Nachhaltige Stadtentwicklung: Bildung als Schlüssel für zukunftsfähige Metropolen

Städte sind das pulsierende Herz der modernen Welt. Mehr als die Hälfte der globalen Bevölkerung lebt bereits in urbanen Zentren, und dieser Trend wird weiter zunehmen, wobei bis 2030 voraussichtlich sechs von zehn Menschen Stadtbewohner sein werden. Diese Urbanisierung bringt immense Herausforderungen mit sich, aber auch zahlreiche Vorteile: eine leichte Erreichbarkeit von Geschäften, kulturellen Angeboten und Dienstleistungen, verbesserte Bildungschancen und ein gesteigertes Innovationspotenzial. Doch nur durch eine solide und risikogerechte Planung und Steuerung können Städte zu Motoren einer nachhaltigen Entwicklung werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Bildung, die Städte attraktiver macht und die Bürger befähigt, ihre Stadt aktiv mitzugestalten, was wiederum Engagement und sozialen Zusammenhalt fördert.

Urbanisierung: Herausforderungen und Chancen für nachhaltige Entwicklung

Im 20. Jahrhundert hat sich das Bevölkerungswachstum stark in die urbanen Zentren verlagert. Während Mitte des 20. Jahrhunderts nur 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebten, ist dieser Anteil heute auf über 50 Prozent angewachsen. Diese Entwicklung birgt nicht nur Vorteile, sondern auch erhebliche Herausforderungen. Während in Deutschland vor allem Verdrängung und steigende Mietpreise im Vordergrund stehen, sind die Probleme in Entwicklungsregionen oft gravierender. Im Jahr 2014 lebten dort 30 Prozent der Stadtbewohner in Slums, was über 880 Millionen Menschen betrifft.

Die ungeplante Vergrößerung urbaner Räume kann zu einer Zersiedelung mit hohem Flächenverbrauch führen, was wiederum den CO2-Ausstoß pro Kopf erhöht, die Umwelt verschmutzt und die Wohnraumpreise in die Höhe treibt. Die Luftverschmutzung stellt ein erhebliches Umwelt- und Gesundheitsrisiko dar, das weltweit zu Millionen vorzeitigen Todesfällen beiträgt. Im Jahr 2014 war die Luftqualität für die Hälfte der Stadtbevölkerung weltweit so schlecht, dass sie die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um das 2,5-Fache überschritt.

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Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen 142 Länder auf nationale städtepolitische Maßnahmen, die sich an den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientieren. Ziel 11 der Agenda 2030 fordert die Schaffung von inklusiven, sicheren, widerstandsfähigen und nachhaltigen Städten und Siedlungen. In Deutschland bildet die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung den Rahmen für diese Bemühungen. Sie betont die entscheidende Rolle von Ländern und Kommunen bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, da sie durch ihre Nähe zu den Bürgern und lokalen Initiativen gezielt auf die Gegebenheiten vor Ort eingehen können. Die Bundesregierung unterstützt Kommunen dabei durch die Förderung von Nachhaltigkeitsstrategien, die Umstellung auf nachhaltige Beschaffung und die Initiierung lokaler Partnerschaften.

© Sylwia Mirzynska

Die Säulen der nachhaltigen Stadt

Nachhaltige Stadtplanung stützt sich auf mehrere Säulen: ökonomische Effizienz, soziale Gerechtigkeit und die Berücksichtigung sich ständig ändernder Umweltbedingungen. Zentrale Elemente sind ein geringer Energieverbrauch, eine nachhaltige Raumnutzung und die Vermeidung von Abfall. Ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, eine effiziente Müllentsorgung und architektonische Innovationen, die einen nachhaltigen Lebensstil fördern, sind unerlässlich. Es gibt keine universelle Blaupause für Nachhaltige Stadtentwicklung; jede Stadt erfordert eine angepasste Strategie, die lokale Gegebenheiten, kulturelle und soziale Unterschiede berücksichtigt.

Internationale Initiativen wie die “New Urban Agenda”, die 2016 in Quito verabschiedet wurde, setzen auf eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung mit Schwerpunkten auf Mobilität, energieeffiziente Gebäude und Abfallmanagement. Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel ist ein zentrales Thema. In Deutschland diskutieren und setzen Oberbürgermeister von über dreißig Städten diese Agenda um. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung fördert den Dialog über Nachhaltige Stadtentwicklung, wobei soziale und ökologische Aspekte der Wohnraumversorgung, Kommunalfinanzen und Mobilität im Fokus stehen. Die Partizipation aller Betroffenen und die Entwicklung von Handlungskompetenzen sind dabei von zentraler Bedeutung.

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© Eva Blank

Bildung als Motor für nachhaltige Stadtentwicklung

Umfassende Aus- und Weiterbildung sind unerlässlich, um die Handlungskompetenzen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern. Hochwertige Bildung ermöglicht es den Bürgern, kreative Lösungen zu verstehen, zu unterstützen und selbst zu entwickeln. Effiziente Stadtplanung, Energienutzung, Wasserversorgung und soziale Inklusion sind nur durch qualifiziertes Personal realisierbar.

Das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erkennt die wichtige Rolle von Städten und Gemeinden an. Die Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene ist ein zentrales Handlungsfeld, um BNE-Programme und Netzwerke auszuweiten. Die Deutsche UNESCO-Kommission zeichnet gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung Kommunen aus, die BNE erfolgreich implementieren.

Beispiele für solche Vorreiterkommunen sind:

  • Gemeinde Dornstadt: Hat BNE zur Querschnittsaufgabe erklärt und durch Partizipation ein gemeinsames Konzept entwickelt.
  • Landeshauptstadt Erfurt: Verankert BNE strategisch im Bildungsleitbild und koordiniert zahlreiche Projekte und Aktivitäten.
  • Neumarkt in der Oberpfalz: Entwickelt seit 2002 eine Nachhaltigkeitsstrategie mit starker Bürgerbeteiligung und ist Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises.
  • Frankfurt am Main: Arbeitet seit 2008 mit dem Konzept BNE und hat das Netzwerk “Nachhaltigkeit lernen in Frankfurt” etabliert.
  • Gelsenkirchen: Erhielt den UNESCO Learning Cities Award 2017 für sein Engagement im Bereich Bildung und lebenslanges Lernen.

Forschung und Innovation für die Stadt der Zukunft

Neben Bildung sind auch Forschung und Wirtschaft entscheidend für die Entwicklung resilienter und wandlungsfähiger Städte. Neue Herangehensweisen, Strategien und Infrastrukturen müssen entwickelt werden, um extremen Situationen und neuen Rahmenbedingungen begegnen zu können. Die Bundesregierung fördert im Rahmen ihrer Hightech-Strategie 2020 das Zukunftsprojekt “Die CO2-neutrale, energieeffiziente und klimaangepasste Stadt”, um einen Leitmarkt für nachhaltige Stadtsysteme zu schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu vertiefen. Die Fraunhofer-Gesellschaft treibt diese Entwicklung durch die Morgenstadt-Initiative voran.

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Exkurs: Das 30-Hektar-Ziel

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat sich in den letzten 60 Jahren mehr als verdoppelt. Täglich werden etwa 69 Hektar verbaut. Obwohl sich die Entwicklung verlangsamt, ist das Tempo zu langsam, um wertvolle Flächen zu schützen. Die Bundesregierung hat sich daher das Ziel gesetzt, bis 2020 nur noch 30 Hektar neue Fläche pro Tag in Anspruch zu nehmen.

Projekte und weiterführende Informationen

Zahlreiche Projekte und Initiativen fördern die nachhaltige Stadtentwicklung in Deutschland und international. Dazu gehören Programme zur Unterstützung von Kommunen bei der Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte, Plattformen für internationale Städtepartnerschaften und Verbände, die sich der nachhaltigen Entwicklung verschrieben haben. Organisationen wie die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt unterstützen Städte und Gemeinden bei der Ausrichtung ihrer Arbeit auf globale Nachhaltigkeitsziele.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bietet eine Fülle von Projekten und Fachbeiträgen zum Thema Nachhaltige Stadtentwicklung. Weiterführende Informationen finden sich auch im Lexikon der Nachhaltigkeit, auf Wikipedia oder über die Webseiten von Verbänden wie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund, dem Deutschen Städtetag oder dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU).