Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen: Ein kritischer Blick auf Inhaltsstoffe und Versprechen

Der Wunsch nach einer schlanken Figur ist weit verbreitet, und der Markt bietet eine Fülle von Produkten, die schnelle Erfolge versprechen. Doch was steckt wirklich hinter Nahrungsergänzungsmitteln, die den Stoffwechsel ankurbeln, den Appetit zügeln oder Fett verbrennen sollen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Arten von Präparaten, ihre Inhaltsstoffe, angebliche Wirkungen und die damit verbundenen Risiken. Viele dieser Produkte, oft als Kapseln, Tabletten oder sogar Gummibärchen angeboten, nutzen erlaubte gesundheitsbezogene Angaben wie „trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“. Diese Aussage darf verwendet werden, wenn bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in einer Tagesdosis von mindestens 15 % des Nährstoffbezugswerts enthalten sind. Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass dies nicht bedeutet, dass diese Produkte beim Abnehmen helfen. Erfahren Sie hier mehr über Diätprodukte.

“Stoffwechsel”-Nahrungsergänzungsmittel: Mehr als nur Vitamine?

Präparate, die als Stoffwechsel-Booster vermarktet werden, enthalten oft eine Mischung aus Vitaminen und Mineralstoffen. Die beworbene Aussage, dass diese „zu einem normalen Energiestoffwechsel beitragen“, ist wissenschaftlich belegt, sofern bestimmte Mindestmengen erreicht werden. Doch diese Formulierung ist eine generische Angabe, die für viele Mikronährstoffe gilt und keine direkte Gewichtsreduktion impliziert. Ein kritischer Punkt ist zudem die Deklaration: Da es sich um Nahrungsergänzungsmittel und nicht um Süßigkeiten handelt, ist der Zuckergehalt nicht immer klar ausgewiesen, was bei Produkten wie den beliebten “Schlankheits-Bärchen” zu einer unerwarteten Kalorienzufuhr führen kann.

Appetitbremsen: Kurzfristige Hilfe mit Langzeitrisiko

Appetitbremsen, die rezeptfrei erhältlich sind, unterscheiden sich von verschreibungspflichtigen Appetitzüglern. Häufig enthalten sie Extrakte aus Mate oder Guarana, die eine hungerdämpfende und anregende Wirkung haben, oft begleitet von einer leicht entwässernden Komponente. Der durch Entwässerung erzielte Gewichtsverlust ist jedoch kein Fettabbau und die hungerdämpfende Wirkung ist meist nur von kurzer Dauer. Nach Absetzen der Präparate kehrt das Gewicht schnell zurück – ein klassischer Jo-Jo-Effekt.

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Anstelle von chemischen Appetitzüglern sind ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Vollkornprodukte sowie pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte und Haferflocken eine nachhaltigere Alternative für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Produkte, die mit dem Hormon GLP-1 (bekannt aus “Abnehmspritzen”) werben, sind oft irreführend. Der einst in appetitzügelnden Medikamenten enthaltene Wirkstoff Sibutramin ist seit 2010 wegen schwerer Nebenwirkungen weltweit verboten. Auch Rimonabant, ein weiterer Wirkstoff zur Appetitkontrolle, ruht seit 2007 die Zulassung. Selbst diese starken Medikamente zeigten im Vergleich zu Placebos nur geringe Vorteile und das Körpergewicht stieg nach Absetzen wieder an. Mit der Zulassung von “Wegovy” in der EU gibt es zwar eine neue Option zur Gewichtsreduktion, diese ist jedoch verschreibungspflichtig, wird nicht von den Krankenkassen bezahlt und mit häufigen Magen-Darm-Beschwerden verbunden. Erfahren Sie mehr über Appetithemmer.

Ballaststoff- und quellstoffhaltige Produkte: Die Bedeutung von Flüssigkeit

Produkte, die reich an Ballast- und Quellstoffen sind, werden oft als wirksame Hungerbremsen angepriesen. Ihre Wirkung entfaltet sich jedoch nur bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr; andernfalls besteht die Gefahr eines Darmverschlusses. Ein bekannter Quellstoff ist Glucomannan aus der Konjak-Knolle, der für ein starkes Sättigungsgefühl sorgt. Allerdings können sich Nutzer an diesen Effekt gewöhnen und nach der Gewichtsabnahme wieder mehr essen, wenn keine generelle Kalorienreduktion stattfindet. Zusätzliche abführende oder entwässernde Wirkstoffe in einigen Präparaten verschleiern den tatsächlichen Fettabbau. Informationen zu Quellstoffen wie Glucomannan finden Sie hier.

Enzympräparate und Fett-/Kohlenhydratblocker: Begrenzte Wirksamkeit

Enzympräparate, die dem Körper eiweißspaltende Enzyme wie Papain oder Bromelain zuführen sollen, bauen kein Fett ab, sondern verbessern lediglich die Eiweißverwertung, was keine Kalorien spart. Manche Präparate enthalten zudem abführend wirkende Fruchtsäuren oder zugesetzte Vitamine zur Bewerbung.

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Fett- und Kohlenhydratblocker werden zunehmend als Medizinprodukte angeboten, um sich der strengeren Lebensmittelkennzeichnung zu entziehen. Fettblocker mit Inhaltsstoffen wie Chitosan sollen Nahrungsfette binden, erzielen aber nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Diät eine Wirkung. Medikamente mit dem Wirkstoff Orlistat greifen ähnlich ein, um die Fettaufnahme zu hemmen. Ein kritischer Punkt bei Fettblockern ist, dass sie auch fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) binden und deren Ausscheidung bewirken. Kohlenhydratblocker können die Spaltung von Stärke hemmen, aber nur zu etwa 60 Prozent und helfen nicht gegen übermäßigen Zuckerkonsum. Unverdaute Stärke kann zu Blähungen und Durchfall führen. Die Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme kann zudem die Versorgung mit Mikronährstoffen und die Wirkung von Medikamenten negativ beeinflussen. Erfahren Sie mehr über Chitosan und Orlistat und die Fettverdauung hemmende Mittel wie Orlistat.

Fatburner: Fragwürdige Versprechen und Risiken

Die Wirksamkeitsversprechen von Fatburnern, die oft von Sportlern und Bodybuildern genutzt werden, sind wissenschaftlich nicht gesichert, wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt hat. Die Europäische Union hat solche gesundheitsbezogenen Angaben nicht als “Health Claims” zugelassen, und der Begriff “Fatburner” selbst wurde gerichtlich verboten. Fatburner sind oft eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten, deren kombinierte Wirkung schwer einzuschätzen ist und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Insbesondere die Kombination mit Koffein, wie sie häufig in Produkten mit Synephrin (Bitterorangenextrakt) vorkommt, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme wie Bluthochdruck und Herzrasen bis hin zu Herzinfarkten erhöhen. Ephedrin, früher ein gängiger Bestandteil, ist seit Jahren in Europa und den USA verboten. Auch Garcinia cambogia wird mit Leber-, Herz-Kreislauf- und Verdauungsrisiken in Verbindung gebracht. Die Gefahren von Fatburnern werden hier thematisiert.

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Keto-Gums und Mahlzeitersatz: Marketingfalle oder sinnvolle Unterstützung?

Keto-Gums, die wie Gummibärchen aussehen und mit Begriffen wie “Keto”, “X-plode” oder “F-Burner” beworben werden, versprechen oft Gewichtsreduktion und Stärkung des Immunsystems. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die behauptete ketosefördernde Wirkung weder plausibel noch wissenschaftlich belegt ist. Der Begriff “keto” dient hier primär dem Marketing.

Fertiggetränke, die ganze Mahlzeiten ersetzen sollen, sind streng genommen keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern fallen unter die Kategorie “Mahlzeitersatz für eine gewichtskontrollierende Ernährung”. Sie können zur Gewichtsreduktion beitragen, wenn sie zwei der täglichen Hauptmahlzeiten im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung ersetzen, oder zur Gewichtserhaltung, wenn eine Mahlzeit täglich ersetzt wird. Dabei müssen spezifische Vorgaben hinsichtlich Kalorien, Eiweiß, Fett sowie Vitamin- und Mineralstoffgehalt eingehalten werden. Die entsprechende Verordnung (EU) 432/2012 regelt die Zusammensetzung. Viele dieser Produkte enthalten jedoch sehr viel Zucker, der die empfohlenen Tagesmengen überschreiten kann.

Besondere Vorsicht ist bei “Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung” geboten. Diese sind durch eine eigene Verordnung geregelt und richten sich explizit an gesunde, übergewichtige oder fettleibige Erwachsene. Sie sind nicht für Schwangere, Stillende, Jugendliche oder Personen mit gesundheitlichen Beschwerden ohne ärztlichen Rat bestimmt und sollten nicht länger als acht Wochen oder wiederholt über kürzere Zeiträume ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden. Warnhinweise zu möglichen abführenden Wirkungen oder zur Wichtigkeit ausreichender Flüssigkeitszufuhr sind obligatorisch. Irreführende Angaben zum Tempo oder Umfang der Gewichtsabnahme sind verboten. Die Nährwertangaben müssen klar ersichtlich sein, wobei Prozentangaben für Vitamine und Mineralstoffe nicht genannt werden dürfen. Die Kennzeichnung “sehr kalorienarme Ernährung” darf nur für Tagesrationen unter 800 kcal/Tag verwendet werden. Weitere Details finden Sie in der Verordnung (EU) 2017/1798.