Ferdinand Porsche: Ein Ingenieur prägt das 20. Jahrhundert

Ferdinand Porsche, geboren am 3. September 1875 in Maffersdorf (Böhmen), war eine prägende Figur der Automobilgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist untrennbar mit dem VW Käfer und der Gründung der Sportwagenschmiede Porsche verbunden. Doch sein Erfindungsreichtum ging weit darüber hinaus: Porsche stand für bahnbrechende Patente, Rennerfolge und Innovationen wie das erste Hybridauto und den ersten Allradantrieb. Sein Leben und Wirken sind jedoch auch eng mit der Verstrickung in das Nazi-Regime verbunden.

Frühe Jahre und elektrische Mobilität

Nach einer Lehre als Schlosser im väterlichen Betrieb begann Ferdinand Porsche 1893 bei der Elektrofirma Bela Egger & Co. in Wien. Hier entwickelte er einen Radnaben-Elektromotor, bevor er zur Wagenfabrik Jacob Lohner & Co. wechselte. Dort entstand 1901 der “Lohner-Porsche”, ein Elektroauto mit Radnabenantrieb, das auf der Pariser Weltausstellung gefeiert wurde. Dieses Fahrzeug, von Porsche “Semper Vivus” genannt, machte ihn zu einem Pionier der Elektromobilität. Mit vier Radnabenmotoren war es zudem das weltweit erste Fahrzeug mit Allradantrieb.

Im selben Jahr präsentierte Porsche bei Lohner mit dem “Mixte-Wagen” das erste funktionierende Hybridfahrzeug. Dieses kombinierte einen batteriebetriebenen Radnabenantrieb mit einem Benzinmotor. Die schweren Batterien stellten jedoch einen erheblichen Nachteil dar. Das Thema Hybridantrieb sollte Porsche jedoch noch jahrzehntelang beschäftigen.

Von Wien nach Stuttgart und die Unabhängigkeit

Fast ein Vierteljahrhundert war Ferdinand Porsche als technischer Direktor für verschiedene Automobilhersteller tätig. Von 1906 bis 1923 arbeitete er für Austro-Daimler in Wiener Neustadt, später für die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim, wo er auch Mitglied des Vorstands war. Nach der Fusion von Daimler und Benz zur Daimler-Benz AG wurde sein Vertrag 1928 nicht verlängert. Porsche wechselte kurzzeitig zur Steyr-Werke AG, kehrte aber 1930 nach Stuttgart zurück.

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Mit über fünfzig Jahren, zweifacher Ehrendoktor und bereits als renommierter Konstrukteur erfolgreicher Sportwagen, machte sich Ferdinand Porsche 1931 selbstständig. Er gründete die “Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratungen für Motoren und Fahrzeuge”. Dieses Ingenieurbüro, der Vorläufer der heutigen Porsche AG, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte und erhielt bedeutende Aufträge.

Rennaction und technische Innovationen

Für die Auto Union entwarf Porsche einen Rennwagen mit einem ungewöhnlichen Mittelmotor hinter der Hinterachse. Dieser “Auto-Union-Rennwagen” (Porsche Typ 22) dominierte in den folgenden Jahren die Rennstrecken und sicherte Ferdinand Porsche einen Platz in der Automobilrenngeschichte.

Über die Jahre sammelte Porsche zahlreiche Erfindungen an, die die Automobiltechnik bis heute prägen. Dazu gehören ein umklappbares Lenkrad zur Erleichterung des Ein- und Aussteigens, eine stoßunempfindliche Spindellenkung und die Drehstabfederung. Mit einer Patentanmeldung für eine Art „Antischlupfregelung“ war er seiner Zeit weit voraus, denn diese beschreibt praktisch die heute serienmäßige Antischlupfregelung (ASC/ASR).

Der “Volkswagen” und die Kontroverse um den Käfer

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde Ferdinand Porsche zu einem der bekanntesten Ingenieure des “Dritten Reiches”. Er trat der NSDAP bei, wurde SS-Oberführer und pflegte eine enge Beziehung zu Hitler. Auf Hitlers Wunsch nach einem erschwinglichen Volksauto erhielt Porsches Büro 1934 den Auftrag zur Entwicklung des Prototyps für einen “Volkswagen”.

Die Entstehungsgeschichte des Autos, das später als VW Käfer weltberühmt wurde, ist komplex und umstritten. Ferdinand Porsche gilt zwar als “Vater” des Käfers, doch die Beiträge anderer Ingenieure wie Josef Ganz, Karl Rabe und insbesondere Béla Barényi, der später die Knautschzone erfand, sind von erheblicher Bedeutung. Auch Hans Ledwinka von Tatra entwickelte Fahrzeuge mit vielen Elementen des späteren Käfers, was zu Patentstreitigkeiten führte. Erwin Komenda, Leiter der Karosserieabteilung bei Porsche, war maßgeblich an der Karosseriekonstruktion beteiligt und als Erfinder im entsprechenden Patent von 1936 genannt.

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Kriegswirtschaft, Zwangsarbeit und Neubeginn

Während des Zweiten Weltkriegs spielte Ferdinand Porsche eine zentrale Rolle beim Aufbau des Volkswagenwerks und nutzte dabei auch Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen. Sein Unternehmen profitierte erheblich von den Aufträgen des NS-Regimes.

Gegen Kriegsende verlagerte Porsche sein Entwicklungsbüro nach Kärnten. Nach dem Krieg wurde Ferdinand Porsche im Zusammenhang mit der Übernahme von Peugeot in Frankreich mehrmals verhaftet, aber 1948 freigesprochen. Währenddessen hatte sein Sohn Ferry den Sportwagen Porsche 356 entworfen, der den zweiten Teil der Firmengeschichte einläutete. Ferdinand Porsche erlebte noch den Beginn der Serienproduktion dieses Wagens in Stuttgart-Zuffenhausen, bevor er am 30. Januar 1951 verstarb. Das von ihm gegründete Unternehmen etablierte sich als erfolgreicher Sportwagenhersteller, eine Position, die es bis heute innehat.