NIO: Ein riskanter Kauf zu aktuellen Preisen?

Im März erlebten Anleger von NIO (NIO) einen turbulenten Monat, da die Aktien des chinesischen Elektroautoherstellers fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Von 9,57 US-Dollar Ende Februar fielen die Kurse bis zum Handelsschluss am 29. März auf 5,10 US-Dollar. Dieser starke Abfall war auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter enttäuschende Quartalsergebnisse und Bedenken hinsichtlich der staatlichen Subventionspolitik für Elektrofahrzeuge in China.

Die Frage, die sich Investoren nun stellen, ist, ob dies ein guter Zeitpunkt ist, um einzusteigen, oder ob man die Aktie meiden sollte. Eine genauere Betrachtung der jüngsten Entwicklungen ist unerlässlich, um diese Frage zu beantworten.

Ein schwieriges viertes Quartal trübt die Aussichten von NIO

NIO meldete am 5. März für das vierte Quartal einen Nettoverlust von 509,5 Millionen US-Dollar, was 0,49 US-Dollar pro amerikanischer Einlageaktie entspricht. Dies lag deutlich unter den Erwartungen der Wall Street, die nur einen Verlust von 0,32 US-Dollar pro Aktie prognostiziert hatten. Doch nicht nur die Quartalszahlen, auch die Prognose für 2019 sorgte für Unruhe.

Das Unternehmen gab an, dass die Nachfrage im Dezember zwar stark war, was auf eine erwartete Reduzierung der staatlichen Subventionen für Elektrofahrzeuge im Jahr 2019 zurückzuführen sein dürfte. Jedoch seien die Verkäufe im Januar und Februar eingebrochen. Dies deutete darauf hin, dass der Dezember-Anstieg die Verkäufe lediglich vorgezogen hatte und kein Zeichen für ein organisches Nachfragewachstum war.

Diese Entwicklung führte dazu, dass NIO einen stärkeren als erwarteten Rückgang der Auslieferungen im ersten und zweiten Quartal 2019 prognostizierte. Die damit verbundene Anpassung der Umsatzerwartungen war ein weiterer Grund für den Abverkauf der Aktie nach der Veröffentlichung der Ergebnisse.

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Trotz dieser Herausforderungen plant NIO die Markteinführung seines neuen SUV-Modells ES6 im Mai. Das Unternehmen hofft, dass der ES6 das Umsatzwachstum in der zweiten Jahreshälfte ankurbeln wird – vorausgesetzt, der chinesische Markt erholt sich.

Staatliche Politik als Bremse

Die Entwicklungen seit dem Bericht von NIO am 5. März haben die Unsicherheit über die kurzfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens weiter verstärkt. Neue Regelungen, die am 26. März in Kraft traten, reduzierten die staatlichen Subventionen für Käufer von Elektrofahrzeugen in China drastisch – um bis zu 75 %. Die Zentralregierung kürzte nicht nur ihre eigenen Subventionen erheblich, sondern verbot auch den regionalen und lokalen Regierungen, eigene Subventionen für Elektrofahrzeuge anzubieten.

Diese drastischen Kürzungen haben mehrere Gründe. Ein Teil davon liegt in der chinesischen Innenpolitik: Peking möchte verhindern, dass lokale und regionale Regierungen durch protektionistische Maßnahmen heimische Automobilhersteller bevorzugen. Zudem will die Regierung sicherstellen, dass aufstrebende heimische Hersteller von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden (wie NIO) nicht allein auf Subventionen angewiesen sind, um ihre Verkäufe zu steigern.

Wie sieht die Zukunft aus?

Obwohl NIOs Prognose für die Auslieferungen im ersten Quartal nicht überzeugend war, übertraf das Unternehmen seine Erwartungen am 2. April. Im März lieferte NIO 1.373 seiner Elektro-Crossover-SUVs vom Typ ES8 aus, was zu insgesamt 3.989 Einheiten im Quartal führte und damit über dem prognostizierten Bereich von 3.500 bis 3.800 lag.

Diese Zahl reicht zwar nicht aus, um übermäßig optimistisch in Bezug auf die kurzfristigen Verkaufsaussichten von NIO zu sein, stellt aber dennoch einen positiven Aspekt dar.

Fazit: Geduld ist für NIO-Investoren gefragt

NIO wird oft mit dem frühen Tesla verglichen. Dieser Vergleich trifft in mehrfacher Hinsicht zu: Ähnlich wie die Tesla-Aktien nach dem Börsengang war auch die NIO-Aktie seit ihrem Debüt an der New Yorker Börse im letzten Jahr extrem volatil.

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Rückblickend wissen wir, dass sich Teslas frühe Volatilität gelohnt hat. Werden NIO-Investoren in Zukunft ähnlich empfinden?

Derzeit ist dies schwer zu sagen. Einerseits befindet sich China mitten in einem zyklischen Abschwung der Automobilverkäufe, dem ersten seit vielen Jahren. Gepaart mit der starken Kürzung der Subventionen wird dies für ein kleines Unternehmen wie NIO eine Zeit lang schwierige Bedingungen schaffen.

Andererseits ist NIO gut finanziert, seine Produkte haben positive Bewertungen erhalten und das Unternehmen wird voraussichtlich bei Bedarf Zugang zu Finanzmitteln haben. Darüber hinaus hat NIO einen großen Vorteil gegenüber anderen aufstrebenden Elektrofahrzeugherstellern wie Rivian und Lucid: Es liefert bereits Produkte aus.

Ich neige dazu zu glauben, dass NIO diesen Sturm überstehen wird und dass sein ES6, das auf dem Papier sehr vielversprechend aussieht, dem Unternehmen einen Schub geben wird, wenn sich der chinesische Markt erholt. Wenn sich diese Einschätzung bewahrheitet, könnte NIO zu den aktuellen Preisen ein guter Kauf sein – allerdings erfordert dies wahrscheinlich Geduld und eine hohe Toleranz gegenüber Schwankungen.