Verbrannte Wälder: Die dunkle Seite der Holzpellet-Subventionen

Die Europäische Union fördert die Verbrennung von Holzbiomasse als „erneuerbare Energie“, doch die Realität sieht düster aus: Ganze Waldstücke verschwinden bereits für die Pelletindustrie, während Biodiversität und Klima leiden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert ein dringendes Umdenken in der Energiepolitik. Hier erfahren Sie mehr über nachhaltige Energiequellen.

Jährlich subventionieren die EU-Mitgliedsstaaten die Holzverbrennung mit rund 17 Milliarden Euro. Holzbasierte Energie macht fast 40 Prozent des erneuerbaren Energiemixes in Europa aus. Die Pelletindustrie behauptet oft, nur Reststoffe zu verwenden, doch zahlreiche Beweise deuten auf eine verfehlte Energiepolitik hin, die Mensch und Wald gleichermaßen schadet.

Die Wahrheit hinter dem „Holzrest“-Mythos

Der weltweit größte Pelletproduzent, Enviva, betreibt zahlreiche Fabriken an der US-amerikanischen Südostküste. Diese Region ist ein international anerkannter Hotspot der Biodiversität mit einzigartigen Pflanzenarten. Entgegen der Behauptung, nur Forstwirtschaftsabfälle oder sturmgeschädigte Bäume zu nutzen, belegen Umweltschützer wiederholt, dass Enviva gezielt gesunde Bäume fällt und zu Pellets verarbeitet. Eine Aktivistin aus den USA berichtet: „Wenn ich in diesen Wäldern Orte besuche, wo Holz für Pellets geerntet wurde, habe ich oft das Gefühl, dort hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich sehe fast kein Leben mehr dort, nur Zerstörung.“ Ähnliche Fälle von Kahlschlägen, teilweise auch aus Schutzgebieten, gibt es aus Estland und Rumänien.

Ein ehemaliger Enviva-Mitarbeiter enthüllte gegenüber Mongabay: „Das Unternehmen sagt, dass wir hauptsächlich Abfälle wie Äste, Baumkronen und Totholz zur Herstellung von Pellets verwenden. Das ist ein Witz. Wir verwenden zu 100 % ganze Bäume für unsere Pellets. Die Dichte der Pellets ist entscheidend. Die bekommt man von ganzen Bäumen, nicht von Abfällen.“ Zudem ist die Definition von „Resten“ fragwürdig. Selbst krumme Bäume, die sich nicht zum Sägen eignen, werden als Rest deklariert. Diese Holzreste im Wald erfüllen jedoch wichtige ökologische Funktionen als Nährstoff- und Wasserspeicher und Lebensraum für zahlreiche Organismen.

Weiterlesen >>  Kreuzfahrtschiffe: Umweltverschmutzung – Gefahr für Klima und Gesundheit

Kraftwerke und die Folgen für die Umwelt

Die Subventionen für Biomasse haben zu einem starken Anstieg von Holzverbrennungsanlagen in Europa geführt. Viele Kohlekraftwerke wurden umgerüstet oder nutzen Holz im sogenannten Co-Firing. Das weltweit größte umgerüstete Kohlekraftwerk, Drax in England, bezieht ebenfalls Pellets aus den USA und Kanada. BBC-Reportagen deckten dort Kahlschläge in Primärwäldern auf. Drax wird zudem in den USA „Umwelt-Rassismus“ vorgeworfen, da seine Pelletfabriken die Luftqualität in einkommensschwachen Gemeinden mit mehrheitlich schwarzer Bevölkerung verschmutzen. Für diese Praxis erhält Drax täglich hohe Subventionen, die anderweitig für nachhaltige Projekte fehlen würden. Die Auswirkungen von Co-Firing werden hier detailliert beleuchtet.

Deutschland und der drohende Import von Waldrodungspellets

Obwohl Deutschland bisher hauptsächlich Pellets aus Sägespänen der heimischen Holzindustrie nutzt, beginnt der Wandel. Enviva beliefert seit 2022 auch deutsche Kunden. Das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, das denselben Eigentümer wie Enviva hat, plant die Umstellung auf Holzverbrennung und würde jährlich bis zu 2,9 Millionen Tonnen Pellets importieren – fast die gesamte aktuelle deutsche Pelletproduktion.

Eine Studie des IFEU-Instituts im Auftrag des NABU zeigt, dass die deutsche Industrie bis zu 30 Millionen Tonnen Holz pro Jahr für die Energiegewinnung benötigen könnte, wenn aktuelle Pläne umgesetzt werden. Dies verdeutlicht den wachsenden Druck auf heimische Wälder und den potenziellen Anstieg von Importen aus Rodungen.

Der NABU fordert eine Kurskorrektur

Wälder sind entscheidend für den Klimaschutz. Die Verbrennung von Holz ist unterm Strich sogar klimaschädlicher als Kohle und sollte keine Nachhaltigkeitsförderung erhalten. Der NABU fordert daher die sofortige Beendigung der Praxis, Holzverbrennung von der CO₂-Bepreisung auszunehmen. Dies würde den finanziellen Anreiz zur Energiegewinnung aus Holz erheblich reduzieren.

Weiterlesen >>  Nachhaltigkeit im Büro: Einfache Schritte zu einem umweltfreundlichen Arbeitsplatz

Zudem darf die Energiegewinnung aus Primärholz, also Holz direkt aus dem Wald, nicht länger als erneuerbare Energie anerkannt und gefördert werden. Die Verhandlungen auf EU-Ebene laufen, doch mächtige Lobbys und waldreiche Länder wie Schweden und Finnland drohen, Fortschritte zu verhindern. Umso wichtiger ist ein entschlossenes Eintreten der deutschen Regierung für den Erhalt unserer Wälder.

Teilen Sie diesen Beitrag, um das Bewusstsein für dieses wichtige Thema zu schärfen!