Post-Covid-Syndrome: Einblicke in die Traditionelle Chinesische Medizin

Das Post-Covid-Syndrom, auch Long Covid genannt, stellt eine komplexe Herausforderung dar, bei der die Symptome nach einer akuten SARS-CoV-2-Infektion über einen längeren Zeitraum persistieren. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet solche Zustände als Ergebnis einer Dysbalance zwischen dem körpereigenen “rechten Qi” (Zhengqi), welches die Konstitution und Abwehrkraft repräsentiert, und pathogenen Faktoren (Xieqi). Diese Interaktion führt zu vielfältigen energetischen Störungen, die sich in einem breiten Spektrum von Symptomen äußern können.

Die TCM-Diagnostik und -Therapie zielen darauf ab, diese energetischen Ungleichgewichte zu identifizieren und zu korrigieren. Durch die Analyse von Zungenbefunden, Pulsdiagnostik und der detaillierten Erhebung der Krankengeschichte können spezifische Muster von Disharmonien erkannt werden, die dann mit individuell angepassten Kräuterrezepturen behandelt werden. Im Folgenden werden drei Fallbeispiele vorgestellt, die die Bandbreite der Symptome und die differenzierten Behandlungsansätze der TCM bei Post-Covid-Syndromen illustrieren. Diese Fälle beleuchten, wie die TCM durch die Wiederherstellung des energetischen Gleichgewichts zur Genesung beitragen kann.

Fall 1: Erschöpfung und kognitive Defizite nach Covid-19

Ein 57-jähriger Marketingmanager, zuvor sportlich und gesund, entwickelte nach einer SARS-CoV-2-Infektion über vier Monate nach der akuten Phase anhaltende Beschwerden. Dazu zählten eine zunehmende Erschöpfbarkeit, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen. Weiterhin bestanden ein partieller Geruchs- und Geschmacksverlust sowie chronische Sinusitis-Symptome mit zähem, gelb-grünem Schleim. Die Zunge zeigte sich leicht geschwollen mit einem gelb-schmierigen Belag, und die Pulse waren schlüpfrig.

Diagnose und Therapie nach TCM:
Basierend auf der Diagnose “heißer Schleim, der die oberen Atemwege und Sinnesöffnungen blockiert”, wurde eine modifizierte Kräuterrezeptur verordnet. Diese enthielt Substanzen wie Pinelliae Rhiz (Banxia), Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) und Poria (Fuling), um Schleim zu transformieren und das Qi zu klären. Ergänzt wurden Arzneien wie Angelicae dahuricae Rx (Baizhi) und Magnoliae Fl (Xinyi) zur Befreiung von Nase und Nebenhöhlen sowie zur Klärung des Sensoriums.

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Ergebnis:
Nach vierwöchiger Einnahme normalisierten sich die kognitiven und sensorischen Defizite, und die Schleimproduktion ließ nach. In einem Folgerezept wurden kühlende Kräuter durch stärkende Substanzen wie Codonopsis Rx (Dangshen) ersetzt, um die Erschöpfungssymptomatik weiter zu verbessern. Nach weiteren vier Wochen waren die Beschwerden vollständig abgeklungen, und die Behandlung konnte beendet werden.

Fall 2: Chronische Erschöpfung und Muskelschmerzen

Ein 59-jähriger IT-Manager entwickelte nach einer milden Zweitinfektion mit SARS-CoV-2 eine chronische Erschöpfung mit plötzlichen Energieeinbrüchen, die auch durch Ruhepausen nicht besserte. Hinzu kamen diffuse Muskelschmerzen, Schwankschwindel und kognitive Defizite mit Wortfindungsstörungen, die ihn arbeitsunfähig machten. Die Zunge war bis auf einen dünnen Belag unauffällig, die Pulse zeigten eine angedeutete Saitenform.

Diagnose und Therapie nach TCM:
Die Diagnose einer Disharmonie im Shaoyang-Bereich wurde gestellt. Eine modifizierte Rezeptur des “kleinen Bupleurum Dekokts” kam zum Einsatz, u.a. mit Bupleuri Rx (Chaihu) und Scutellariae Rx (Huangqin), um das Gleichgewicht zwischen äußerem und innerem Kreislauf zu harmonisieren. Zusätzliche Kräuter wie Acori graminei Rhiz (Shichangpu) und Agastachis Hb (Huoxiang) wurden zur Linderung der kognitiven Beschwerden und des Schwindels hinzugefügt.

Ergebnis:
Nach zehntägiger Einnahme verbesserte sich der Zustand, und eine Ergänzung mit Angelicae dahuricae Rx (Baizhi) erfolgte zur Linderung von Schnupfen. Nach weiteren drei Wochen waren die kognitiven und muskulären Beschwerden weitgehend reduziert, und die Erschöpfungssymptomatik hatte sich signifikant gebessert. Eine anschließende Behandlung mit einer modifizierten Rezeptur des “Dekokts der 6 Edlen” führte zur vollständigen Wiederherstellung des Gesundheitszustandes.

Fall 3: Schwäche, Schwindel und Herzunruhe bei vorbestehendem Mangel

Eine 38-jährige Mutter von zwei Kindern litt sieben Monate nach einer milden Covid-Erkrankung unter erheblicher Schwäche, die sie zeitweise arbeitsunfähig machte. Sie konnte ihren früheren Ausdauersport nicht mehr ausüben und klagte über gestörten Geruchs- und Geschmackssinn, Schwankschwindel und nach Anstrengung auftretende Herzunruhe mit Herzrasen, Angstzuständen und Hitzewallungen, die kardiologisch unauffällig waren. Zusätzlich bestand eine anamnestisch bekannte Neigung zu Eisenmangel und Hypermenorrhö.

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Diagnose und Therapie nach TCM:
Es wurde eine postinfektiöse Disharmonie im Shaoyang bei gleichzeitigem vorbestehenden “Blutschwäche”-Syndrom (Xue-Defizit) diagnostiziert. Zunächst wurde eine Abwandlung des “kleinen Bupleurum Dekokts” verordnet, um die Shaoyang-Störung zu behandeln. Kräuter wie Bupleuri Rx (Chaihu) und Scutellariae Rx (Huangqin) wurden eingesetzt, ergänzt durch Substanzen wie Ginseng Rx (Renshen) und Polygalae Rx (Yuanzhi) zur Stärkung. Nach Abklingen der akuten Symptome wurde eine Modifikation des “Dekokts der 8 Juwelen” (Bazhen Tang) zur Stärkung des Blutes und der Energie verordnet.

Ergebnis:
Die Behandlung mit dem “Dekokts der 8 Juwelen” wurde über zwölf Wochen eingenommen. Im Verlauf normalisierten sich die Schwächesymptomatik und die Unruhezustände. Die Patientin konnte ihr Ausdauertraining wieder aufnehmen, und die Behandlung konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Es liegt kein Interessenkonflikt der Autorin C. Thede vor. Die vorgestellten Fälle basieren auf klinischer Erfahrung und traditionellen Diagnoseverfahren der TCM.