Deutschland steht, wie viele andere Länder weltweit, vor der Herausforderung, seine Städte nachhaltig zu gestalten. Angesichts der zunehmenden Urbanisierung – bis 2030 werden voraussichtlich 60% der Weltbevölkerung in Städten leben – sind innovative Ansätze gefragt. Nachhaltige Stadtentwicklung ist dabei nicht nur ein Schlagwort, sondern ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität, die wirtschaftliche Attraktivität und die Zukunftsfähigkeit urbaner Räume. Dies erfordert ein Umdenken in Planung und Verwaltung, bei dem Bildung eine zentrale Rolle spielt. Umweltprojekte mit Kindern können hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie frühzeitig das Bewusstsein für Umweltthemen schärfen.
Die Herausforderungen der wachsenden Urbanisierung
Während Mitte des 20. Jahrhunderts nur 30 Prozent der Weltbevölkerung städtisch lebten, hat sich dieser Anteil auf über 50 Prozent erhöht. Diese rasante Entwicklung bringt für Deutschland zwar Vorteile wie eine gute Erreichbarkeit von Geschäften und kulturellen Angeboten mit sich, birgt aber auch erhebliche Herausforderungen. Steigende Mietpreise und Verdrängung sind hierzulande spürbar. In Entwicklungsregionen sind die Probleme oft gravierender, wo ein großer Teil der Stadtbevölkerung in Slums lebt.
Die ungeplante Ausdehnung städtischer Gebiete führt zu Zersiedelung und hohem Flächenverbrauch. Dies erhöht den CO2-Ausstoß pro Kopf, verschärft Umweltverschmutzung und treibt die Wohnraumpreise weiter in die Höhe. Insbesondere die Luftverschmutzung stellt ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar, das weltweit Millionen frühzeitiger Todesfälle verursacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klare Grenzwerte für die Luftverschmutzung festgelegt, die jedoch in vielen Städten überschritten werden.
Um diesen Problemen entgegenzuwirken, haben 142 Länder nationale Strategien zur nachhaltigen Stadtentwicklung implementiert, die oft mit Ziel 11 der UN-Nachhaltigkeitsziele im Einklang stehen: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten. In Deutschland bildet die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung den Rahmen hierfür, wobei Ländern und Kommunen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung zukommt. Ihre Nähe zu Bürgern und Unternehmen ermöglicht es ihnen, lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen und gezielt nachhaltige Entwicklung zu fördern.
Säulen einer nachhaltigen Stadt
Nachhaltige Stadtplanung vereint ökonomische Effizienz mit sozialer Gerechtigkeit und berücksichtigt dabei stets die sich wandelnden Umweltbedingungen. Zentrale Ziele sind ein geringer Energieverbrauch, eine effiziente Raumnutzung und die Vermeidung von Abfall. Ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, eine effektive Müllentsorgung und innovative Architektur, die nachhaltige Lebensstile ermöglicht, sind essenziell.
Es gibt keine universelle Blaupause für nachhaltige Stadtentwicklung. Jeder Standort erfordert eine angepasste Strategie, die naturräumliche, kulturelle und soziale Unterschiede berücksichtigt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert weltweit Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Städten und zur Regulierung negativer ökologischer Folgen des Wachstums. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung regt mit Wettbewerben wie “Zukunftsstadt” Ideen für lebenswertere Städte an.
© Sylwia Mirzynska
Internationale und kommunale Ansätze
Der Weltgipfel zu nachhaltiger Stadtentwicklung 2016 in Quito verabschiedete die “New Urban Agenda”, die einen Weg zu nachhaltiger und integrierter Stadtentwicklung aufzeigt. Themen wie nachhaltige Mobilität, energieeffiziente Gebäude und geregelte Abfallentsorgung stehen hier im Fokus, ebenso wie die Klimaresilienz. In Deutschland setzen Oberbürgermeister und kommunale Vertreter diese Agenda um. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung fördert den Dialog über soziale und ökologische Aspekte der Stadtentwicklung, von Wohnraum bis Mobilität. Zentral für die Umsetzung ist dabei die Beteiligung aller Betroffenen und die Entwicklung von Handlungskompetenzen.
© Eva Blank
Bildung als Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung
Um die notwendigen Handlungskompetenzen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu entwickeln, ist umfassende Bildung unerlässlich. Sie befähigt die Bürgerinnen und Bürger, kreative Lösungen zu verstehen, zu unterstützen und selbst zu entwickeln. Effiziente Energienutzung, gutes Wasser- und Abwassermanagement sowie soziale Inklusion können nur durch gut informierte Menschen realisiert werden.
Das UNESCO-Weltaktionsprogramm “Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) betont die Rolle von Städten und Gemeinden bei der Förderung von BNE auf lokaler Ebene. Die Deutsche UNESCO-Kommission zeichnet gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung Kommunen aus, die BNE erfolgreich implementieren. Beispiele hierfür sind Dornstadt, Erfurt, Neumarkt in der Oberpfalz und Frankfurt am Main, die durch vielfältige Initiativen und Programme eine Vorreiterrolle einnehmen.
Ausgezeichnete Kommunen in Deutschland
- Gemeinde Dornstadt: Hat BNE zur kommunalen Querschnittsaufgabe erklärt und fördert diese durch Beteiligung und spezielle Programme wie die “Dornstadter Zukunftsgestalter”.
- Landeshauptstadt Erfurt: Verankert BNE strategisch im Bildungsleitbild und koordiniert zahlreiche Projekte über eine Stabsstelle.
- Neumarkt in der Oberpfalz: Entwickelt seit 2002 eine Nachhaltigkeitsstrategie mit starker Bürgerbeteiligung und vergibt jährlich den Klimaschutzpreis.
- Frankfurt am Main: Arbeitet seit 2008 mit dem Konzept BNE und fördert dieses unter anderem durch das “Schuljahr der Nachhaltigkeit” an Grundschulen.
- Gelsenkirchen: Erhielt den UNESCO Learning Cities Award 2017 für sein Engagement für lebenslanges Lernen und nachhaltige Entwicklung.
Forschung und Innovation für die Stadt der Zukunft
Neben Bildung sind Forschung und Wirtschaft entscheidend für die Entwicklung neuer Strategien und Infrastrukturen, um Städten zu helfen, widerstandsfähiger und wandlungsfähiger zu werden. Die Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung zielt darauf ab, einen Leitmarkt für nachhaltige Stadtsysteme zu schaffen. Initiativen wie die Morgenstadt-Initiative der Fraunhofer-Gesellschaft treiben Innovationen für die Stadtentwicklung voran.
Das 30-Hektar-Ziel: Flächenverbrauch eindämmen
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat sich in den letzten 60 Jahren mehr als verdoppelt. Täglich werden etwa 69 Hektar verbaut. Obwohl sich die Entwicklung verlangsamt hat, ist die Umwandlung wertvoller Flächen in Bauland weiterhin ein Problem. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den täglichen Flächenverbrauch auf 30 Hektar zu reduzieren.
Nachhaltige Stadtentwicklung ist ein fortlaufender Prozess, der gemeinsames Engagement erfordert. Indem wir Bildung, Forschung und innovative Ansätze miteinander verbinden, können wir sicherstellen, dass Deutschlands Städte auch für zukünftige Generationen lebenswert, resilient und nachhaltig bleiben.

