Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr, sondern der neue Standard, besonders im Bauwesen. Dennoch rangiert sie in der Planung und Umsetzung oft noch hinter etablierten Prioritäten wie Sicherheit, Kosten und Terminen. Die gesellschaftliche Relevanz von Ressourceneffizienz und Klimaschutz gewinnt jedoch stetig an Bedeutung, und dem Bausektor kommt hier aufgrund seiner wirtschaftlichen Tragweite und seines enormen Ressourcenverbrauchs eine Schlüsselrolle zu. Dieses Handbuch bietet eine umfassende Übersicht über technische Lösungsansätze für das Planen und Bauen, insbesondere im Hinblick auf die tragenden Strukturen. Es beleuchtet den aktuellen Stand der Technik und richtet sich an Bauingenieure, Bauunternehmen und Hersteller von Bauprodukten.
Die globale Herausforderung des Klimawandels und die Endlichkeit natürlicher Ressourcen erfordern ein Umdenken in allen Sektoren, insbesondere im Bauwesen, das maßgeblich zu Ressourcenverbrauch und Emissionen beiträgt. Dieses Buch widmet sich der dringenden Notwendigkeit, Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Klimaschutz als integrale Bestandteile des Bauprozesses zu etablieren. Es präsentiert fundierte Lösungsansätze, die auf dem neuesten Stand der Technik basieren und dazu beitragen, die gebaute Umwelt zukunftsfähig zu gestalten. Mit Beiträgen führender Experten aus Praxis, Forschung und Politik bietet es wertvolle Einblicke und konkrete Anleitungen für eine ressourcenschonende und klimafreundliche Bauweise.
Nachhaltigkeit als Standard im Bauwesen
Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Bauindustrie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ein Umdenken auf allen Ebenen erfordert. Von der Politik über die Forschung bis hin zur täglichen Praxis müssen neue Wege beschritten werden, um ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen. Initiativen wie die der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit ihrem ganzheitlichen Ansatz und der Zertifizierung von Gebäuden und Quartieren spielen eine entscheidende Rolle bei der Förderung eines verantwortungsvollen Handelns. Transparente und verlässliche Daten, wie sie beispielsweise durch Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) bereitgestellt werden, sind unerlässlich, um fundierte Entscheidungen treffen zu können und den Fortschritt messbar zu machen.
Konstruktive Lösungen für eine grüne Zukunft
Das Handbuch beleuchtet vielfältige konstruktive Lösungsansätze, die den Weg zu einem nachhaltigeren Bauen ebnen. Themen wie die zirkuläre Bauwirtschaft, die auf Wiederverwendung und Recycling von Materialien setzt, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Konzepte wie Leichtbau mit Beton und innovativen Materialien ermöglichen eine Reduzierung des Materialverbrauchs, während der Fokus auf klimapositiven Planungs- und Baumaßnahmen dazu beiträgt, den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Auch die Qualität der Innenraumluft und die Verwendung gesunder Baumaterialien rücken stärker in den Fokus, um das Wohlbefinden der Nutzer zu gewährleisten. Die DGNB ist eine treibende Kraft, wenn es darum geht, diese Prinzipien durch die Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden und Quartieren zu verankern.
Innovative Materialien und Techniken
Ein zentraler Aspekt der Nachhaltigkeit im Bauwesen liegt in der Wahl und dem Einsatz innovativer Materialien und Bautechniken. Das Buch präsentiert fortschrittliche Ansätze wie die Nutzung von Carbonbeton für ressourceneffiziente Stahlbaulösungen, die Wiederverwendung von Stahl und Leichtbaumaterialien im europäischen Kontext sowie nachhaltiges Bauen mit Mauerwerk und Holz. Auch traditionelle, aber wiederentdeckte Materialien wie Stampflehm werden für das Bauen der Zukunft ins Auge gefasst. Diese Materialien tragen nicht nur zur Ressourceneffizienz bei, sondern ermöglichen auch klimagerechtes und robustes Bauen. Für Bauprofis ist es essenziell, sich mit diesen neuen Möglichkeiten vertraut zu machen und diese in ihre Projekte zu integrieren, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren.
Transparenz und Digitalisierung im Bauprozess
Um Nachhaltigkeit im Bauwesen erfolgreich umzusetzen, sind Transparenz und die Nutzung digitaler Werkzeuge unerlässlich. Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) bieten detaillierte Informationen über die Umweltauswirkungen von Bauprodukten und ermöglichen einen transparenten Vergleich. Die digitale Infrastruktur, wie sie beispielsweise durch das ÖKOBAUDAT bereitgestellt wird, unterstützt die Sammlung und Verarbeitung dieser Daten. Auditing-Prozesse helfen dabei, Nachhaltigkeitsaspekte systematisch in der Planung zu verankern. Die Dekarbonisierung und die Steigerung der Ressourceneffizienz im Hochbau erfordern innovative Ansätze, die durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschern, Herstellern und Planern vorangetrieben werden. Das Institut Bauen und Umwelt (IBU) spielt hierbei eine wichtige Rolle durch die Förderung von EPDs.
Bauen im Bestand und Urban Mining
Angesichts der begrenzten Ressourcen und der Notwendigkeit, Flächen effizient zu nutzen, gewinnt das Bauen im Bestand und das sogenannte Urban Mining an Bedeutung. Die Erhaltung und Umnutzung bestehender Gebäude schont Ressourcen und reduziert Bauschutt. Urban Mining, also die Gewinnung von Wertstoffen aus dem bebauten Umfeld, bietet ein enormes Potenzial zur Schließung von Stoffkreisläufen. Dies erfordert neue Planungsansätze und Technologien, um Materialien fachgerecht zu demontieren und wiederzuverwenden. Dieser Ansatz ist essenziell, um die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen voranzutreiben und die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen zu verringern.
Fazit: Eine gemeinsame Anstrengung für eine nachhaltige Zukunft
Die Transformation des Bauwesens hin zu mehr Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Klimaschutz ist eine komplexe, aber unerlässliche Aufgabe. Dieses Handbuch liefert einen wertvollen Beitrag, indem es den aktuellen Stand der Technik aufzeigt und praktische Lösungsansätze für die Planung und Ausführung bietet. Die Beiträge führender Experten verdeutlichen, dass eine ganzheitliche Betrachtung von ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Aspekten entscheidend ist. Durch die Anwendung innovativer Materialien, digitaler Werkzeuge und die konsequente Umsetzung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft können wir eine gebaute Umwelt schaffen, die nicht nur funktional und ästhetisch überzeugt, sondern auch den Anforderungen zukünftiger Generationen gerecht wird. Beginnen Sie noch heute damit, Nachhaltigkeit in Ihren Projekten zu priorisieren – für eine lebenswerte Zukunft.

