Nahrungsergänzungsmittel: Sinnvoll oder überflüssig? Ein Ratgeber

Viele Menschen erhoffen sich durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) ein Plus an Gesundheit, Fitness und allgemeinem Wohlbefinden. Doch stellt sich die Frage: Muss ein gesunder Mensch seine Ernährung wirklich mit Pillen, Pulvern oder Flüssigkeiten ergänzen? Wer benötigt diese Präparate tatsächlich, und kann ein Zuviel sogar schädlich sein?

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist in erster Linie dann sinnvoll, wenn ein nachgewiesener Mangel an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen ausgeglichen werden muss. Ein solcher Mangel kann in der Regel durch eine gezielte Blutdiagnostik beim Arzt festgestellt werden. Eine ärztlich verordnete Labordiagnostik kann insbesondere für Personen ratsam sein, die über ihre normale Ernährung nicht genügend Nährstoffe aufnehmen oder sich in einer besonderen gesundheitlichen Situation befinden. Auch eine Ernährungsberatung kann dabei helfen, potenzielle Mängel aufzudecken.

Grundsätzlich weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung in Deutschland für gesunde Menschen in der Regel ausreichend Nährstoffe liefert. Dennoch gibt es bestimmte Risikogruppen, bei denen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen wird, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Beispiele für den sinnvollen Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln

Es gibt spezifische Situationen und Personengruppen, für die Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Ergänzung darstellen können:

  • Ernährungsdefizite: Menschen, die aufgrund von Unverträglichkeiten, Allergien oder sehr restriktiven Diäten, wie beispielsweise einer rein veganen Ernährung, Schwierigkeiten haben, alle notwendigen Nährstoffe aufzunehmen, können von Ergänzungsmitteln profitieren. Ein klassisches Beispiel ist Vitamin B12 für Veganer. Schwangeren wird oft Folsäure empfohlen, da diese essenziell für die gesunde Entwicklung des Embryos ist und über die Nahrung allein nicht immer ausreichend gedeckt werden kann.
  • Gesundheitsstatus: Bei bestimmten Erkrankungen oder gesundheitlichen Einschränkungen kann eine zusätzliche Nährstoffzufuhr notwendig sein. So wird beispielsweise Vitamin D besonders für Personen empfohlen, die sich wenig in der Sonne aufhalten, aber auch für Säuglinge, die noch keine ausreichende körpereigene Vitamin-D-Produktion für den Knochenaufbau haben.
  • Sport und Aktivität: Leistungssportler können in bestimmten Phasen von zusätzlichen Nährstoffen profitieren, um ihre Leistungsfähigkeit zu unterstützen und die Regeneration zu beschleunigen. Hierzu zählen beispielsweise Kohlenhydrat-Protein-Mischungen nach intensiver Belastung oder auch Präparate wie Kreatin, Koffein oder Natriumbicarbonat.
  • Jodiertes Speisesalz: Die DGE empfiehlt für alle Personen ohne Schilddrüsenüberfunktion die Verwendung von Speisesalz mit Jodzusatz, um die Jodversorgung zu sichern.
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Der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln: Evidenzbasierte Erkenntnisse sind rar

Obwohl in Deutschland jährlich über eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben wird, beruht der Nutzen vieler dieser Präparate – über die genannten Ausnahmen hinaus – leider nicht auf soliden wissenschaftlichen Beweisen. Oftmals stehen hinter dem Kauf der Wunsch, eine einseitige Ernährung, Zeitmangel beim Kochen oder Stress auszugleichen, oder auch das Bedürfnis, das eigene Gewissen zu beruhigen. Manche Anwender hoffen auf eine Stärkung des Immunsystems, mehr allgemeine Fitness, Unterstützung bei der Gewichtsreduktion oder Linderung von Beschwerden.

Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass beispielsweise die Einnahme von Vitamin C oder Zink Erkältungen nicht nachweislich verhindern oder verkürzen kann. Auch die versprochene Unterstützung der Fettverbrennung durch bestimmte freiverkäufliche Tabletten ist wissenschaftlich nicht belegt.

Zudem kann eine Überdosierung von bestimmten Nährstoffen schädlich sein und unerwünschte Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen. Im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C und den B-Vitaminen, die bei einem Überschuss einfach ausgeschieden werden, können fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) im Körper gespeichert werden und bei Überdosierung zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen führen, die auch Leber und Nieren belasten können.

Fragwürdige Werbeversprechen und rechtliche Grauzonen

Das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln als Lifestyle-Produkte wächst stetig. Im Internet, in Drogeriemärkten und Discountern finden sich unzählige Produkte, die sich an breite Zielgruppen wie Männer, Mütter oder Senioren richten, oder spezifische Probleme wie Haarausfall, Falten oder ein schwaches Immunsystem adressieren.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel eingestuft werden. Das bedeutet, dass sie keiner Zulassungspflicht unterliegen. Der Hersteller ist lediglich für die Sicherheit seines Produkts verantwortlich, nicht jedoch für dessen nachgewiesene Wirkung. Dies führt dazu, dass es keine behördliche Kontrolle der Inhaltsstoffe und ihrer Wirksamkeit gibt und bisher keine verbindlichen Höchstmengen für alle Vitamine und Mineralstoffe in NEM festgelegt sind.

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Lebensmittelbehörden greifen zwar immer wieder Produkte auf, die beispielsweise wegen Salmonellen, eines zu hohen Jodgehalts oder einer Vitamin-Überdosierung vom Markt genommen werden müssen. Eine Beratung in der Apotheke kann zwar kompetenter sein als im Einzelhandel, jedoch ist auch hier keine Garantie für die Qualität eines NEM gegeben, anders als bei geprüften Arzneimitteln.

Worauf Verbraucher achten sollten

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass die beworbene Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf Gesundheit und Wohlbefinden nicht über das hinausgehen kann, was eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Kräutern und Vollkornprodukten leisten kann.

Fazit: Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel – und wer nicht?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Deutschland die meisten Menschen, die sich einigermaßen ausgewogen ernähren, keine Nahrungsergänzungsmittel benötigen. Ausnahmen bestehen bei bestimmten Ernährungsformen, chronischen Erkrankungen, besonderen Lebensphasen oder nachgewiesener Mangelernährung. In solchen Fällen kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein.

Um festzustellen, ob eine Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen vorliegt, sind Ärztinnen und Ärzte sowie Ernährungsberatungen die ersten und wichtigsten Ansprechpartner. Sie können eine fundierte Diagnose stellen und eine individuelle Empfehlung aussprechen.

Beatrix Polgar-Stüwe

Quellen: