Was ist ein Neobroker? Ein Leitfaden für deutsche Anleger

Neobroker haben die Welt des Wertpapierhandels revolutioniert und bieten insbesondere für junge, online-affine Anleger eine attraktive Alternative zu klassischen Banken und Brokern. Sie zeichnen sich durch niedrige Gebühren, benutzerfreundliche Apps und kostengünstige Sparpläne aus, was den Einstieg in den Kapitalmarkt erleichtert. Dieser Artikel beleuchtet, was Neobroker ausmacht, wie sie sich von traditionellen Anbietern unterscheiden und worauf Anleger achten sollten.

Neobroker im Vergleich zu klassischen Banken: Deutliche Kostenvorteile

Der Hauptunterschied zwischen Neobrokern und klassischen Banken liegt in den Kostenstrukturen. Während Banken oft hohe Gebühren für Sparpläne und Wertpapierorders verlangen, ermöglichen Neobroker den Handel zu deutlich günstigeren Konditionen. Bei vielen Neobrokern ist die Ausführung von ETF-Sparplänen kostenlos, was sie zu einer idealen Wahl für langfristig orientierte Anleger macht. Auch beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren sind die Gebühren bei Neobrokern meist erheblich niedriger, oft nur 1€ oder sogar kostenlos ab einem bestimmten Ordervolumen. Dies steht im starken Kontrast zu den fixen Gebühren und prozentualen Anteilen, die Banken typischerweise berechnen und die gerade bei kleineren Anlagebeträgen die Rendite schmälern können.

KostenkategorieNeobrokerBanken
ETF-SparplanMeist 0€*z.B. 1,50% der Sparrate, oft mit Mindestgebühr
Kauf-/Verkaufs-Order0€ – 1€ (abhängig von Volumen/Handelsplatz)z.B. 4,90€ + 0,25% des Ordervolumens

*Gilt oft nur für bestimmte Emittenten und Produkte.

Zinsen auf Guthaben: Eine attraktive Ergänzung

Einige Neobroker bieten Zinsen auf das Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Dies kann eine nette Zusatzrendite bringen, wenn Ausschüttungen oder Dividenden nicht sofort reinvestiert werden. Anbieter wie Trade Republic und Scalable Capital locken aktuell mit attraktiven Zinssätzen. Es ist jedoch wichtig, diese Konten nicht mit dem Notgroschen zu vermischen, um nicht in Versuchung zu geraten, kurzfristig Geld für Investments zu entnehmen.

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Einlagensicherung beachten

Bei der Nutzung von Neobrokern als Alternative zum Tagesgeldkonto für Rücklagen ist die Einlagensicherung entscheidend. Guthaben bis zu 100.000€ pro Anleger sind im Falle einer Insolvenz des Neobrokers oder der dahinterstehenden Bank geschützt.

Worauf Anleger bei Neobrokern achten sollten

Trotz der Kostenvorteile sollten Anleger bei der Auswahl eines Neobrokers einige Punkte berücksichtigen:

Kosten im Detail

Obwohl Neobroker generell günstig sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die Preisgestaltung:

  • Depotführung: Meist kostenlos.
  • Sparplanausführung: In der Regel kostenlos, abhängig von Wertpapier und Emittent.
  • Ordergebühren (Einzelkäufe/-verkäufe): Häufig zwischen 0€ und 1€, wobei Handelsplatz und Ordervolumen eine Rolle spielen können. Xetra-Orders können beispielsweise extra kosten.

Zusatzleistungen können zusätzliche Gebühren verursachen, wie z.B. die Anmeldung zu Hauptversammlungen (ca. 25€) oder die Unterstützung bei der Quellensteuererstattung (bei manchen Anbietern kostenpflichtig). Diese Gebühren sind jedoch oft auch bei klassischen Brokern üblich.

Handelsplätze und Wertpapierauswahl

Neobroker bieten oft eine eingeschränktere Auswahl an Handelsplätzen als traditionelle Broker. Dies kann sich auf die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) auswirken. Für den Handel mit gängigen ETFs und Aktien ist die Auswahl meist ausreichend, doch wer mit exotischeren Wertpapieren handeln möchte, sollte die Spreads sorgfältig vergleichen. Die Handelszeiten der Heimatbörse des Wertpapiers sind entscheidend für niedrige Spreads.

Auch die Auswahl an Wertpapieren ist bei Neobrokern tendenziell geringer. Insbesondere Anleihen sind oft nicht verfügbar. Es ist daher ratsam, vorab zu prüfen, ob die gewünschten Wertpapiere handelbar sind.

Den passenden Neobroker finden

Die Wahl des richtigen Neobrokers hängt von den individuellen Anlagezielen ab. Manche Anleger nutzen sogar mehrere Neobroker parallel, um Sparpläne getrennt von Einzelinvestments zu verwalten. Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind:

  • Anzahl der (kostenlosen) sparplanfähigen Wertpapiere.
  • Verfügbarkeit von Zinsen auf Guthaben.
  • Relevanz der Handelsplatzanzahl.
  • Kostenstruktur für Orders.
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Ein Vergleich der verschiedenen Anbieter hilft, den Neobroker zu finden, der am besten zu den persönlichen Bedürfnissen passt.

Finanzierung von Neobrokern

Neobroker finanzieren sich neben den geringeren Betriebskosten durch eine Praxis namens “Payment for Orderflow” (PfOF). Dabei zahlen Handelsplätze Provisionen an Broker, die Kundenaufträge an sie weiterleiten. Dies ist besonders bei Brokern mit einem einzigen Handelsplatz relevant.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile:

  • Geringe Gebühren für Depotführung, Sparpläne und Orders.
  • Kostengünstiger Handel auch mit kleinen Beträgen.
  • Intuitive Bedienung über App und oft auch Desktop-Version.
  • Zinsen auf Guthaben bei einigen Anbietern.

Nachteile:

  • Kein persönlicher Ansprechpartner wie bei klassischen Banken.
  • Teilweise eingeschränkte Auswahl an Handelsplätzen und Wertpapieren.
  • Kosten für bestimmte Zusatzleistungen (z.B. Hauptversammlungen).

Sicherheit bei Neobrokern

Wertpapiere im Depot gelten als Sondervermögen und bleiben stets Eigentum des Anlegers, auch im Falle einer Insolvenz des Neobrokers. Guthaben auf dem Verrechnungskonto ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000€ geschützt.

Fazit

Neobroker stellen eine ausgezeichnete Option für preisbewusste Anleger dar, die Wert auf Benutzerfreundlichkeit und niedrige Kosten legen. Sie ermöglichen einen einfachen und kostengünstigen Einstieg in die Welt der Geldanlage. Ob sie die richtige Wahl sind, hängt letztlich von den individuellen Präferenzen und Anlagezielen ab. Für langfristige Sparziele mit ETFs oder Aktien sind sie eine klare Empfehlung.