Die Märkte für Krypto-Assets (MiCA) stehen vor einer bedeutenden regulatorischen Neuausrichtung in Europa. Französische, österreichische und italienische Finanzmarktaufsichtsbehörden (AMF, FMA, CONSOB) haben jedoch auf die anhaltende Fragmentierung und unzureichenden Risikopräventionen im aktuellen Regelwerk hingewiesen. Dies bedroht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Akteure, sondern auch den Anlegerschutz. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden vier strategische Prioritäten formuliert, die MiCA stärken und eine einheitlichere Regulierung etablieren sollen. Diese Entwicklungen sind entscheidend für alle, die im Bereich der digitalen Vermögenswerte tätig sind oder in diese investieren möchten.
Vier strategische Prioritäten zur Stärkung von MiCA
Die Aufsichtsbehörden schlagen umfassende Änderungen vor, um die Effektivität und Kohärenz der Krypto-Asset-Regulierung in Europa zu verbessern.
1. Zentralisierte Aufsicht für bedeutende Krypto-Asset-Dienstleister
Die AMF, FMA und CONSOB fordern eine direkte Aufsicht durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) für bedeutende Krypto-Asset-Dienstleister (CASPs). Das aktuelle MiCA-Regime beschränkt sich auf eine reine Meldepflicht der nationalen Behörden an die ESMA, was die Aufsicht in ihrer Wirksamkeit und ihrem Umfang limitiert. Die Behörden plädieren für eine Übertragung von Befugnissen an die ESMA, analog zum Einheitlichen Aufsichtsmechanismus und dem Regelwerk für Emittenten von Stablecoins von erheblicher Bedeutung, die von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) beaufsichtigt werden. Diese Zentralisierung würde zu einer Vermeidung von Fragmentierung und opportunistischem Handeln zwischen Jurisdiktionen führen und gleichzeitig die Aufsichtskosten senken. Dies ist ein wichtiger Schritt, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
2. Strengere Regeln für globale Plattformen
Die Aufsichtsbehörden schlagen eine verstärkte Überwachung von Plattformen vor, die zwar außerhalb der EU ansässig sind, sich aber dennoch an europäische Investoren richten. Sie schlagen vor, dass jeder Intermediär, der im Auftrag europäischer Kunden Aufträge über Krypto-Assets ausführt, dies auf einer Plattform tun sollte, die entweder MiCA-konform ist oder gleichwertigen Vorschriften unterliegt. Aktuell erreichen einige große Plattformen mit Sitz in Drittländern EU-Kunden über Broker, die in Europa als CASPs zugelassen sind und lediglich Aufträge weiterleiten, ohne dass die Börsenplattform selbst in der EU angesiedelt ist. Dies stellt ein Schlupfloch dar, das geschlossen werden muss, um den Anlegerschutz zu gewährleisten.
3. Verbesserte Aufsicht gegen Cyberbedrohungen
Die AMF, FMA und CONSOB betonen die Notwendigkeit für CASPs, vor der Erteilung einer Zulassung eine unabhängige Cybersicherheitsprüfung durchzuführen und diese regelmäßig zu erneuern. Diese Prüfung würde unter anderem den Schutz von Vermögenswerten, die Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe und das Management von Vorfällen abdecken. Die Regulierungsbehörden schlagen vor, dass MiCA alle Kandidaten für den CASP-Status verpflichtet, Cybersicherheitsaudits durch unabhängige und kompetente Anbieter zu absolvieren, bevor sie eine Zulassung erhalten. Ziel ist es, die Einhaltung von hochmodernen Cybersicherheitsanforderungen sowie die Fähigkeit zur wirksamen Prävention und Reaktion auf Cyberangriffe zu bewerten.
4. “One-Stop-Shop” für Token-Angebote
Die AMF, FMA und CONSOB schlagen vor, das Prüfverfahren für Token-Angebote zu klären und eine Zentralisierung der Einreichung und Verwaltung von Token-Angeboten (mit Ausnahme von Stablecoins) bei der ESMA in Erwägung zu ziehen. Dies steht im Gegensatz zum aktuellen Ansatz, bei dem nationale Behörden lediglich als Vermittler fungieren. Eine solche Zentralisierung könnte den Prozess für Emittenten vereinfachen und gleichzeitig eine konsistentere Überprüfung gewährleisten.
Marktimplikationen
Krypto-Asset-Märkte sind naturgemäß grenzüberschreitend und werden heute von einigen wenigen globalen Akteuren dominiert: 90% des Handels mit Krypto-Assets konzentrieren sich auf die 10 größten Plattformen, wobei die kommerzielle Aktivität direkt über das Internet und mobile Anwendungen abgewickelt wird. Diese Vorschläge zielen darauf ab, eine effektive Aufsicht über Krypto-Assets in Europa zu gewährleisten, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Akteure zu stärken, einen besseren Schutz für Anleger zu gewährleisten und regulatorische Arbitrage zwischen den Mitgliedstaaten zu vermeiden.
Auswirkungen für Marktteilnehmer
Über die gemeinsame Mitteilung der Regulierungsbehörden hinaus deuten unsere Marktexpertise und die Überlegungen zu staatliche rentenversicherung darauf hin, dass die folgenden Konsequenzen für Krypto-Asset-Dienstleister wahrscheinlich sind. Die von der AMF, FMA und CONSOB vorgelegten Vorschläge hätten spürbare Auswirkungen auf Krypto-Asset-Dienstleister. Während eine zentralisierte Aufsicht und Cybersicherheitsaudits die Rechtssicherheit und das Anlegervertrauen stärken mögen, würden sie auch die Compliance-Kosten erhöhen. Dies könnte größeren Anbietern mit ausreichenden Ressourcen zugutekommen, während kleinere Anbieter möglicherweise Schwierigkeiten haben, die verschärften Anforderungen zu erfüllen. Langfristig könnte der europäische Markt eine weitere Konsolidierung erfahren, aber auch eine größere Glaubwürdigkeit auf internationaler Ebene gewinnen.
Zukunftsausblick
Über die Vorschläge der Regulierungsbehörden hinaus weisen unsere Analysen auf breitere Trends hin, die die Debatte über Anlegerschutz und Marktintegrität wahrscheinlich prägen werden. Mit Blick auf die Zukunft ist es auch wichtig, diese Vorschläge im breiteren Kontext der europäischen Politikagenda zu betrachten, einschließlich der Kapitalmarktunion und der Strategie für digitale Finanzen. Obwohl die gemeinsame Mitteilung der Regulierungsbehörden diesen Punkt nicht ausdrücklich ansprach, spiegelt der folgende Ausblick eine mögliche Richtung für die regulatorische Debatte angesichts der zunehmenden Hybridisierung der Märkte wider. Die zunehmende Hybridisierung von Krypto- und traditionellen Finanzanlagen könnte zukünftig dazu führen, dass Regulierungsbehörden prüfen, ob konsistentere Anlegerschutzregeln über Finanzdienstleistungen hinweg erforderlich sind. Dies könnte beispielsweise die Prüfung beinhalten, ob alle Anbieter von Krypto-Asset-Dienstleistungen verpflichtet werden sollten, Kundeninformationen zu sammeln, um deren Fähigkeit zu beurteilen, die Krypto-Asset-Produkte zu verstehen, die sie handeln möchten. Diese Empfehlungen sind Teil eines europäischen Harmonisierungsansatzes, der darauf abzielt, den Anlegerschutz zu stärken und gleichzeitig Innovation und Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Krypto-Asset-Sektor zu erhalten.

