Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar wirft ihre Schatten voraus und die Spannung steigt, insbesondere vor dem mit Spannung erwarteten Achtelfinale zwischen Portugal und der Schweiz. Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer und renommierter Fußballexperte, hat sich intensiv mit den teilnehmenden Nationen auseinandergesetzt und teilt seine Einblicke mit dem SPORTbuzzer. Gemeinsam mit einem Team von neun Analysten hat Baum die taktischen Feinheiten der WM-Teams seziert und gibt nun eine detaillierte Einschätzung zu den Achtelfinalpartien. Im Fokus steht dabei die Begegnung zwischen dem portugiesischen Starensemble und der disziplinierten Schweizer Nationalmannschaft.
Der 43-jährige Baum, der während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv ist, beleuchtet die Stärken und Schwächen beider Teams, potenzielle Haken und worauf die Zuschauer achten sollten. Seine Analyse verspricht tiefgehende Einblicke in die strategischen Ausrichtungen, die über den Einzug ins Viertelfinale entscheiden könnten.
Portugals Stärken und Schwächen im taktischen Fokus
Portugal, bereits für das Achtelfinale qualifiziert, hat im Laufe der Vorrunde trotz einiger Rotationen im Kader eine beeindruckende Offensivkraft demonstriert. Dennoch offenbart eine genauere Betrachtung taktische Schwachstellen, die gerade in der K.o.-Phase eklatant werden können. Nach einem frühen Führungstor gegen Südkorea zeigte sich eine wiederkehrende Anfälligkeit der Portugiesen: Tore nach Standardsituationen und insbesondere in Fünf-Meter-Raum-Nähe. Dies deutet auf eine mangelnde Abstimmung in der Defensive und möglicherweise auf ein nachlassendes Tempo in der Abwehrkette hin, wie es bei erfahrenen Verteidigern wie Pepe und Ruben Dias zu beobachten war.
Die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidiger wird von Portugal oft freigelassen, was gefährliche Hereingaben ermöglicht. Auch im defensiven Umschaltspiel zeigten sich Lücken, die Südkorea zum entscheidenden Siegtreffer nutzte. Diese Schwächen in der Rückwärtsbewegung könnten gegen eine gut organisierte Schweizer Mannschaft zum Verhängnis werden.
Die portugiesische Offensive ist jedoch eine Waffe für sich. Mit Spielern wie Bruno Fernandes, Cristiano Ronaldo (auch als Einwechselspieler), Joao Félix und Bernardo Silva verfügt das Team über individuelle Klasse, die in Eins-gegen-Eins-Situationen schwer zu verteidigen ist und für gegnerische Abwehrreihen stets eine Gefahr darstellt.
Die Schweiz: Disziplin, Organisation und Offensivvarianten
Die Schweizer Nationalmannschaft präsentierte sich in der Vorrunde als ein starkes Kollektiv, das trotz zweier Gegentore nach Ballverlusten im Aufbau eine gute Organisation zeigte. Im entscheidenden Spiel gegen Serbien, das im 4-2-3-1-System agierte und mindestens ein Unentschieden zum Weiterkommen benötigte, entwickelte sich eine intensiv geführte Partie mit wechselnden Führungen. Die Eidgenossen mussten zwar Gegentreffer nach schnellen Umschaltmomenten der Serben hinnehmen, bei denen Manuel Akanji im Strafraum teilweise zu viel Raum ließ, doch die Mannschaft zeigte Comeback-Qualitäten.
Der Einzug ins Achtelfinale wurde durch zwei Tore vor und nach der Halbzeit gesichert. Auffällig ist, dass ein Großteil der Angriffe (76%) durch die Mitte über Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Djibril Sow lief. Die Schweiz ist jedoch ebenso gefährlich durch Durchbrüche über die Außenbahnen mit Ricardo Rodríguez und Silvan Widmer, die flach zurück gespielte Hereingaben ermöglichten. Dreh- und Angelpunkt in der Offensive ist Breel Embolo, der mit zwei Toren als Ziel- und Wandspieler fungiert, Bälle in der Box festmacht und seine Mitspieler einsetzt. Sein Tempo erlaubt ihm zudem tiefe Läufe in den Rücken der gegnerischen Abwehrkette.
Mögliches Spielszenario: Ein taktisches Duell erwartet
Für das Achtelfinale zwischen Portugal und der Schweiz erwartet Manuel Baum ein taktisch geprägtes Spiel. Die Schweizer werden voraussichtlich mit einer gut organisierten Defensive im Mittelfeldpressing beginnen, um den Raum eng zu halten und die gefährliche portugiesische Offensive einzuschränken. Gelingt es ihnen, im Mittelfeld Ballgewinne zu erzielen, verfügen sie mit Embolo und Ruben Vargas über genügend Tempo im Umschaltspiel, um hinter die portugiesische Abwehr zu gelangen. Insbesondere Xhaka, Shaqiri und Remo Freuler werden als aggressive Balleroberer und Zuspieler gefordert sein. Eine besondere Bedeutung könnte die Phase nach der 60. Minute haben, da Portugal in den letzten Spielen in Passgenauigkeit und Ballbesitz abgebaut hat.
Portugal wird sich hingegen auf seine offensiven Qualitäten verlassen, um durch individuelle Klasse im Eins-gegen-Eins Lücken in der Schweizer Abwehr zu reißen. Manuel Akanji wird gefordert sein, seine Stellungsfehler zu minimieren. Gleichzeitig müssen die Außenverteidiger Portugals, wie Dalot, Guerreiro oder Cancelo, für offensive Akzente sorgen und in den Rücken der Schweizer Kette stoßen.
Baums Tipp: Ein enges Spiel, das durchaus in die Verlängerung gehen könnte. Sollte Cristiano Ronaldo zum Einsatz kommen, bietet sich für die Fußball-Legende eine weitere Gelegenheit, sich in Szene zu setzen.

