Die Gesundheit unserer Katzen liegt uns am Herzen, und wenn es um ernsthafte Erkrankungen geht, ist die chronische Nierenerkrankung (CNE) eine der häufigsten und besorgniserregendsten bei Katzen. Früher oft als “chronische Niereninsuffizienz” (CNI) bezeichnet, hat die Umbenennung in CNE die Tatsache besser widerspiegeln sollen, dass die Nieren zwar erkrankt, aber nicht vollständig funktionsunfähig sind. Dennoch ist das Verständnis dieser Krankheit entscheidend für jedes Katzenbesitzers.
Was versteht man unter chronischer Nierenerkrankung?
Die Niere ist ein lebenswichtiges Organ, das für die Entgiftung des Körpers, die Regulierung des Wasser- und Salzhaushaltes sowie die Produktion wichtiger Hormone zuständig ist. Bei einer chronischen Nierenerkrankung sind die Nieren über einen längeren Zeitraum (oft Monate bis Jahre) geschädigt. Diese Schädigung ist in der Regel irreversibel und führt dazu, dass die Nieren ihre Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen können. Umgangssprachlich wird dies auch als “Nierenschwäche” bezeichnet.
Die Folgen einer CNE für Ihre Katze
Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, sammeln sich schädliche Stoffwechselprodukte wie Harnstoff im Körper an. Dies kann zu einer sogenannten Urämie führen, die sich durch Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und allgemeine Schwäche äußert. Der gestörte Wasser- und Salzhaushalt kann zu Dehydration führen, während die Beeinträchtigung des Hormonstoffwechsels Probleme wie Blutarmut und Störungen des Knochenstoffwechsels nach sich ziehen kann.
Wie entwickelt sich eine CNE?
Die Nieren bestehen aus Millionen von winzigen Filtereinheiten, den sogenannten Nephronen. Bei einer CNE fallen diese Nephrone nach und nach aus. Zunächst versuchen die verbleibenden gesunden Nephrone, den Ausfall auszugleichen, was zu einer Überlastung führen kann. Diese Überlastung erklärt, warum die Krankheit fortschreitet. Eine akute Nierenerkrankung hingegen kann nach rechtzeitiger Behandlung oft vollständig ausheilen, während eine chronische Nierenerkrankung eine fortschreitende Verschlechterung bedeutet.
Warum bleibt CNE oft lange unentdeckt?
Ein beunruhigender Aspekt der CNE ist, dass Katzen oft erst dann Symptome zeigen, wenn bereits zwei Drittel des Nierengewebes zerstört sind. Die Krankheit entwickelt sich schleichend und die frühen Anzeichen wie Müdigkeit oder leicht veränderter Appetit werden oft auf das Alter der Katze geschoben.
Symptome einer chronischen Nierenerkrankung
Achten Sie auf folgende Anzeichen bei Ihrer Katze:
- Lethargie und Schwäche: Die Katze ist schlapp, müde und weniger aktiv.
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: Die Katze frisst weniger und nimmt ab.
- Vermehrtes Trinken und Urinieren: Anzeichen für eine gestörte Nierenfunktion.
- Häufige Infektionen: Ein geschwächtes Immunsystem kann zu Erkältungen oder Harnwegsinfektionen führen.
- Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen: Können auf Urämie hinweisen.
- Haut- und Fellveränderungen: Schuppige Haut und glanzloses Fell sind möglich.
In fortgeschrittenen Stadien können Erbrechen, Krämpfe und Bewusstlosigkeit auftreten.
Diagnose durch den Tierarzt
Die Diagnose einer CNE erfolgt in der Regel durch:
- Blutuntersuchung: Messung von Werten wie SDMA, Harnstoff und Kreatinin gibt Aufschluss über die Nierenfunktion. Der SDMA-Wert kann bereits eine Nierenschädigung anzeigen, wenn noch keine klinischen Symptome sichtbar sind.
- Urinuntersuchung: Zeigt, ob die Nieren den Urin richtig konzentrieren können und ob Eiweiß ausgeschieden wird.
- Ultraschall: Kann Veränderungen der Nierenstruktur wie Schrumpfnieren aufzeigen.
Mögliche Ursachen für CNE
Die Ursachen für CNE sind vielfältig und reichen von der Anreicherung von Giftstoffen (z.B. bestimmte Pflanzen, Frostschutzmittel) über mangelnde Nierendurchblutung (z.B. bei Dehydration oder Schock) bis hin zu Immunerkrankungen, Infektionen, Nierensteinen oder erblichen Veranlagungen (wie Zystennieren). Auch das Alter spielt eine Rolle, da die Nierenreserve mit den Jahren aufgebraucht wird.
Die Bedeutung der Nierendiät
Eine spezielle Nierendiät ist ein entscheidender Baustein in der Behandlung von CNE. Sie ist so zusammengesetzt, dass sie die überlasteten Nieren entlastet und die Ansammlung schädlicher Stoffwechselprodukte im Körper minimiert.
- Angepasstes Protein: Hochwertiges, gut verdauliches Eiweiß in moderaten Mengen, um die Nieren zu schonen und gleichzeitig den Bedarf zu decken.
- Hoher Energiegehalt: Sorgt dafür, dass die Katze trotz geringer Futteraufnahme ausreichend Energie erhält.
- Reduzierter Phosphorgehalt: Ein zu hoher Phosphorspiegel im Blut ist ein Hauptfaktor für das Fortschreiten der CNE und schädigt die Knochen. Eine Nierendiät senkt diesen Wert gezielt.
- Omega-3-Fettsäuren: Können entzündungshemmend wirken und den Verdauungstrakt unterstützen.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass Katzen, die eine Nierendiät erhalten, eine deutlich längere Überlebenszeit und eine verbesserte Lebensqualität haben.
Was tun, wenn Ihre Katze nicht fressen will?
Appetitlosigkeit ist ein häufiges Symptom. Es ist jedoch essenziell, dass Ihre Katze die Nierendiät aufnimmt. Bieten Sie häufig kleine Portionen an, probieren Sie verschiedene Geschmacksrichtungen und Marken (z.B. Royal Canin, Hills, Specific) und geben Sie der Futterumstellung ausreichend Zeit. Das Anfeuchten von Trockenfutter oder das leichte Erwärmen von Nassfutter kann die Akzeptanz fördern. Appetitanregende Ergänzungen wie alfavet ReConvales Tonicum können ebenfalls hilfreich sein. Bei kompletter Nahrungsverweigerung können Elektrolytlösungen wie die Oralade Elektrolytlösung helfen, Austrocknung zu verhindern und die Nahrungsaufnahme anzuregen.
Zusätzliche Unterstützung für nierenkranke Katzen
Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um den Therapiefortschritt zu überwachen und die Behandlung anzupassen. Der Tierarzt kann zusätzliche Medikamente verschreiben, um Bluthochdruck, Magenprobleme oder Blutarmut zu behandeln. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel, wie zum Beispiel Phosphatbinder, können in Kombination mit einer Nierendiät die Nierenfunktion weiter unterstützen, insbesondere wenn die Blutwerte trotz Diät nicht optimal sind. Stellen Sie sicher, dass Ihre Katze stets Zugang zu frischem Wasser hat, um Austrocknung vorzubeugen. Vermeiden Sie zudem Stress und übermäßige Belastung für Ihre Katze.
Die richtige Pflege und Behandlung können die Lebensqualität Ihrer Katze mit chronischer Nierenerkrankung erheblich verbessern und ihr ein längeres, glücklicheres Leben ermöglichen.

