommen. Allerdings bergen Run-Off-Geschäfte auch Risiken. Nach anfänglich günstigen Übernahmen und dem Aufbau eines entsprechenden Portfolios kann sich die Geschäftspolitik ändern. Investoren, die ihre Gewinne maximieren wollen, könnten die Beteiligung der Kunden an Überschüssen auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum reduzieren. Gleichzeitig kann der Kundenservice an Bedeutung verlieren, da das Image für das Unternehmen in dieser Phase weniger relevant wird. Die aktuellen Probleme bei Proxalto deuten darauf hin, dass die übernommene Datenbasis und die IT-Systeme möglicherweise überfordert sind, was zu den gravierenden Auszahlungsschwierigkeiten führt.

Die Rolle der Aufsichtsbehörde BaFin

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Aufgabe, solche Transaktionen im Vorfeld sorgfältig zu prüfen und gegebenenfalls zu untersagen. Sie achtet auf ausreichende Kapitalmittel, ein adäquates Risikomanagement sowie die Fähigkeit des neuen Versicherers, den Bestand angemessen zu verwalten und über die notwendige Organisation und technische Ausstattung zu verfügen. Im konkreten Fall von Proxalto hält sich die BaFin bisher bedeckt. Zwar veröffentlichte sie einen Artikel zum Thema “Wenn Versicherer nicht rechtzeitig zahlen”, nannte Proxalto jedoch nicht namentlich. Der Artikel erläutert zwar die Sanktionsmöglichkeiten der BaFin, wie Zwangsgelder, macht aber auch deutlich, dass bis zum Eintreten wirksamer Maßnahmen Zeit vergehen kann. Für Kunden, die dringend auf ihre Auszahlungen warten, ist dieser Hinweis auf die eigene Beschwerdepflicht beim Versicherer und die langen Wartezeiten auf behördliche Maßnahmen wenig hilfreich.

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Was können betroffene Kunden jetzt tun?

Die aktuelle Situation bei Proxalto ist ein deutliches Warnsignal. Langfristig orientierte Versicherte sollten prüfen, ob alternative Geldanlagen wie kostengünstige ETF-Sparpläne besser zu ihren Anlagezielen passen. Eine unabhängige Beratung ist hier ratsam, um nicht nur die Vorteile, sondern auch die Nachteile einer Kündigung, wie den Verlust von Versicherungsschutzes (z.B. Todesfall- oder Berufsunfähigkeitsschutz), zu verstehen.

Für Kunden, die bereits auf ihre Auszahlungen warten, ist es ratsam, aktiv zu werden. Sie sollten den entstandenen Verzugsschaden geltelt machen und sich sowohl an den Versicherungsombudsmann als auch an die BaFin wenden, um Beschwerde einzureichen.

Es ist entscheidend, dass Verbraucher ihre Rechte kennen und diese auch einfordern. Die Probleme bei Proxalto werfen ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Prüfung von Lebensversicherungsverträgen und die Wichtigkeit eines soliden Kundenservice seitens der Versicherer.