Proxalto: Wenn die Lebensversicherung verspätet zahlt – Was Betroffene tun können

Viele Kunden der Proxalto Lebensversicherung warten auf die Auszahlung ihrer Verträge, die sie einst bei der Generali abgeschlossen haben. Seit 2022 gibt es Berichte über erhebliche Verzögerungen. Doch es gibt Wege, wie Betroffene ihr Recht durchsetzen können. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und Lösungsansätze für ein Problem, das viele auf die Geduldsprobe stellt.

Proxalto, ein Unternehmen der Viridium-Gruppe, hat 2019 die Verwaltung von rund 3,8 Millionen Renten- und Lebensversicherungsverträgen der Generali übernommen. Diese Verträge werden bis zum Ende ihrer Laufzeit fortgeführt, ohne dass Neugeschäft betrieben wird – ein sogenanntes Run-off-Geschäft. Obwohl das Unternehmen von “einzelnen Kundengruppen” spricht, mehren sich die Beschwerden über ausbleibende Auszahlungen. Die Verbraucherzentrale Hamburg und betroffene Kunden berichten von erheblichen Problemen, die jedoch durch gezielte Maßnahmen angegangen werden können.

Die Herausforderungen bei Proxalto

Die Probleme bei Proxalto scheinen hauptsächlich auf eine tiefgreifende IT-Modernisierung zurückzuführen zu sein. Das Unternehmen hat wiederholt erklärt, die Umstellung sei abgeschlossen, doch die Auszahlungsverzögerungen hielten an. Dies führte zu Frustration bei vielen Versicherten, wie die Fälle von Constanze Weiß und Leo Gieding zeigen. Erst die Einschaltung eines Anwalts brachte die verspätete Rentenzahlung auf den Weg. Auch zahlreiche andere Leser berichteten von ähnlichen Erfahrungen mit ausbleibenden Zahlungen.

Die IT-Problematik wurde von Proxalto als “vorübergehendes technisches Problem” bezeichnet, das schnell behoben werden sollte. Die Realität sah jedoch anders aus, und viele Kunden fühlten sich lange vertröstet.

Wege zur Durchsetzung der eigenen Ansprüche

Kunden, die von Zahlungsproblemen bei Proxalto betroffen sind, haben mehrere Möglichkeiten, ihr Recht geltend zu machen:

  • Beschwerde beim Versicherungsombudsmann: In vielen Fällen hat die Einbeziehung des Versicherungsombudsmanns zu einer schnellen Reaktion seitens Proxalto geführt. Kunden wie Friederike Buchholz und Nadine Leyendecker bestätigen, dass nach Kontaktaufnahme durch den Ombudsmann die Auszahlungen erfolgt sind.
  • Beschwerde bei der Bafin: Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist involviert. Eine Beschwerde bei der Bafin kann zusätzlichen Druck auf den Versicherer ausüben. Thomas Hierschbiel und Patrick Lengler berichten von positiven Erfahrungen nach der Information der Bafin.
  • Fristsetzung und Anwaltdrohung: Wie das Beispiel von Constanze Weiß zeigt, kann die Hinzuziehung eines Anwalts oder die klare Androhung einer Beschwerde bei den Aufsichtsbehörden die Auszahlung beschleunigen. Auch Walli Jonas konnte durch die Ankündigung einer Beschwerde die Auszahlung des ausstehenden Betrags erwirken.
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Proxalto erklärt Besserung und verspricht Kostenvorteile

Eine Sprecherin von Proxalto versichert, dass die IT-Modernisierung nun abgeschlossen sei und die Probleme nicht mehr so massiv seien wie zu Beginn des Jahres 2023. Die Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt eine spürbare Verbesserung der Situation. Proxalto selbst prognostiziert durch die IT-Modernisierung Kosteneinsparungen in Höhe von rund 250 Millionen Euro, die nicht auf die Kunden umgelegt werden. Dies sei für die Branche unüblich, da Kunden normalerweise zur Hälfte an solchen Modernisierungskosten beteiligt werden.

Die Bafin bestätigt, dass solche IT-Modernisierungen mittelfristig zu Kostenvorteilen führen können. Sie verweist auch auf die Möglichkeit der Auslagerung von IT-Leistungen an Dienstleister, was für die Versicherungsnehmer zu anderen Kostenstrukturen führt. Ob die Kunden von Proxalto nachhaltig von diesen Kostenvorteilen profitieren werden, bleibt abzuwarten.

Rechtliche Rahmenbedingungen und internationale Vergleiche

Die Bafin hat im Januar 2023 auf ihrer Webseite klargestellt, dass bei fälligen Lebens- oder Rentenversicherungen keine umfangreiche Leistungsprüfung erforderlich sei und der Versicherer die Zahlung “zu dem vereinbarten Termin” vornehmen müsse. Dies gilt auch ohne namentliche Nennung von Proxalto.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Zustimmung der Versicherten für den Verkauf von Versicherungsbeständen nicht zwingend erforderlich ist, gibt es in anderen Ländern flexiblere Regelungen. Ein Beispiel ist die Niederlande, wo Kunden bei Ankündigung eines Verkaufs ein Widerspruchsrecht innerhalb von 30 Tagen haben.

Was tun bei Verzug?

Wenn Proxalto oder ein ähnlicher Anbieter nicht pünktlich zahlt, sollten Betroffene nicht zögern, Beschwerde bei den zuständigen Stellen einzureichen. Die Einbeziehung des Versicherungsombudsmanns und der Bafin hat sich als wirksam erwiesen.

Zudem können bei verspäteten Auszahlungen Verzugszinsen geltend gemacht werden. Diese liegen aktuell 5 Prozentpunkte über dem Basiszins.

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Die Situation bei Proxalto zeigt, wie wichtig es für Versicherungsnehmer ist, ihre Rechte zu kennen und aktiv zu werden, wenn Zahlungen ausbleiben. Die Erfahrungen vieler Kunden deuten darauf hin, dass Geduld und Hartnäckigkeit, oft unterstützt durch externe Stellen, zum Erfolg führen können.