Nesselsucht: Ursachen, Symptome und wirksame Behandlung

Nesselsucht, medizinisch Urtikaria genannt, ist eine weit verbreitete Hauterkrankung, die Millionen von Menschen im Laufe ihres Lebens betrifft. Charakteristisch sind plötzlich auftretende, juckende Quaddeln auf der Haut, die an die Berührung mit Brennnesseln erinnern. In Deutschland erlebt etwa jeder Vierte im Laufe seines Lebens eine akute Nesselsucht. Die chronische Form, die länger als sechs Wochen andauert, ist seltener und tritt häufiger bei Erwachsenen zwischen 20 und 40 Jahren auf, wobei Frauen doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, die typischen Symptome und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten der Nesselsucht, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Lösungsansätze zu bieten.

Was ist Nesselsucht?

Nesselsucht ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung, die sich durch die Bildung von juckenden Quaddeln auf der Hautoberfläche auszeichnet. Diese Quaddeln sind erhabene, gerötete Hautstellen, die von starkem Juckreiz begleitet werden können.

Symptome: Juckreiz und Quaddeln

Die Leitsymptome der Nesselsucht sind intensivem Juckreiz und die charakteristischen Quaddeln. Diese Quaddeln können bis zu zwei Zentimeter groß werden und oft zu größeren, zusammenhängenden Flächen verschmelzen. Sie treten meist innerhalb von 24 Stunden wieder ab, können sich jedoch an anderer Stelle neu bilden. Bei einigen Betroffenen können zusätzlich Angioödeme auftreten, welche tiefer liegende Schwellungen im Bereich des Unterhautfettgewebes, wie Augenlider oder Lippen, verursachen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Schwellungen die Atemwege betreffen, da dies zu gefährlicher Atemnot führen kann und umgehend ärztliche Hilfe erfordert.

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Ist Nesselsucht ansteckend?

Entgegen möglicher Bedenken aufgrund des starken Juckreizes ist Nesselsucht nicht ansteckend.

Ursachen: Vielfältige Auslöser für Urtikaria

Die Ursachen für Nesselsucht lassen sich in akute und chronische Formen unterteilen.

Mögliche Ursachen einer akuten Nesselsucht:

  • Infektionen: Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilzinfektionen, insbesondere Atemwegs- oder Magen-Darm-Infekte, können Auslöser sein.
  • Allergische Reaktionen: Die Aktivierung von Mastzellen in der Haut führt zur Freisetzung von Histamin. Dies kann durch bekannte Allergene wie Pollen, Nahrungsmittel oder Insektengifte geschehen.
  • Physikalische Reize: Wärme, Kälte, Druck, Reibung oder UV-Strahlung können ebenfalls eine Urtikaria auslösen.
  • Unverträglichkeiten: Medikamente (insbesondere Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac, aber auch ACE-Hemmer gegen Bluthochdruck), Nahrungsmittel oder Zusatzstoffe können Reaktionen hervorrufen.
  • Stress: Emotionaler Stress kann bestehende Symptome verschlimmern oder als Auslöser wirken.

Ursachen einer chronischen Nesselsucht:

  • Autoimmunreaktionen: Das Immunsystem greift körpereigene Strukturen an, was zur Mastzellaktivierung führt.
  • Chronische Infekte: Anhaltende bakterielle Infekte, wie Mandel- oder Nasennebenhöhlenentzündungen, oder Magenschleimhautentzündungen durch Helicobacter pylori.
  • Pseudoallergien: Seltene Überempfindlichkeitsreaktionen auf natürliche Aromastoffe oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln.

Diagnose der Nesselsucht

Die Diagnose einer akuten Nesselsucht erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem mögliche Auslöser wie Infektionen, Medikamenteneinnahme oder Stress erfragt werden. Wichtig ist, andere Hauterkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Bei chronischer Nesselsucht ist die Expertise eines Dermatologen entscheidend, da diese Form die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die Nutzung eines Nesselsucht-Tagebuchs oder einer App kann helfen, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren und die Therapie zu optimieren.

Hausmittel zur Linderung von Nesselsucht

Während des Abklingens der akuten Symptome können einige Hausmittel Linderung verschaffen:

  • Weiter Kleidung: Locker sitzende Kleidung minimiert Reibung auf der Haut.
  • Kühlung: Kalte Duschen, feuchte Umschläge oder Cool-Packs können den Juckreiz lindern, es sei denn, die Nesselsucht wurde durch Kälte ausgelöst.
  • Backpulver: Natron in Backpulver kann durch Zugabe zu Wasser oder Bädern den Juckreiz mildern.
  • Apfelessig: Verdunnt als Umschlag oder im Bad kann Apfelessig helfen, den pH-Wert der Haut auszugleichen.
  • Pflanzliche Mittel: Salben oder Cremes mit Teebaumöl oder Ringelblume sowie Tees aus Basilikum oder Pfefferminze können beruhigend wirken.
  • Zinksalbe: Zinksalbe kann die Haut beruhigen und die Heilung unterstützen.
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Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die wissenschaftliche Wirksamkeit dieser Hausmittel nicht belegt ist und bei Verschlimmerung der Symptome stets ein Arzt konsultiert werden sollte.

Medikamentöse Behandlung

In vielen Fällen heilt akute Nesselsucht von selbst ab. Bei starkem Juckreiz kommen Antihistaminika zum Einsatz, die die Wirkung von Histamin blockieren. Wenn diese nicht ausreichen, können Kortisonpräparate oder bei hartnäckigen Fällen auch Anti-IgE-Antikörper oder Immunsuppressiva verschrieben werden.

Nesselsucht während der Schwangerschaft

Hormonelle Umstellungen sind häufig die Ursache für Nesselsucht in der Schwangerschaft, die nach der Entbindung meist wieder verschwindet. Im Normalfall ist die Erkrankung für Mutter und Kind ungefährlich, außer bei Angioödemen im Rachenraum, die zu Atemnot führen können und sofortige ärztliche Behandlung erfordern. Die Anwendung von Medikamenten wie Loratadin oder Cetirizin ist in der Schwangerschaft und Stillzeit nach ärztlicher Absprache meist unbedenklich.

Vorbeugung von Nesselsucht

Die effektivste Maßnahme zur Vorbeugung von Nesselsucht ist die Meidung bekannter Auslöser wie Kälte, Wärme, UV-Strahlung, Stress oder bestimmter Medikamente. Bei chronischer Nesselsucht ist die regelmäßige Einnahme verordneter Medikamente wichtig. Notfallmedikamente sollten bei bekannten starken allergischen Reaktionen stets mitgeführt werden.

Ein bewusster Umgang mit potenziellen Auslösern und eine frühzeitige ärztliche Beratung sind essenziell, um die Lebensqualität von Betroffenen mit Nesselsucht nachhaltig zu verbessern und das Risiko chronischer Verläufe zu minimieren.