Natur und Umwelt: Einblicke in deutsche Begrifflichkeiten und ihre Bedeutung

Die Begriffe “Natur” und “Umwelt” sind im deutschen Sprachgebrauch und in der kritischen Auseinandersetzung von zentraler Bedeutung, wenngleich ihre Bedeutungen oft facettenreich und im Alltag austauschbar verwendet werden. Dies kann die Interpretation von Texten, die sich mit Umweltthemen befassen, erschweren. Dieser Artikel beleuchtet die Nuancen dieser Begriffe und ihre historische sowie kulturelle Relevanz in Deutschland.

Die Vielfalt von “Umwelt” und “Natur”

Der Begriff “Umwelt” bezieht sich in der Regel auf die Lebensbedingungen, die den Menschen umgeben. Dazu zählen Aspekte wie Luft- und Wasserqualität, Bodenbeschaffenheit, Lärmpegel und Grünflächen. Auch die Vor- und Nachteile der Urbanisierung, Umweltschäden durch Industrie und Landwirtschaft, Baustellen sowie die Auswirkungen des motorisierten Verkehrs fallen in diesen Bereich.

Im Gegensatz dazu beschreibt der Begriff “Natur” meist natürliche Räume, die von menschlichen Eingriffen unberührt sind. Hierzu gehören Flora und Fauna, die nicht durch Landwirtschaft verändert wurden und als “wild” gelten. In Deutschland und Europa sind solche weitgehend unberührten Landschaften selten geworden, mit Ausnahme von Gebieten wie den Schweizer Bergregionen, die aufgrund ihrer Steilheit schwer zugänglich sind.

Historische Wurzeln und kulturelle Prägung

Der Begriff “Natur” hat seine Wurzeln in der Antike und ist eng mit dem lateinischen “natura” und dem griechischen “physis” verbunden, die Wachstum und Fruchtbarkeit bedeuten. Der Mensch ist von Natur aus mit der Natur verbunden und auf ihre Ressourcen angewiesen. Jedoch spiegelt die heutige Verwendung des Begriffs “Natur” in Deutschland oft nicht mehr diese tiefe Verbundenheit wider und schließt den Menschen als Kontrastpol aus. Natur entwickelt und zerstört sich ständig selbst; sie wird zu einem diffusen Begriff, der ohne ein materielles Zentrum und außerhalb der menschlichen Sphäre betrachtet wird.

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Seit dem 18. Jahrhundert erlebte der Begriff “Naturgeschichte” eine Blütezeit, inspiriert von Plinius dem Älteren und seiner “Historia Naturalis”. Diese befasste sich häufig mit Geografie, Ornithologie, Mineralogie sowie späteren zoologischen und botanischen Entdeckungen, wie sie von Carl von Linné oder Georges-Louis Leclerc de Buffon dokumentiert wurden. Es ging um die Beschreibung und Klassifizierung der Natur. Gleichzeitig wurde die Metapher des sich von der Natur emanzipierenden Menschen als Fortschritt und frühe Errungenschaft der Zivilgesellschaft betrachtet.

Die Natur als Begriff ist eng mit Zeit, tiefer Zeit, dem Anthropozän und planetaren Grenzen verknüpft. Sie wird oft politisch oder gesellschaftlich genutzt, um Argumente für oder gegen den Klimawandel zu untermauern. Es gibt keine allgemeingültige europäische “Natur” oder “Umwelt”, sondern vielmehr europäische “Umwelten” im Plural. Tiere, die oft als separate Komponente der Natur angeführt werden, sind sowohl Teil der “Natur” als auch der “Umwelt”. Selbst in den frühen Phasen der deutschen Umweltbewegung in den 1970er und 1980er Jahren wurden Konzepte wie “unberührte Natur” und “Wildnis” entmystifiziert und differenziert betrachtet.

Die meisten Deutschen assoziieren mit dem Begriff “Natur” eher etwas Positives, während “Umwelt” Assoziationen mit Umweltverschmutzung, menschlichen Eingriffen und Zerstörung hervorruft. In der Romantik wurde “Natur” genutzt, um in Lyrik und Literatur das Wesen der Natur zu ergründen und Rückschlüsse auf die menschliche Natur zu ziehen, bevor Kommerzialisierung, Deregulierung und Liberalisierung viele natürliche Räume zerstörten. Wälder und Böden gehörten zu den frühesten geschädigten Räumen in der deutschen Geschichte.

“Natur” kann einerseits als Schöpfungsakt (natura naturans) verstanden werden, als eine Kraft und ein Prozess, der Leben schafft. Andererseits kann sie als materiell Geschaffenes (natura naturata) betrachtet werden. Beide Interpretationen werden je nach kulturellem Kontext unterschiedlich bestimmt.

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Als Abgrenzung zu beiden Begriffen wurde von deutschen Autoren zeitweise der Begriff “Mitwelt” bevorzugt. Dieser sollte verdeutlichen, dass Umwelt, Mensch und Natur gleichwertig und miteinander verbunden sind. Er betont auch, dass die Welt nicht hierarchisch so konstruiert ist, dass der Mensch entweder ausgeschlossen oder als Zentrum betrachtet wird. Dieser Begriff hat sich jedoch bisher nicht fest im deutschen Sprachgebrauch etabliert.

“Umwelt” – Ein modernerer Begriff mit spezifischer Bedeutung

“Umwelt” ist ein historisch jüngerer Begriff. Er wurde vom Biologen und Zoologen Jakob Johann von Uexküll (1864–1944) nach 1920 geprägt und bezieht sich auf alle Lebewesen mit ihren eigenen subjektiven Aktivitäten und Wahrnehmungen der Welt. Es ist ein hierarchischer Begriff, der auf den Menschen als Zentrum verweist. Die Vorstellung von “Umwelt”, wie wir sie heute verwenden, entwickelte sich ab den 1970er Jahren aus der Übersetzung des englischen Begriffs “environmental protection”. Dennoch definiert jedes Buch zu diesem Thema den Begriff leicht unterschiedlich.

Die Forschung zur Umwelt konzentriert sich auf die Beziehung zur Gesellschaft und zum Raum (Raum). Dies können Sphären wie die Atmosphäre oder Biosphäre sein, aber auch globale Sphären. Es ist ein subjektzentrierter Begriff, der allzu oft lokal bleibt, anstatt globale Strukturen zufriedenstellend erklären zu können. In der Arbeitsmedizin gibt es beispielsweise “Umweltzonen”, um mögliche Räume und Prozesse am Arbeitsplatz zu bewerten.

Der Begriff “Umwelt” lässt sich in drei Teile gliedern, die bei seiner Interpretation helfen:

  1. Die materielle oder substanzielle Welt (stofflich): Sie umfasst Energie und Materialien, einschließlich der Arbeitskraft des Menschen, die Nahrung als Grundversorgung benötigt.
  2. Strukturelle Umwelten: Diese Ebene beschreibt rechtliche, politische, wirtschaftliche und technische Rahmenbedingungen.
  3. Die geistige Umwelt: Dies ist der Rahmen, in dem Gesellschaft gelebt, gedacht und geglaubt wird. Sie wirft auch die Frage nach Werten auf, die üblicherweise mit Umweltschutz verbunden sind.
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Die differenzierte Betrachtung von “Natur” und “Umwelt” ist entscheidend, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch und seiner Umgebung im deutschen Kontext zu verstehen und fundierte Diskussionen über Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu führen.